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Katharina Anzengruber

studierte Musikerziehung, Instrumentalmusikerziehung (Gitarre, Gesang) und IGP Gitarre an der Universität Mozarteum sowie Germanistik an der Paris Lodron Universität Salzburg. Seit 2010 unterrichtet sie an einem Salzburger Gymnasium, seit 2015 ist sie außerdem Mitglied des interuniversitären Doktoratskollegs Die Künste und ihre öffentliche Wirkung, welches am Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft und Kunst angesiedelt ist. Sowohl in ihrer Rolle als Pädagogin als auch als Wissenschaftlerin hat sie in der Vergangenheit an verschiedenen Projekten zur Vermittlung Experimenteller Musik mitgearbeitet (Jugendprogramm der Salzburg Biennale, Sparkling Science-Projekt Individuum-Collectivum). Auch engagiert sie sich in anderen Bereichen der Musikvermittlung, etwa als Salzburger Landesobfrau der Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich, als Mitglied der European Association of Music Education und als Chorleiterin des Oberstimmenchors Da.Capo.

Annäherungen an Ljubljana oder: ein Baukasten zur Stadterkundung

3.        Wege aus den Experimentierräumen?

In TouristInnenmanier fahren wir mit dem Taxi in die Altstadt, spazieren entlang der Ljubljanica, vorbei an Kirchen, Geschäften, Cafés, Restaurants und Bars. Die Marktstände des bekannten Zentralmarktes im Stadtkern werden gerade abgebaut. Ein Akkordeonist spielt Mozart. Vertrautheit und keine Spur von Experiment?

Der Weg hat uns nun eindeutig auf touristische Pfade geführt – auf ihnen bleiben wir und betreten das Gebäude der Slowenischen Philharmonie, in dem das gleichnamige Orchester beheimatet ist. Dort empfängt uns der Oboist und Universitätsdozent Matej Sarc und gewährt uns am Beispiel dieses traditionsreichen Orchesters Einblicke in die repräsentative, klassische Musikszene der Stadt. Doch auch er berichtet von Schwierigkeiten: die Orientierung des MusikerInnen-Nachwuchses hin zu ‚namhafteren‘ europäi-schen Orchestern, das Problem von nicht mehr füllbaren Konzertsälen und das Festhal-ten an Traditionswerken, sodass der zeitgenössischen Musik nur eine sehr untergeordnete Rolle in den gegenwärtigen Programmen zukommt. Um letzterem Problem entgegenzuwirken, hat Matej Sarc 1995 gemeinsam mit Orchesterkollegen ein Bläserquintett, das Slowind Quartet, und 1999 das Slowind Festival für zeitgenössische Musik gegründet. Das Slowind Festival, das sich mittlerweile fest etabliert hat, findet einmal jährlich im Herbst und inzwischen in kleinerem Format auch im Frühjahr statt. Matej Sarc fungiert als Hauptorganisator dieses Festivals und programmiert es in Kooperation mit einer/einem jeweils wechselnden KuratorIn, einer/einem KomponistIn, die/der zugleich auch meist als DirigentIn auftritt. Gespielt werden Kompositionen von nationalen und internationalen KomponistInnen. Mindestens zweimal jährlich wird also auch die Slowenische Philharmonie zum Experimentierraum für Ausführende ebenso wie für das Publikum. Es erklingt Musik abseits der ‚Orchesterklassiker‘ und das Festival funktioniert!

Auf der Suche nach künstlerischen und kulturellen Experimentierräumen in Ljubljana sind wir fündig geworden. Sie sind überall zu finden, wo Menschen leidenschaftlich das Kulturleben einer Stadt (mit)gestalten: in besetzten Häusern, gemeindeeigenen Museen, repräsentativen Konzertsälen oder einfach in den Straßen und Gassen der Stadt. Sie alle werden als Ausdrucks- und Kommunikationsräume genutzt und bieten so viel Platz für vielerlei Versuchsanordnungen.

Die Bilder sind im Rahmen der Exkursion entstanden. Fotografin: Romana Hagyo

Katharina Anzengruber  (2017): Annäherungen an Ljubljana oder: ein Baukasten zur Stadterkundung. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten # 08 , http://www.p-art-icipate.net/cms/annaherungen-an-ljubljana-oder-ein-baukasten-zur-stadterkundung/