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Catherine Aigner

Catherine Aigner studierte Schauspiel und belegte im Anschluss das Studienfach Szenisches Schreiben an der bayrischen Theaterakademie August Everding in München. 2006 gewann sie für ihr Stück, „Mexiko“ ein Auslandsstipendium in Mexiko City. 2007 gewann sie mit ihrem Stück „Hinter Augen“ den Autorentheaterpreis am Thalia Theater in Hamburg. 2009 wurden ihre Stücke erstmals in andere Sprachen übersetzt. Catherine Aigner lebt derzeit in Salzburg und studiert Germanistik, ihre Texte erscheinen im Verlag der Autoren (Frankfurt am Main).

Artists Talk – eine Lehrveranstaltung der anderen ART

Eindrücke vom Artists Talk mit der Künstlerin Tanja Kumpermond

Im Rahmen des Studienschwerpunktes Künste und Öffentlichkeiten wird jedes Semester eine bunte Vielfalt an Lehrveranstaltungen angeboten, die sich mit Kunst und ihrer öffentlichen Wirkung beschäftigen, konzeptionelle Hintergründe beleuchten oder die Weiterentwicklung unterschiedlicher Kunsttendenzen unter die Lupe nehmen.

Artists Talk ist eine Lehrveranstaltung, die sich nicht mit den Hintergründen beschäftigt. Bei Artist Talk handelt es sich um eine Lehrveranstaltung der anderen ART. Das Auftauchen oder vielmehr das Aufblitzen der ersten Ideen der KünstlerInnen, Verschränkungen von Entwurf und Denken, Annahmen und Erwartungen, die Auseinandersetzungen hinter den Kulissen, in Ateliers und Werkstätten stehen hier im Zentrum und bilden die Grundlage für spannende Diskussionen mit den KünstlerInnen, die mit viel Freude über ihre Arbeitsschritte und Produktionsstadien sprechen.

So kam es im vergangenen Semester im Rahmen dieser Lehrveranstaltung zu einem Treffen mit der jungen und derzeit in München lebenden Künstlerin Tanja Kumpermond. Anhand verschiedener Aufnahmen ihrer Arbeiten war es uns möglich einen Eindruck zu gewinnen, der dann zu lebhaften Diskussionen führte.

Den Schwerpunkt bildeten Arbeiten, die in Mexiko City angefertigt wurden, da die Künstlerin dort einige Zeit als „Artist in Residence“ tätig war und sie dieser Aufenthalt zu ganz besonderen Arbeiten inspirierte. Zugleich stellte er sie allerdings auch vor besondere Herausforderungen, wie beispielsweise die Beschaffung von bestimmten Malutensilien. Es war unmöglich Pigmente in den gewünschten Farbtönen aufzutreiben. Der Künstlerin blieb also nichts anderes übrig, als auf andere Farbtöne auszuweichen. So traten nun ganz andere Farben in den Vordergrund und schufen ein komplett neues Verständnis der verarbeiteten Themen – der anfangs konstatierte Mangel führte letztendlich zu einem Experimentierfeld.

Tanja Kumpermonds Werke zu beschreiben ist nicht leicht. Sie bilden eine Komposition aus bemaltem Leinen, Holz- oder Metallkonstruktionen, Texten, die diese Werke begleiten und Lichtinstallationen. Sie sind in sich geschlossene Kunstwerke, die den klaren Gesetzen des Ganzen zu folgen scheinen, ohne äußeren Anlass. Es macht den Eindruck als würden alle Materialien, Farben und Farbtöne miteinander korrespondieren und sich gegenseitig zusammenhalten, ohne dass sie von außen etwas hält. Was beim Betrachter/ bei der Betrachterin unmittelbar ein Gefühl des „Wohlgefallens“ auslöst. Tanja Kumpermonds Werke haben für mich eine ganzheitliche Qualität, eine dynamische Ganzheit, die mich von Anfang an begeistert hat:

Es gibt Zusammenhänge, bei denen nicht, was im Ganzen geschieht, sich daraus herleitet, wie die einzelnen Stücke sind und sich zusammensetzen, sondern umgekehrt, wo – im prägnanten Fall – sich das, was an einem Teil dieses Ganzen geschieht, bestimmt von inneren Strukturgesetzen dieses seines Ganzen. (Wertheimer 1925)star (*1)

Ebenso gut wie die Verarbeitung und Verschmelzung der Materialien haben mir die Motive gefallen. Tanja Kumpermond gelingt es auf eine wunderbare Weise, ihre handwerkliche Kunst durch ihre Klarheit in der Gestaltung zum Ausdruck zu bringen. Es entsteht eine unglaubliche Dynamik, weil jedes Teil, jedes Element dahin tendiert, eine zentrale Stelle einzunehmen, was den Betrachter/ die Betrachterin immer wieder in eine neue Beziehung zu dem von ihm/ihr betrachteten Werk setzt.

Der Artist Talk mit Tanja Kumpermond war unglaublich angenehm und inspirierend, weil sich im Gespräch eine so schöne Mischung ergab zwischen Analysen ihrer Vorgehensweise, Reiseberichten, Erinnerungen und persönlichen Meinungen.

Mir hat die gesamte Lehrveranstaltung sehr gut gefallen, denn die Gespräche mit anderen KünstlerInnen waren nicht weniger interessant. Artists Talk ist eine Lehrveranstaltung, die einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht, auch mal weg vom Kopf ‑ in die Hand ‑ führt. Das habe ich sehr genossen, weil solche Möglichkeiten nicht sehr zahlreich sind. Natürlich haben wir alle die Gelegenheit ins Museum zu gehen, aber das ist wieder „nur“ der Blick von außen. Artists Talk vermittelt dazu Varianten und Wege der Entstehungsgeschichte, erzählt eigene Geschichten darüber, wie viel der Mensch schaffen kann und wie oft wir das im Alltag vergessen.

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Wertheimer, Max (1925): Über Gestalttheorie. In: Philosophische Zeitschrift für Forschung und Ansprache 1. (1925), S. 39-60 .

Catherine Aigner  (2016): Artists Talk – eine Lehrveranstaltung der anderen ART.

Eindrücke vom Artists Talk mit der Künstlerin Tanja Kumpermond

In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten # 07 , http://www.p-art-icipate.net/cms/artists-talk-eine-lehrveranstaltung-der-anderen-art/