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Johanna Öttl

Literaturwissenschaftlerin und Literaturvermittlerin in Salzburg und Wien. Forschungsschwerpunkte: Literatur über die Shoah, Groteske, Literatur und Erinnerung, österreichische Gegenwartsliteratur.

Studium der Germanistik und Anglistik an den Universitäten Salzburg und Wien mit Auslandsaufenthalten in Liverpool und Berlin. Nach mehrjähriger Arbeit als ÖAD-Lektorin am Trinity College Dublin und darauf folgend im österreichischen Kulturbetrieb, lehrt sie am Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg und promoviert am Doktoratskolleg Die Künste und ihre öffentliche Wirkung mit einer Arbeit zu Ästhetiken des Grotesken in der Literatur über die Shoah. Sie arbeitet außerdem für die Kulturzeitschrift wespennest, rezensiert für Die Presse und moderiert regelmäßig Buchpräsentationen in der Alten Schmiede Wien.

Zuletzt erschienen: Renaissancen des Kitsch (turia + kant, 2016; hg. gem. mit Christina Hoffmann)


Christina Hoffmann

Hoffmann, Christina Marie-Charlotte studierte Komparatistik und Romanistik an den Universitäten München und Wien mit Auslandsaufenthalten in Aix-en-Provence und Be’er Scheva. Ihre Dissertation verfasste sie als DOC-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über Motive der Dekadenzdichtung in zionistischer Literatur; weiters bildet die Intermedialitätsforschung zu Bild-Textbezügen einen ihrer Schwerpunkte. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit leitet sie eine Event-Agentur zur Kunst- und Kulturvermittlung: www.deliziarte.com

Digitalität und literarische Netz-Werke

Publikationsankündigung

Die literaturwissenschaftliche Reihe antikanon beschäftigt sich mit Fragen zur Genese, Konstitution und Veränderung literarischer Kanonbildung. Jede Ausgabe rückt den Fokus auf ein beispielsweise ästhetisches, ein medienspezifisches Phänomen oder ein Merkmal literarischer Texte, an dem sich eine auffällige (de)kanonisierende Wirkung zeigt. Diese Prozesse sollen aus unterschiedlichen philologischen sowie methodischen und theoretischen Blickwinkeln durchleuchtet werden. War der erste Band mit dem Thema Kitsch einer ästhetischen Bewertungskategorie gewidmet, befasst sich die zweite Ausgabe nun mit Veränderungen im Zuge der sogenannten dritten Medienrevolution und deren Auswirkungen auf Literatur.

Es ist davon auszugehen, dass mit dieser Medienrevolution sowohl Produktions-, Rezeptions- als auch Distributionsformen literarischer Texte einem Wandel unterzogen sind sowie sich Möglichkeiten des Erzählens – und damit auch ihre Formen, Gattungen und Funktionen – verändern. Eine denkbare Folge der Unmenge an produzierten Daten sind Prozesse von Dehierarchisierung (erleichterte Publikationsmöglichkeiten in Blogs, Foren, jedoch auch im E-Book-Sektor), die tradierte Konzeptionen von Autorschaft verwischen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwieweit diese Prozesse etablierte Institutionen wieder verstärkt auf den Plan rufen: Ob eine Rezension in der FAZ oder in einem unbekannten Literaturblog veröffentlicht wird, hat ebenso großen Einfluss auf das symbolische Kapital von AutorInnen wie Unterscheidungen zwischen etablierten Verlagen oder Selbstzahlerverlagen.

Implizit betreffen veränderte technische Möglichkeiten außerdem Verfahren originärer Textproduktion – diese werden in diesem Band in Zusammenhang mit der Zuschreibung des Plagiats sowie mit dem neuen Begriff des ‚unkreativen Schreibens‘ untersucht. Weiters gewinnt mit Blick auf den stärker partizipativen Charakter der sogenannten neuen Medien die Frage nach den RezipientInnen Kontur: nicht nur hinsichtlich Literatur im Netz, welche mit ihrer hypertextuellen Struktur sowie ihrer Flüchtigkeit andere Leseleistungen erfordert, sondern auch mit Blick auf das weite Feld der Beurteilung von Texten. Neben bereits bestehende Instanzen der Literaturkritik (z.B. das Feuilleton) treten beispielsweise gehäuft Blogs, welche tradierte literaturkritische Wertungskriterien unterlaufen oder schlichtweg ignorieren – sei es aus Unkenntnis oder mit der Intention, sie als überkommen zu demaskieren.

Der Begriff der Digitalität, der dem Band zugrunde liegt, ist damit nicht lediglich zu verstehen als Verweis auf Literatur, die außerhalb der Gutenberg’schen Distributionsform rezipiert werden kann oder muss. Vielmehr verweist er auch auf Literatur, die im Wissen von Digitalität andere Formen der Darstellung und des Erzählens produziert. Dieser erweiterte Digitalitätsbegriff trägt dazu bei, eine Vielzahl von Fragestellungen in einem Band versammeln zu können.

LiteraturwissenschaftlerInnen aus Wien (Norbert Bachleitner, Julia Grillmayr, Peter Clar), der Schweiz (Sofie Behluli und Gabriele Rippl), Deutschland (Angela Krewani, Robert Charlier) und Kanada (Jan Süselbeck) tragen zu dieser Debatte bei.

Christina Hoffmann/Johanna Öttl (Hg.): Digitalität und literarische Netz-Werke. Band 2 der Reihe antikanon. Wien: turia + kant, 2017.

Inhalt:
Norbert Bachleitner: Formen ‚unkreativen‘ Schreibens in der digitalen Literatur
Juila Grillmayr: Cyberpunk und die Panik des Kanons
Robert Charlier: Kanon und Plagiat. Literarische Originalität im medialen Zeitalter?
Angela Krewani: Mobile Medien und kommunikative Praxis: Überlegungen zu einer Ökologie der Autorschaft
Peter Clar: Elfriede Jelinek
Sofie Behluli, Gabriele Rippl: Ekphrasis in the Digital Age
Jan Süselbeck: Literaturkritische Netz-Werke im Zeitalter des ‚User Generated Content‘

Johanna Öttl  Christina Hoffmann  (2017): Digitalität und literarische Netz-Werke.

Publikationsankündigung

In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten # 08 , http://www.p-art-icipate.net/cms/digitalitat-und-literarische-netz-werke/