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Stefanie Svacina

Stefanie Svacina, wohnhaft in Salzburg, ist eine angehende Kunsthistorikerin. Seit ihrem Abschluss in Anglistik & Amerikanistik widmet sie sich in ihrem Kunstgeschichtestudium an der Universität Salzburg mit ihrer Abschlussarbeit zum Thema „The Fourth Plinth“. Dabei handelt es sich um ein zeitgenössisches Skulpturenprojekt am Trafalgar Square in London, bei dem in der Masterarbeit im Speziellen auf den medialen Diskurs zu den ausgestellten Kunstwerken eingegangen wird. Freiberuflich arbeitet Stefanie Svacina als Kunstvermittlerin im Museum der Moderne Salzburg wo sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene in deutscher wie englischer Sprache durch die Ausstellungen führt.

Gerold Tusch über die Keramik: Artists Talk mit Atelierbesuch

Eigentlich habe ich nie viel mit Skulpturen anfangen können – schon gar nicht mit jenen aus Keramik. Ich war der Überzeugung, dass die Arbeit mit Ton „nur“ zum Kunsthandwerk zählt. Vermutlich war meine Meinung diesbezüglich von der berühmten Keramikproduktion meines Heimatortes Gmunden beeinflusst. Gerold Tusch hat mich in seinem Artists Talk jedoch vom Gegenteil überzeugt.

Den Künstler lernte ich im Rahmen der Lehrveranstaltung Artists Talk unter der Leitung von Elisabeth Schmirl im Wintersemester 2015/16 neben Tanja Kumpermond, Karl Zechenter und Jonas Geise kennen und schätzen. Am 12. November 2015 besuchte uns Tusch im KunstQuartier, um über seine Arbeiten und seinen Beruf als Künstler zu sprechen. In der ersten Hälfte des Artist Talks stellte Tusch einige seiner umfangreichen und zeitaufwändigen Projekte vor und machte uns auf die Freuden und Leiden des KünstlerInnendaseins aufmerksam. Im Anschluss lud er uns in sein Atelier in Salzburg unweit des KunstQuartiers ein, um vor Ort sein Arbeitsumfeld zu erkunden.

Bereits zu Beginn seines Vortrags betonte Tusch, dass die Keramik im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens steht. Seine Arbeiten sind jedoch nicht als Kunsthandwerk, sondern vielmehr als eigenständige Kunstwerke zu verstehen. Ohne davon gewusst zu haben, habe ich bereits im DomQuartier (Salzburg) eine seiner Werkgruppen bestaunen dürfen. Die gefüllten, silbernen Prunkvasen Glanz & Gloria befinden sich seit 2014 in der Langen Galerie und rahmen mit ihren rund zwei Metern Höhe den Aufgang bzw. Eingang zu den Ausstellungsräumen der Erzabtei St. Peter. Für BesucherInnen sind die Vasen aufgrund ihrer Einzigartigkeit und ihrer speziellen Beschaffenheit nicht zu übersehen, denn Tusch verwandelt in seinen Arbeiten den rohen Ton zu lebendig wirkenden, organischen Konstrukten. Wenn seine Keramiken fertig gebrannt und glasiert sind, geben sie teilweise kaum mehr Hinweis auf ihre ursprüngliche Materialität – so auch bei Glanz & Gloria. Die Frage nach der Materialität und deren Verfremdung hat mich in Tuschs Werken so fasziniert, dass ich sogar eine seiner Arbeiten auf meiner Facebook-Seite Kunst zum Raten, eine Plattform, die Kunstwerke quer durch die Kunstgeschichte präsentiert, gepostet habe.

Tusch blieb mir allerdings nicht nur wegen seiner bemerkenswerten Projekte in guter Erinnerung, sondern auch aufgrund der Besichtigung seines Ateliers. Neben dem Einblick in seine Arbeit als Künstler ermöglichte Tusch uns den Blick hinter die Kulissen. Er lud uns ein, seinen privaten Arbeitsraum zu erkunden, und ermöglichte mir somit den umfangreichen Arbeitsaufwand hinter der Produktion seiner Werke zu verstehen. Er zeigte uns beispielswiese seine Vorbereitungsskizzen und -entwürfe für die Altarneugestaltung der Filialkirche St. Stefan (Straßburg, Kärnten), an der er 2015 arbeitete. Die Dimensionen und das Haptische seiner Arbeiten waren durch den Besuch im Atelier viel deutlicher fassbar und anschaulicher als in der vorangehenden Präsentation. Durch die Besichtigung des Ateliers hatte ich das Gefühl, den Künstler besser kennen gelernt zu haben, denn die Umgebung in der gearbeitet wird, scheint mir mehr Aufschluss über das Wesen und die Arbeit eines Künstlers/einer Künstlerin zu geben, als es eine PowerPoint-Präsentation kann.

Ich fand es spannend, für mich selbst festzustellen, dass ich der Keramikproduktion mit negativen Vorurteilen gegenübergetreten bin. Diese Vorurteile haben sich durch die Begegnung mit Tusch jedoch relativ rasch in Luft aufgelöst und in Begeisterung umgewandelt. Ich habe gelernt, dass Keramik ein Material ist, mit dem man mehr als nur Geschirr herstellen kann, und Tusch macht es vor: Er kreiert in seiner Salzburger Werkstatt eigenständige Konstrukte und scheinbar lebendige Organismen, die BetrachterInnen wie mich faszinieren.

Für weitere Informationen zu Gerold Tusch: www.geroldtusch.at

 

 

 

Stefanie Svacina  (2016): Gerold Tusch über die Keramik: Artists Talk mit Atelierbesuch. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten # 07 , http://www.p-art-icipate.net/cms/gerold-tusch-uber-die-keramik-artists-talk-mit-atelierbesuch/