Arts Entrepreneurship: Künstlerisch-kulturelles Unternehmertum?!

Rückblick auf das Symposium

Der erste Vortrag von Johan Kolsteeg (University of Utrecht) beschäftigte sich mit dem Balanceakt zwischen künstlerischer Identität, sozio-politischen Zielen und mit der Zukunftsfähigkeit von Organisationen. Laut Kolsteeg bewegt sich der Fokus des Arbeitsfeldes weg von institutionalisierten hin zu unternehmerischen Strukturen. Er untersuchte die Situation in den Niederlanden und verglich hier nationale und lokale Praktiken. Auf nationaler Ebene ist zu beobachten, dass selbstständiges Unternehmertum als Lösung für die immer geringer werdende Unterstützung seitens der Regierung angesehen wird. Andererseits fehlt es in den Organisationen an Verbindungen zwischen den künstlerischen und wirtschaftlichen Bereichen. Was die lokale Ebene betrifft, so steht die vorhandene künstlerische Vielfalt den kulturpolitischen Zielen gegenüber. In der Diskussion zum Vortrag drehte es sich unter anderem um den möglichen Einfluss des aktuell vorherrschenden Wirtschaftssystems auf künstlerisch-kulturelles Unternehmertum und auf die Unterscheidung zwischen einem Arts Entrepreneur und einem Cultural Entrepreneur.

Kolsteeg

Einem anderen Gebiet widmete sich der Vortrag von Michael Sowa (Salzburger Kulturvereinigung): Er referierte über das Spannungsfeld zwischen klassischer Musik und Kapitalismus. Er hob ebenfalls die Notwendigkeit des unternehmerischen Denkens im klassischen Musikbusiness hervor ‑ und auch hier muss im Sinne der Kunst gehandelt werden und dem/der Künstler_in maximale Freiheit zugestanden werden. Das oben schon erwähnte Dreieck Künstler_in, Publikum und Geldgeber_in beeinflusst sich auch in diesem Bereich stark und hat sich in den letzten Jahren verändert: Die größte Herausforderung stellt sicherlich ein immer größer werdendes Überangebot an hochqualifizierten Künstler_innen dar, das einem – im klassischen Musikbereich – immer kleiner werdenden Publikum gegenübersteht. Daraus geht hervor, dass es heutzutage nicht mehr reicht, „einfach“ nur ein_e gute_r Musiker_in zu sein, man muss auch ein gutes Gespür für PR besitzen und den Willen haben, sich selbst bekannt zu machen (auch auf für die klassische Musik vielleicht etwas unkonventionellen Wegen wie etwa Youtube). Um der Überalterung des Publikums und dem vorhandenen Desinteresse der jungen Generation an klassischer Musik entgegenzuwirken, bringt er den Vorschlag, dass bereits im Kinder- und Jugendalter eine entsprechende musikalische Sozialisation stattfinden müsse. Die Lösung ist für ihn die Verstärkung des Musikunterrichts und somit die Heranbildung des Publikums von morgen. Gerade dieses mangelnde Interesse der Jugend wurde in der Diskussion nach dem Vortrag angeregt debattiert, wobei auch Aspekte wie klassische Musik als Modeerscheinung, Konzertetikette oder das Kreieren von neuen Konzert-Formaten angesprochen wurden.

Apropos Zukunft: Die Beiträge des Symposiums werden mit unseren Fallstudien, die wir in der Lehrveranstaltung erstellt haben, in einer gemeinsamen Publikation erscheinen (siehe Recommended).

Andrea Kurz (2015): Arts Entrepreneurship: Künstlerisch-kulturelles Unternehmertum?!. Rückblick auf das Symposium. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #06 , https://www.p-art-icipate.net/arts-entrepreneurship-kunstlerisch-kulturelles-unternehmertum/