Arts Entrepreneurship: Künstlerisch-kulturelles Unternehmertum?!

Rückblick auf das Symposium

Der letzte Vortrag des Abends behandelte den Erkundungsprozess von neuen Anwendungspotenzialen künstlerischer (auch geistes- und kulturwissenschaftlicher) Ausbildungen und wurde von Günther Marchner (ConSalis) gehalten. Er ging speziell auf die Lage in Salzburg ein, da die Stadt reich an Kunst- und Kultureinrichtungen sowie an Bildungs- und Forschungsstätten ist. Viele Menschen sind in diesen Bereichen ausgebildet. Aber nur ein Bruchteil von ihnen ist in den erwarteten Feldern tätig. Um neue Anwendungsbereiche zu finden, setzt hier sein Erkundungsprozess ein, wobei seine Beobachtungen und Wahrnehmungen folgende sind: Die Institutionen sind relativ geschlossen und träge, den Absolvent_innen von Universitäten fehlt es an Orientierung über Anwendungsmöglichkeiten und Potenziale ihrer Ausbildung, gleichzeitig herrscht ein eher innovationsfeindliches Klima und viele Leute wandern ab. Wie kann man diesen negativen Beobachtungen entgegenwirken? Er plädiert dafür, die Bereiche Wirtschaft, Kunst und Gesellschaft zu öffnen, um Schnittstellen zu suchen und alternative Potenziale für die (Berufs-)Praxis künstlerischer und geistes- und kulturwissenschaftlicher Ausbildung aufzuzeigen.

 Am Ende des Symposiums wurden die Vortragenden um abschließende Statements gebeten und gefragt, wo ihrer Meinung nach Arts Entrepreneurship ansetzt bzw. zu verorten ist. Johan Kolsteeg sieht künstlerisch-kulturelles Unternehmertum als ein Statement mit wertfreier Einstellung ähnlich zu einem/einer freien Künstler_in, der/die keine Intention für Geld oder den Markt hat. Anita Moser sieht künstlerisch-kulturelle Unternehmer_innen neben Künstler_innen und Vermittler_innen als dritten Weg, um im Kunst- und Kultursektor tätig zu sein. Für Michael Sowa ist eine klare Unterscheidung zwischen Künstler_innen und Kulturmanager_innen wichtig, wobei Arts Entrepreneurs seiner Meinung nach wohl „irgendwo in der Mitte“ liegen würden. Aktuelle Entwicklungen erfordern, dass Künstler_innen auch unternehmerisch tätig werden, was auch Teil der Ausbildung sein muss. Für Günther Marchner beinhaltet das Feld viele neue Rollen- und Berufsbilder, denen die praktischen Anwendungsgebiete gegenüber stehen. Er betont, dass die künstlerischen aber auch die geistes- und kulturwissenschaftlichen Ausbildungen und Kompetenzen noch immer unterschätzt werden. Laut Karin Wolf haben Arts Entrepreneurs das Potenzial, in der aktuellen Diskussion über Unternehmertum vieles einzubringen. Denn sie können einen Beitrag zur Kunst leisten und künstlerische Ideen in Unternehmen hineinbringen, was Arts Entrepreneurship zu einem echten Zukunftsthema macht.

Die Vorträge waren sehr vielfältig, wir konnten viele neue und verschiedene Perspektiven kennenlernen und bei dem einen oder anderen wurde auch der Mut zu eigenen Kulturprojekten angeregt. Die Referent_innen haben hervorragende Beiträge präsentiert und neben den Stärken und Schwächen ihrer jeweiligen Themenbereiche auch immer versucht, konstruktive Lösungsvorschläge für vielleicht prekäre oder etwas verfahrene Situationen zu bringen – ein Umstand, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Denn die positive Zukunft*1 *(1) des Kunst- und Kultursektors liegt uns allen am Herzen.

Apropos Zukunft: Die Beiträge des Symposiums werden mit unseren Fallstudien, die wir in der Lehrveranstaltung erstellt haben, in einer gemeinsamen Publikation erscheinen (siehe Recommended).

Andrea Kurz (2015): Arts Entrepreneurship: Künstlerisch-kulturelles Unternehmertum?!. Rückblick auf das Symposium. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #06 , https://www.p-art-icipate.net/arts-entrepreneurship-kunstlerisch-kulturelles-unternehmertum/