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Markus Miessen: Albtraum Partizipation

Partizipation – Was bedeutet dieses Wort? Welches Konzept steckt dahinter? Wieso wurde es in den letzten Jahren regelrecht inflationär gebraucht? Warum predigen viele PolitikerInnen, (Online-)Unternehmen, AktivistInnen, KünstlerInnen und viele andere die „Partizipation“ in unendliche Höhen? (Vgl. Ruppert 2012)star (*3)

Markus Miessen, Architekt mit gesellschaftspolitischen Vorstellungen, versucht in seiner 2012 erschienenen Publikation „Albtraum Partizipation“ sämtliche Illusionen und Wahnvorstellungen, die dem Begriff im Zeitverlauf zugeschrieben worden sind, abzuschütteln und ein neues Selbstverständnis zu kreieren: Basierend auf fehlgeschlagenen Partizipationsprojekten wie etwa dem Ägyptischen Frühling, der Occupy-Bewegung oder die „von der Piratenpartei geforderte ‚Liquid Democracy‘“ (Auer, 2013, o. S.) star (*4) diskutiert der Autor den Begriff Partizipation und dessen oft missverstandenes Konzept – ein basisdemokratisches Konzept, bei dem jedeR aktiv teilhaben soll, um entweder über bereits festgelegte Möglichkeiten abzustimmen und Entscheidungen dadurch zu legitimieren oder, um oftmals geistlose Inhalte zu produzieren, die allerdings schnell verbreitet werden sollen. Genau dem steht Markus Miessen entgegen. Er fordert eine Partizipationskultur, die auf konstruktiver Kritik und Verantwortung beruht – und wo Entscheidungen teilweise auch gegen die Masse getroffen werden können und sogar sollen. Demzufolge versucht der Autor die Rolle von ungefragten TeilnehmerInnen, sogenannten „interesselosen Außenseitern“ (Merve Verlag 2013, o. S.) star (*2)zu bestärken – und zwar von jenen Außenseitern, die ungeachtet bestehender Normen neue Perspektiven durch konstruktive und kreative Kritik eröffnen und darüber hinaus bereit sind, Verantwortung zu tragen. Dabei geht der Autor von einem agonistischen Demokratiemodell aus. (Vgl. Ruppert 2012)star (*3)

Markus Miessen trägt mit seiner Publikation „Albtraum Partizipation“ somit zu einem verschärften Diskurs über den Partizipationsbegriff bei, nämlich einem Dissens-orientierten – entgegen jeder gewöhnlichen Vorstellung!

Der Autor und Architekt Markus Miessen (*1978), beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Fragen hinsichtlich kritischer Raumpraktiken, Raumpolitik und auch dem Aufbau von Institutionen. Derzeit ist er außerdem Professor für Critical Spatial Practice an der Städelschule Frankfurt/Main, und lektoriert an der HEAD Genf und der USC Los Angeles.

Miessen, Markus (2012): Albtraum Partizipation. Berlin: Merve-Verlag. 247 S. ISBN 978-3-88396-277-1

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Mandel, Birgit (2013) im Skype Interview mit Transkript. Transkript. Verlag für Kommunikation, Kultur und soziale Praxis (2013): Birgit Mandel: Interkulturelles Audience Development. Zukunftsstrategien für öffentlich geförderte Kultureinrichtungen, URL: http://www.transcript-verlag.de/ts2421/ts2421.php [aufgerufen am: 07.09.2013]

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Merve Verlag (2013): Markus Miessen: Albtraum Partizipation. https://www.merve.de/index.php/book/show/404 [aufgerufen am: 02.09.2013].

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Ruppert, Max (2012): Albtraum Partizipation? In: quergewebt. Das Blog zum Grimme Online Award. http://blog.grimme-online-award.de/2012/12/albtraum-partizipation/ [aufgerufen am: 02.09.2013].

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Auer, Alfred (2013): Albtraum Partizipation. In: Pro Zukunft. Rezensionsdatenbank der Internationalen Bibliothek für Zukunftsfragen. http://www.prozukunft.org/v1/2013/07/albtraum-partizipation/ [aufgerufen am: 02.09.2013].

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BKJ Bundesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (2012): Nachrichten zur kulturellen Bildung, URL: http://www.bkj.de/all/artikel/id/6373.html [aufgerufen am: 04.09.2013].

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Mörsch, Carmen (o.J.): Zeit für Vermittlung (Vorwort). In: Zeit für Vermittlung. URL: http://www.kultur-vermittlung.ch/zeit-fuer-vermittlung/v1/?m=0&m2=1&lang=d.

Julia Jung (2013): Recommended: „Go Public!“. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #03 , https://www.p-art-icipate.net/birgit-mandel-interkulturelles-audience-development-zukunftsstrategien-fur-offentlich-geforderte-kultureinrichtungen/