Intervenieren – Forschen – Vermitteln

Künstlerisch-edukative Projekte in der Kooperation Universität – Schule.
Reflexionen zum Projekt „Making Art ‑ Taking Part!“

Forschung und kritische Wissensproduktion, Kooperationen Schule-Universität

„Universität ist für mich teilweise, genauso wie es für die Kinder wahrscheinlich auch war, ein Bereich, in den man eigentlich nie hineinkommt, nie hineinschaut. Und dann eigentlich zu merken, dass man gar nicht so unterschiedlich ist und dass jeder von jedem lernen kann. Die Universität ist oder war für mich immer so abgehoben. Die Zusammenarbeit bewirkt, dass jeder vom anderen lernt und bemerkt, dass die Realität nicht immer so ist, wie man es sich einbildet, sondern sich durch das gemeinsame Tun entwickelt und dadurch ändern sich auch die Gedanken oder vorgefertigten Meinungen.“ Brigitte Werdenig-Gruber (Lehrerin, NMS-Liefering)

Laila Huber: Die Frage eines Schülers „Was für Forschung ist das eigentlich?“, die er relativ zu Beginn des Prozesses bei einer Aufgabenstellung auf einen Zettel notierte, weist auf die Verhandlung unterschiedlicher Interessen innerhalb der Projektes hin. Was machen wir hier gemeinsam und warum? Mit dieser Frage rücken die (unterschiedlichen) im temporären gemeinsamen Raum vorhandenen Interessen ins Blickfeld. Denn welches Interesse verfolgen wir, als Projektteam von der Universität, mit dem,  was wir machen? Mit welchem Interesse machen es die beteiligten Künstler_innen? Und mit welchem Interesse beteiligen sich die Schüler_innen?

Wir fragten die Schüler_innen auch danach, welche Forschung sie aus ihrer Sicht betrieben haben bzw. was Forschung – nach der Projekterfahrung – für sie heißt. Dabei waren Neues zu entdecken und sich eine eigene Meinung bilden zentrale Aspekte, wie dies in der Aussage eines beteiligten Schülers deutlich wird:

„Forschen heißt für mich, wenn man etwas Neues entdeckt. Eigentlich ist alles Forschen. Es ist meistens Forschen, wenn man sich mit irgendetwas beschäftigt, was keiner entdeckt hat. [Das heißt], dass man sich über ein Thema Gedanken macht und dass man dann vielleicht seine eigenen Sichtweisen [entwickelt]. Dass man sieht was andere gemacht haben und dass man sieht, was man vielleicht besser machen kann.“ (Schüler B, BORG-Mittersill)

Viele der Schüler_innen betonten das Erproben und Aneignen neuer Skills/Fähigkeiten – wie bspw. der Umgang mit der Filmkamera oder die Moderationstechnik. Der Forschungszugang der Aktionsforschung ermöglicht es, das Erproben und Entwickeln von Handlungsstrategien (gemeinsam mit den Jugendlichen) als Teil des Forschungsprozesses zu fassen. Es ist ein Forschungsbegriff, der über die Grenzen des akademischen/wissenschaftlichen Feldes hinausweist und das gesellschaftliche Eingreifen als Teil von Forschungsarbeit positioniert.

„Doch wohin fließt das im Projekt produzierte Wissen?“, diese Frage stellte uns Carmen Mörsch als critical friend wiederholt im Zuge gemeinsamer Reflexionen. Dieser Frage ist eine weitere voranzustellen, nämlich: „Welches Wissen wird produziert?“ Ich denke, im Projekt wurde auf verschiedenen Ebenen und von den unterschiedlichen partizipierenden Akteur_innen Wissen in einem kollaborativen Prozess – also im gemeinsamen Austausch – produziert. Das Herstellen einer Vertrauensbasis zwischen den Beteiligten sowie eine gemeinsamen Sinn- und Bedeutungskonstruktion gingen dabei Hand in Hand. Es entstand Erfahrungswissen in Bezug auf das Verlernen von Machtverhältnissen und ein Aneignen dieser Strategien der Dekonstruktion und des Handelns. Wir arbeiten mit dem Erlebten ähnlich Ethnograf_innen, die die Feldforschungsdaten einer teilnehmenden Beobachtung auswerten und die Prozesse der Ausverhandlung von sozialen Beziehungen, von Partizipation und Machtverteilungen im Projektsetting stetig reflektieren.

Was der beteiligten Lehrerin Brigitte Werdenig-Gruber zu dieser Kooperation zwischen Universität und Schule am eindrücklichsten in Erinnerung blieb, formulierte sie wie folgt:

„Viele Dinge. Viele engagierte positive Menschen, die ich kennengelernt habe, dann einfach wahnsinnig viele Inputs, dann diese Wertschätzung unseren Kindern gegenüber, die viele Arbeit, die dahintergesteckt ist, was ich immer wieder gemerkt habe. Verschiedene Orte, verschiedene Programme, und dass nicht von vornherein klar war, was am Ende herauskommt. Und da waren an erster Stelle einfach die Kinder. Und das habe ich in meiner Schullaufbahn selten erlebt. Das war das Eindrücklichste für mich.“ Brigitte Werdenig-Gruber (Lehrerin, NMS-Liefering)

Abschließend können wir uns nur an das warmherzige Dankeschön von Brigitte Werdenig-Gruber anschließen und möchten uns bei allen, die zum Gelingen des Forschungsprojekts mit ihren Ideen, Fragen, Projektergebnissen, Reflexionen und Persönlichkeiten beigetragen haben ganz herzlich bedanken: den Schüler_innen und Lehrenden der NMS Liefering und des BORG Mittersill, den Künstler_innen, den Studierenden, unseren Kooperationspartner_innen und Kolleg_innen sowie allen engagierten Unterstützer_innen aus Gemeinde und Zivilgesellschaft.

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Sternfeld, Nora (2013): Kontaktzonen der Geschichtsvermittlung – Transnationales Lernen über Holocaust in der postnazistischen Migrationsgesellschaft, Seite 49 – 55, Wien.

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Eckert, Constanze/ Sternfeld, Nora (2015): Constanze Eckert im Gespräch mit Nora Sternfeld, in Mission Kulturagenten – Onlinepublikation des Modellprogramms „Kulturagenten für kreative Schulen 2011-2015“, Berlin.

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hooks, bell (1996): Yearning – Sehnsucht und Widerstand. Kultur, Ethnie, Geschlecht. Berlin.

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Klaus, Elisabeth (2013): Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Selbstverständigungsprozess und das 3-Ebenen-Modell von Öffentlichkeit. Manuskript zur Tagung: Das 3-Ebenen-Modell von Öffentlichkeit, Universität Salzburg.

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Lefebvre, Henri (1991 [1974]): The Production of Space, 3. Aufl. Oxford, UK/Cambridge, USA: Blackwell.

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Mouffe, Chantal (2014): Agonistik. Die Welt politisch denken. 1. Auf. Berlin: Suhrkamp.

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Zobl, Elke/Laila Huber (2016): Making Art – Taking Part! Negotiating participation and the playful opening of liminal spaces in a collaborative process, in: Conjunctions. Transdisciplinary Journal of Cultural Participation, Volume 1 2016 „Playful Participation“. (peer reviewed) http://www.conjunctions-tjcp.com/article/view/23644

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Zobl, Elke (im Erscheinen): Künstlerische Interventionen und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse: Das Drei-Ebenen-Modell von Öffentlichkeit in künstlerisch-edukativen Kontexten. In: Klaus, Elisabeth und Ricarda Drüeke: 3-Ebenen Modell von Öffentlichkeit, Bielefeld: transcript.

Allerdings bleibt in der Analyse des konkreten Projektes offen, welche Rolle die dritte Ebene von Öffentlichkeit spielt. Dazu hätte das Projekt anders und langfristig angelegt sein müssen.

Veronika Aqra  Laila Huber  Elke Smodics  Elke Zobl  : (2016) Intervenieren – Forschen – Vermitteln.

Künstlerisch-edukative Projekte in der Kooperation Universität – Schule.
Reflexionen zum Projekt „Making Art ‑ Taking Part!“

In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #07 , https://www.p-art-icipate.net/cms/intervenieren-forschen-vermitteln/

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