„Gemeinsam die Stadt zum Blühen bringen“

3. Die Aktion Sonnenblume: Handlungsfelder, Formate, Netzwerke

„Und ich hab relativ bald gesagt, ich möchte die Aktion Sonnenblume machen, ich glaub, da können wir gleich loslegen, es hat auch strategisch viele Möglichkeiten, weil du kannst einfach das Gartenamt und Co ins Boot holen, indem du ja nicht die Befürchtung wahr machst, dass du jetzt auf Jahre hinaus jetzt da einen Raum für dich beanspruchst, den sie vielleicht nie wieder kriegen, sondern es geht einfach einmal ums Ausprobieren, um eine Saison, das heißt auch, sobald der Winter kommt, ist das auch vorbei und da kann man natürlich viel schneller einmal sowas zulassen […].“ (CB: 4)star (* 6 )

Als Inspiration für die erste Aktion diente eine Wiener Initiative des Künstlers und grünen Bezirksrats Thomas Rucker, der 2011 in einer gemeinschaftlichen Aktion im Wiener Bezirk Neubau Sonnenblumen pflanzte. Die Wiener Idee aufzugreifen brachte für die Salzburger Initiative mehrere Vorteile mit sich, man hatte sozusagen ein Pilotprojekt vor Augen und konnte sehen, was dort gut oder weniger gut funktionierte und gleichzeitig wurde die Aktion in einen überregionalen Kontext sowie in eine Kontinuität zu anderen aktivistischen Praxen gestellt.
Das Ziel war, die Aktion Sonnenblume so zu konzipieren, dass möglichst viele Leute „andocken“ können und auch dezentral die Idee aufgreifen können. Um das zu erreichen, versuchte das Kernteam für die Aktion einen Bezugs- und Handlungsrahmen herzustellen, in den sich Interessierte unkompliziert und offen einbringen konnten. Der Aktionstag sollte am 12. Mai 2012 stattfinden, mit dem Ziel in der ganzen Stadt Sonnenblumen zu pflanzen. Sowohl in der Vorbereitung des Aktionstages als auch am Aktionstag selbst wurden  unterschiedliche Ebenen und Möglichkeiten der Partizipation angelegt.

3.1. Strukturen und Formate der Teilhabe

„[…] es braucht Plätze, wo Leute sich einbringen können, wie die Rückseite der Fähnchen, die Platzwahl, wo? Dann als Gruppe, alleine, mit wem? Dann das man es auch online wo wertschätzen kann, dass man es vor Ort wertschätzen kann. Dass man die Social Media Freaks und den einfach nur buddeln-wollenden Leuten irgendwie ermöglicht auch anzudocken. Also das ist jetzt eigentlich alles mitgedacht, dass man das auch kommuniziert in Richtung Medien, in Richtung Stadt, [Stadt-]Verwaltung, und dann ist immer aus eigener Sicht oft nicht alles wichtig, was zur Aktion dazu gehört, aber damit das ein großes Ganzes werden kann, eine Stadt – ein Garten, braucht’s diese ganzen unterschiedlichen Seiten.“ (CB: 17)star (* 6 )

Unterschiedliche Formate der Teilhabe sind wichtig, um ein breites Spektrum an Interessierten anzusprechen. Gerade daraus erklärt sich das Verhältnis aus Offenheit und Vorgabe, das die Initiative charakterisiert. Die Organisationsform der Initiative blattform und der Aktion Sonnenblume beinhaltet sowohl Top-down-Elemente, beispielsweise wenn die Kerngruppe im Vorfeld die Website plant und das Konzept der Gartenkarte entwirft, als auch Bottom-up-Elemente, wie beispielsweise die Stadtteilgruppen, die sich teilweise selbst organisieren.
Die Kerngruppe verfolgt dabei einen gewissen Servicegedanken, der sich mit dem Do-it-yourself-Gedanken auf Stadtteilebene ergänzt. Es wird ein Rahmen hergestellt und koordiniert, was für ein gemeinsames Auftreten und kollektives Erleben erforderlich ist, im Übrigen sind alle Interessierten dazu aufgerufen, sich mit ihren Ideen und Vorhaben einzubringen und die Initiative so zu vervielfältigen. Christine beschreibt die Strukturfindung zwischen Vorgabe und Offenheit als einen herausfordernden Prozess:

„Also das ist dann so ein Punkt, der auch herausfordernd ist, also wie weit stellt man sich vorne hin und die Leute wollen das auch, die wollen auch wissen: Was ist zu tun? Wie funktioniert das? Und andererseits will man den Leuten erlauben, Plätze einzunehmen und Platz zu nehmen und sich einzubringen und für das brauchen sie aber auch viel Info, und das nimmt ihnen aber auch wieder gleichzeitig einen Platz weg, also, weil dann ist es ja schon vorgegeben. Und das ist ein bisschen so eine delikate Herausforderung.“ (CB: 11)star (* 6 )

In diesem Prozess spielt klare Kommunikation eine wesentliche Rolle, insbesondere um Leute außerhalb des persönlichen Netzwerks zu erreichen. Zu diesem Zweck haben die blattform-AktivistInnen einen Flyer gestaltet, der auf vier Seiten im DinA5-Format die Ziele und Methoden von blattform erklärt und für die Aktion Sonnenblume eine genaue Anleitung zu Pflanzmodalitäten und einer Teilnahme an der Aktion vermittelt.
Neben den Möglichkeiten sich in Treffen zu vernetzen und auszutauschen ist die Online-Kommunikation wesentlich. Als zentrales Kommunikationstool nennt Christine den E-Mail-Verteiler, den sie zum Zeitpunkt des Interviews auf rund 50 – 80 Personen schätzt. Der soziale Raum online, der insbesondere durch die Facebookseite der blattform sowie die Online-Gartenkarte entsteht, wird von Christine ganz selbstverständlich als „Materialisierung“ der Initiative bezeichnet, was ob der Digitalität des Mediums zum Schmunzeln verleiten mag.
Neben der Facebookseite bilden die Gartenkarte und die Gießpatenschaften sowie die „Bitte g(en)ieß mich!“-Fähnchen und selbstgemachten Buttons Formate der Teilhabe und dienen gleichzeitig der (Selbst-)Repräsentation der Aktion und der AktivistInnen.
Neben diesen Formaten der Teilhabe waren für das Gelingen der Aktion insbesondere strategische Kommunikation und Kooperation von Relevanz – diese geben wiederum Aufschluss über das Selbstverständnis der Initiative.

3.2. Strategische Kommunikation und Kooperation

Eine Besonderheit der Initiative blattform ist zweifelsohne der Versuch, das Netzwerk als in die kommunalen Strukturen hineinreichend zu begreifen, also nicht das Magistrat als einen Gegenspieler wahrzunehmen sondern als kooperativen Mitspieler.

„Und das war mir wichtig, von Anfang an, dass wir da so quasi nicht jetzt gegen das Magistrat oder gegen die Leute da oben, sondern, dass man einfach schaut – man klopft wo an, und die Türen gehen auf. Also wenn du dich da vorstellst bei den Amtsleitern, nehmen sie sich schon Zeit. Natürlich haben die wenig Zeit, aber sie nehmen sich Zeit. Und das war eine schöne Erfahrung und das war mir eigentlich von Anfang an wichtig von dem, wie man das jetzt einfädelt, dass es niedrigschwellig möglich ist teilzunehmen, aber dass auch die Schwellen zwischen den verschiedenen Gruppierungen in der Stadt, also die Stadtverwaltung, BürgerInnen, AktivistInnen, dass die eher niedriger werden. Und dass man da auch einfach eine Basis hat, wie man da vielleicht auch zukünftig, für andere Sachen zusammenarbeiten kann.“ (CB:22)star (* 6 )

Dabei sind der persönliche Austausch und das gegenseitige Kennenlernen sowie die persönliche Präsenz wichtige Bestandteile für eine vertrauensvolle Kooperationsbasis. Christine fungiert im Netzwerk in mehrfacher Weise als Kommunikations-Schnittstelle, sowohl zwischen Stadtplanung sowie Gartenamt und der Kerngruppe der blattform, als auch für die Weiterleitung relevanter Informationen an die Interessierten und AktivistInnen im blattform-Netzwerk. Durch die intensive Kommunikation ist ein Netzwerk über die gewöhnlich bestehenden Grenzen zwischen Verwaltungseinheiten und Zivilgesellschaft hinaus entstanden, das gegenseitiges Vertrauen fördert und die Stadt als geteilten gemeinschaftlichen Raum spürbar macht. Ob ein Handeln abseits der institutionalisierten Abläufe ausprobiert wird und gegebenenfalls funktioniert, hängt davon ab, ob es AkteurInnen mit Interesse an der Erprobung neuer Wege und Formate im kommunalen Setting gibt. Ein gewisses Maß an Risikobereitschaft sowie auch an Bereitschaft sich auf einen kommunikativen Mehraufwand einzulassen, sind dafür Voraussetzung.
Christine liegt daran, dass diese erste Aktion möglichst gut funktioniert, auch um beim Kooperationspartner Stadtverwaltung das Vertrauen zu stärken und gegebenenfalls zukünftige Aktionen erneut kooperativ durchführen zu können: „Es geht schon um viel, es ist so ein bisschen das, wenn’s jetzt funktioniert, dann heißt das auch, dass in Zukunft vielleicht noch viel mehr geht.“ (CB: 24f.)star (* 6 )

3.3. Netzwerke und Handlungsfelder

Wer machte nun bei der Aktion Sonnenblume mit? Wer „dockte“ an? Und wie wurde „angedockt“? Im Vorfeld des Aktionstages hatten sich verschiedene Kooperationen mit sozialen Einrichtungen wie der Lebenshilfe, Volksschulen, dem Jugendzentrum Iglu oder der Lernwerkstatt Natur und Umwelt ergeben. Neben den Kooperationen mit sozialen Einrichtungen und Gemeinschaftsstrukturen „dockten“ insbesondere Jungfamilien und Einzelpersonen aus unterschiedlichsten Bereichen an.
Das Netzwerk spannt sich dabei auf unterschiedlichen Ebenen: Einerseits kooperierten die InitiatorInnen mit dem Magistrat und erhielten auch Unterstützung von befreundeten Vereinen oder Initiativen, etwa in Form von Räumen und Infrastruktur, die zur Verfügung gestellt wurden. Andererseits entfaltet sich das Netzwerk über die beteiligten AktivistInnen, die vor, am und nach dem Aktionstag Setzlinge ziehen, setzen und hegen und untereinander in Austausch treten. Christine beschreibt die verschiedenen Verknüpfungen und Bezüge als ein wucherndes Netzwerk.
Auch kommt es dabei teilweise zu Überschneidungen von Kooperation und Partizipation, wie beispielsweise bei der Lebenshilfe, einem Verein für Menschen mit Beeinträchtigungen. Das „Andocken“ der Lebenshilfe umfasste einerseits den Arbeitsbereich der dort betreuten Personen, indem in den Werkstätten rund 600 Fähnchen für die Aktion Sonnenblume hergestellt wurden. Andererseits zogen die KlientInnen der Lebenshilfe auch Setzlinge, um an der Aktion teilzunehmen und Gießpatenschaften zu übernehmen – also selbst zu partizipieren.

Eine weitere Ebene des Netzwerks ist jene der Kontakte in den Medienbereich. Von Seiten der blattform wurde auf Grund knapper zeitlicher Ressourcen keine offensive Medienarbeit betrieben, dennoch erhielt die Aktion Sonnenblume eine relativ hohe Medienaufmerksamkeit*3 *( 3 ), was sich zum Teil aus der regen Netzwerkaktivität erklärt. Christine erinnert sich: Das ist eigentlich jetzt nicht so, dass wir den großen Plan gehabt haben, aber ich glaube einfach, dass wir mit wenigen Ressourcen voll viel geschafft haben.“ (CB: 20f.)star (* 6 )
Das rege Medieninteresse erklärt sie sich dabei aus unterschiedlichen Aspekten der Aktion: sowohl das Thema „Garteln“ bzw. „Urban Gardening“ sei zur Zeit ein angesagtes Thema, als auch das zivilgesellschaftliche Engagement sowie der für Salzburg unkonventionelle Ansatz der Raumaneignung seien auf mediales Interesse gestoßen. Das „wuchernde Netzwerk“ lässt sich also auf mehreren Ebenen verfolgen, und dabei schafft die Initiative blattform einen neuen Sinnzusammenhang zwischen Gartenprojekten in der Stadt. Insgesamt betont Christine, dass alleine die Zusammenarbeit einer Vielzahl von AkteurInnen im Vorfeld des Pflanztages die Aktion Sonnenblume bereits zu einer großen gemeinschaftlichen Aktion machte: „[…] also das war nicht [nur] am Samstag [dem Aktionstag] selber, aber einfach diese vielen Leute, die das möglich gemacht haben. Das ist echt ein riesen Gemeinschaftsding schon gewesen, ja, ohne, dass die überhaupt blühen die Sonnenblumen.“ (CB: 31)star (* 6 ) Durch die Netzwerke in unterschiedlichen Bereichen des städtischen Lebens eröffnen sich auch unterschiedliche Handlungsfelder, wobei dabei als verbindendes Thema neben der Methode des Gartelns das Motiv bzw. der Topos der nachhaltigen Stadt fungiert.

3.3.1. Handlungsfeld Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit tritt auf unterschiedlichen Ebenen in Erscheinung. Neben dem umweltpolitischen Nachhaltigkeitsgedanken geht es auch um nachhaltige soziale Beziehungen.
Das Ziehen und Weitergeben von Setzlingen unter den AktivistInnen sowie das Ausprobieren innovativer Pflanzbehälter – beispielsweise aus Tetrapak-Packungen oder Eierschachteln – stellen hierbei eine Basis für Austausch und Kommunikation dar und verbinden umweltpolitische Nachhaltigkeit mit dem Herstellen potenziell nachhaltiger sozialer Beziehungen: Wissen, Know-how und Erfahrungen werden ausgetauscht, durch das gemeinsame Erproben und Experimentieren entstehen soziale Beziehungen und Gemeinschaftsbildung.
Nachhaltige soziale Beziehungen entstehen potentiell auch dort, wo Aktivistinnen mit BesitzerInnen von Brach- oder Grünflächen über eine gemeinsame Nutzung in Kontakt treten. So setzte beispielsweise die Volksschule St. Andrä rund um die gegenüberliegende Kirche der Pfarre St. Andrä Sonnenblumen. Diese Kooperation beschreibt Christine als klassische Win-Win-Situation: Die oft vermüllten Grünfläche werden verschönert und somit umgewertet, die Schule erhält Platz zum Pflanzen ihrer Sonnenblumen.

Das Thema Nachhaltigkeit war auch beim Mittagsbuffet am Aktionstag manifest: Mit Hilfe eines Volxküche-Aktivisten, der regelmäßig im Jugendkulturzentrum mark aus teils „gedumpsterten“ Lebensmitteln für einen geringen Unkostenbeitrag kocht, wurde für das Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen zur Nachmittagspause gesorgt. Das Konzept der Volxküche*4 *( 4 )  und des „Mülltauchens“ ist dem Recycling- und Nachhaltigkeits-Gedanken verpflichtet und steht somit der Zielrichtung der Aktion Sonnenblume für ein nachhaltiges Leben in der Stadt auch ideologisch nahe.
Die unterschiedlichen Ebenen von Nachhaltigkeit können hier nur angerissen werden, doch bilden sie zusammen ein dichtes Gewebe oder, wenn man so will, das Skelett, das der Gesamtaktion Bestand gibt. Diese Ansätze der Nachhaltigkeit organisieren sich rund um den Aktionstag, als vorläufiger Höhepunkt und erste kollektive Veröffentlichung des Netzwerks. Wie das gemeinsame Ziel des Aktionstags und des kollektiven Setzens der Sonnenblumen sich nach einem guten halben Jahr der Vorbereitungen am 12. Mai 2012 in die Realität pflanzte, wird insbesondere entlang der Route der Pflanzkarawane sichtbar.

3.4. Partizipation als gelebte kulturelle Praxis: Der Pflanztag

3.4.1. Die Route der Pflanzkarawane

Sowohl die Route, die durch bestimmte Stadtteile ging, als auch die Wahl der Aktionsform – als Pflanzkarawane durch die Stadt zu ziehen und kollektiv zu gärtnern – geben Aufschluss über das Selbstverständnis der Initiative.
In der Routenplanung der Pflanzkarawane lässt sich ablesen für welche Stadt die Initiative sich stark macht. Die Route hat dabei Repräsentationscharakter, sie wurde nicht zufällig gewählt, sondern es spielten verschiedene Überlegungen eine Rolle: In einer Ankündigung des Aktionstages ist auf der Webseite der blattform zu lesen: „Wir ziehen am Pflanztag als ‚Pflanzkarawane‘ von Ost nach West quer durch die Stadt Salzburg – von Schallmoos über Andrä nach Lehen.“star (* 7 )
Das evozierte Bild einer Karawane vermag hierbei wiederum ein kollektives Imaginäres anzukurbeln, das wichtiger Bestandteil gemeinschaftlicher Aktionen ist. Die Karawane ist Sinnbild eines gemeinsamen Weges, hin zu einem gemeinsamen Ziel und demonstriert dabei Zusammengehörigkeit. Konkret setzte sich die Pflanzkarawane aus Lastenrädern und Scheibtruhen sowie normalen Fahrrädern mit Anhängern und AktivistInnen, die zu Fuß unterwegs waren, zusammen. Die Lastenräder und Scheibtruhen transportierten das Gartenwerkzeug und die Setzlinge und schufen zugleich, verstärkt durch A3-Schilder mit dem Logo der blattform und dem Sonnenblumen-Icon, einen gewissen Grad der Inszenierung und Sichtbarkeit der Gruppe. Für die Route war u. a. ausschlaggebend, dass die Pflanzplätze entlang alltäglicher Routen der AktivistInnen liegen sollten, um eine Betreuung der Pflanzen gewährleisten zu können. So wurde in jenen Stadtteilen gepflanzt, in denen zum einen die Mitglieder der Kerngruppe wohnen oder beruflich tätig sind, sowie jene Stadtteile, die sich bei den Interessiertentreffen als Aktionsfelder herausstellten.
Die Karawane startete im Stadtteil Schallmoos, wo nach der zeremoniellen Pflanzung der ersten Sonnenblume und einem „Familienfoto“ der versammelten AktivistInnen, Kleingruppen im Stadtteil ausschwärmten und nach Belieben Sonnenblumen pflanzten.
Der Stadtteil Schallmoos steht seit einiger Zeit im Interesse der Stadtentwicklung: Nach Fertigstellung des neuen Bahnhofs wird für das angrenzende Gebiet „SchallmoosWeststar (* 8 )“ ein Aufschwung erwartet. Ausgehend von der historisch gewachsenen sehr heterogenen Bebauung – bspw. sind Einfamilienhäuser neben Gewerbeflächen zu finden – sollen neue Visionen für den Stadtteil entwickelt werden. Im März 2012 hatte die Stadtplanung daher eine Ideenwerkstatt zu BürgerInnenbeteiligung am Entwicklungsprozess initiiert. Die Ideenwerkstatt konnte von im Stadtteil wohnenden blattform-AktivistInnen als Forum genutzt werden.
An Schallmoos angrenzend liegt der Stadtteil Andrä, der durch gründerzeitliche Bauten und kleinunternehmerische Strukturen, u.a. im kreativwirtschaftlichen Bereich, geprägt ist. Die Initiative blattform ist hier gut vernetzt, und konnte u.a. über den Verein „Forum Andräviertel“*5 *( 5 ), insbesondere Gewerbetreibende auf die Aktion Sonnenblume aufmerksam machen und auch hier einige SympathisantInnen gewinnen.
Der dritte von der Karawane aufgesuchte Stadtteil, Lehen, ist ein migrantisch geprägter ehemaliger Arbeiterbezirk, der seit mehreren Jahren stadtplanerisch aufgewertet wird, wie bspw. durch den Bau der neuen Stadtbibliothek oder den Einzug der Stadtgalerie, der Galerie Fotohof und der Volkshochschule im neu bebauten ehemaligen Stadtwerkeareal.

In Christines Ausführungen wird sichtbar, dass mit der Wahl genau dieser Stadtteile auch eine Stimmung und inhaltliche Orientierung der Initiative blattform sichtbar und kommuniziert wird. Sowohl ein gewisser Bezug zur Kreativbranche und ihren AkteurInnen sowie die Thematik sozialer Inklusion im städtischen Gefüge werden durch die Bezugspunkte in den Stadtteilen signalisiert.
Interessant ist auch zu fragen wo die Route nicht verlief, denn hier werden die unterschiedlichen Interessen im Stadtraum sichtbar: Die Altstadt beispielsweise, die der Stadtraum mit der größten öffentlichen Aufmerksamkeit ist und sich demnach für eine solche Aktion besonders gut eignen würde, wurde vermieden. Sie ist als touristisches Zentrum nicht nur symbolisch das Zentrum der ökonomischen Elite und demnach ein heißes Pflaster, auf dem jedwede Aktion in besonderer Weise exponiert ist.
Zu den wichtigsten touristischen Attraktionen zählt ebenfalls der Mirabellgarten und dieser wurde im Rahmen der Vorbereitungen der Aktion Sonnenblume als no-go-area definiert. Mit dem Gartenamt wurde vereinbart, historische oder mit großem Aufwand gepflegte Zonen  nicht zu bepflanzen. Sehr wohl wurde den AktivistInnen zugesagt im Kurgarten pflanzen zu dürfen, der an den Mirabellgarten angrenzt, aber nicht zum Schlossgarten zählt und weniger im machtpolitischen Blickfeld steht. Christine erklärt, dass es dem Kernteam wichtig war, das gerade im Aufbau befindliche Vertrauensverhältnis mit dem Stadtgartenamt nicht gleich zu Beginn überzustrapazieren. Sie spricht zwei Bereiche an, die wichtige Bestandteile der kooperativen Strategie sind: einerseits den Versuch städtische Konfliktzonen für den Start zu vermeiden sowie andererseits die Wichtigkeit einer gegenseitigen Wertschätzung auch der Arbeit des Gartenamtes. Bei der Routenwahl und den möglichen Konfliktzonen wird hierbei die Stadt in ihrer Eigenlogik und ihren Spielregeln sichtbar.

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Berking, H. and M. Löw, Eds. (2008). Die Eigenlogik der Städte. Neue Wege für die Stadtforschung. Interdisziplinäre Stadtforschung. Frankfurt/Main, New York.

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Bourdieu, Pierre: Ortseffekte, in: Ders. et al (Hg.): Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft, UVK Universitätsverlag Konstanz, 1997, S. 117-127.

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Rancière, Jacques: Die Aufteilung des Sinnlichen. Die Politik der Kunst und ihre Paradoxien, Berlin: b_books, 2008, 2. Auflage (Originalausgabe „Le Partage du sensible. Esthétique et politique, Paris: La Fabrique Éditions, 2000).

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Ders.: Der emanzipierte Zuschauer, (aus dem Französischen von Richard Steurer orig. Titel: Le spectateur émancipé, Editions La fabrique, Paris, 2008); Wien: Passagen Verlag, 2009.

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Spielmann, Walter: Gartenglück auf 19 mal 36 m² (Barbara Reisinger und Gerold Tusch), in: Spielmann, Walter /Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen /Lebensministerium (Hg.): Die Einübung des anderen Blicks. Gespräche über Kunst und Nachhaltigkeit, S. 63-76.

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Andere Quellen:

Interview mit Christine Brandstätter, Salzburg, 30.5.2012

 

Das ABZ ist eine Einrichtung der Katholischen Aktion im Salzburger Stadtteil Itzling.

Es berichteten ORF-Radio-Salzburg, Salzburger Nachrichten, Stadtnachrichten, Krone, Standard, basics und Woman.

Mit Volxküche wird eine Praxis des kollektiven Kochens bezeichnet, bei der zum Selbstkostenpreis oder auch darunter Essen, meist vegetarisch oder vegan, zubereitet und ausgegeben wird. Volxküchen gibt es in unterschiedlichen Formen, und sie sind Teil linksalternativer Alltagspraxen. Vgl. u. a. http://de.wikipedia.org/wiki/Volxk%C3%BCche, 7.8.2012.

Das Forum Andräviertel ist ein Stadtteilverein, in dem UnternehmerInnen, Kulturschaffende und BewohnerInnen organisiert sind und ein besonderer Fokus in der Kreativbranche liegt.

Vergleiche dazu beispielsweise Walter Spielmann (2009: 64), der in einer Einleitung zum Interview über das gemeinschaftsgärtnerische Kunstprojekt in Oberndorf, „Spielwiese/Gartenglück“ der KünstlerInnen Barbara Reisinger und Gerold Tusch, ebenfalls auf den Philosophen Kohr verweist.

Laila Huber (2012): „Gemeinsam die Stadt zum Blühen bringen“. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #01 , https://www.p-art-icipate.net/gemeinsam-die-stadt-zum-bluhen-bringen/