Hot Spot: Nikosia

Exkursion nach Zypern (April 2015)

Die Artos Foundation

Unser erster Programmpunkt ist die Artos Foundation, deren Gründer und Leiter Achilleas Kentonis ist. Achilleas hat auch als Kunstschaffender bereits zahlreiche Projekte in Nicosia sowie international realisiert.

Auszug aus dem Bericht von Siglinde Lang (Leiterin der Lehrveranstaltung):
„(…) In seiner charmanten Art sind es vor allem Erzählungen, ja persönliche Geschichten, über die uns Achilleas sehr detaillierte Einblicke in die zeitgenössische Kunstszene Nikosia, aber auch (kultur-)politische Strukturen gibt: Bereits die Gründungsgeschichte der Artos Foundation verweist auf die Passion Achilleas, Kunst stets mit einem „social impact“ zu verbinden. (…)

Nach dem Abschluss seines Kunststudiums in den USA, war es ihm und seiner Frau ein hohes Anliegen, sich in und für die Kunst in und aus Zypern zu engagieren – und in Nikosia eine Plattform für zeitgenössische Kunst und Wissenschaft, für Experimente und Forschertum, für künstlerischen Austausch und kulturelle Vermittlung aufzubauen – wobei eine gesellschaftskritische, ja durchaus auch politische Sichtweise all seine Aktivitäten prägt.

Kentonis

Achilleas Kentonis. Foto: Michael Steindorfer

So war eine „Kids University“ der ursprüngliche und erste Programmpunkt, mit dem ein Forum für kulturelle Bildung im Jahr 2000 Kindern zwischen 7 und 11 Jahren Zugang zu Kunst, die Freude am künstlerischen Experimentieren vermitteln sollte. Dieser Initiative folgten zahlreiche weitere Aktivitäten: Workshops für Kunstschaffende, Artist in Residence Programme, ein interdisziplinärer Think Tank für Fragen rund um Innovation, Kreativität und neue Formen der künstlerischen Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch Vortragsreihen, Festivals und Symposien bilden nun nach 15 Jahren Aufbauarbeit die umfangreiche Programmatik und den Aktivitätenkanon der Artos Foundation.

Zahlreiche Kooperationen mit nationalen und internationalen Partnern aus Kunst, Kultur und Wissenschaft verweisen auf das dichte Netzwerk, EU-Förderungen stellen über 50 Prozent der Finanzierungstruktur, die von Sponsoring und zumeist projektbezogenen nationalen Förderungen flankiert werden.
Doch speziell in den letzten Jahren sind die kulturpolitischen Subventionen in Zypern nochmals stark gekürzt worden, sodass Achilleas weder über eine mehrjährige Basisfinanzierung verfügt, noch viel Hoffnung gegenüber nationalen Subventionen hegt. Doch seinen Optimismus kann die kulturpolitische Situation nicht trüben – und so erzählt Archilleas lieber über eigene künstlerische Interventionen, die er oft auch mit geringer finanzieller Unterstützung umzusetzen weiß. (…)
Wir hätten uns gerne noch länger und intensiver mit Achilleas unterhalten: Auch seine Interpretation der Zyprioten als einer „Survival“-Kultur, die Annexionen und Schicksalen mit einem „Carpe diem“, aber auch einer steten Zuversicht und Arbeitsdisziplin zu antworten weiß, vermittelt er mit amüsanten, dabei stets essentielle Fragen auf den Punkt bringenden Geschichten. Als wir nach rund 1,5 Stunden die Artos Foundation verlassen, sind es daher mehr Fragen als Antworten, die wir lebhaft diskutieren – denn Achilleas hat uns nicht für die Artos Foundation und das kleine Zypern begeistert, sondern uns auch den perfekten Einstieg in ein reflektiertes Kennenlernen des Landes geboten.“

Sophia Fischbacher (2015): Hot Spot: Nikosia. Exkursion nach Zypern (April 2015). In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #06 , https://www.p-art-icipate.net/hot-spot-nikosia/