Hot Spot: Nikosia

Exkursion nach Zypern (April 2015)

Das türkische Viertel

 Auszug aus dem Bericht von Marlies Berger (Teilnehmerin der LV und Studierende am Schwerpunkt W&K)
„Am Dienstag kurz vor Mittag geht es bei strahlendem Sonnenschein auf ins Türkische Viertel. Wir passieren den griechischen Teil und nach ein paar Metern, sieht man schon die wartenden Menschen vor der türkischen Grenze. Die Schlange wird immer länger, denn die türkischen Behörden nehmen ihre Arbeit sehr ernst. Nach ca. zwanzig Minuten haben alle erfolgreich das Visum für den türkischen Teil erhalten und wir spazieren nun durch den kleinen Bazar Richtung Selimiye Moschee. (…)“

Nach der Grenzüberschreitung saugen wir die Marktatmosphäre vor der Bedestan (St. Nikolaus Kirche) auf, wo Einheimische ihre selbstgemachten Produkte und türkische Süßwaren anpreisen.

Nach der Besichtigung der ältesten Markthalle (Bandabulya) geht es weiter in die bekannte Selimiye Moschee, wo gerade der Muezzin zum Gebet ruft. Die Selimye Moschee ist ein klassisches Beispiel für eine von vielen Moscheen im türkisch besetzten Teil Zyperns, die ursprünglich einen anderen Zweck erfüllten, und nach der Besetzung einer der vielen Kolonialmächte zu einer Moschee umfunktioniert wurden. So diente also dieses Gebäude ursprünglich als Krönungskathedrale der Lusignans, einer französischen Adelsfamilie, und seit 1570, nach der Besetzung durch die Ottomanen, ist sie Hauptmoschee der Muslime in Nikosia.

Weiter führt uns unser Spaziergang durch auffallend schmucklose Gassen und Straßen. Wir nehmen eine eher bedrückende Atmosphäre wahr bei unserem Gang durch die zum Teil zerfallenen Häuser und die sehr einfachen Verhältnisse, die hier im Vergleich zum nicht besetzten Zypern vorherrschen.
Von einem sozialen Wohnungsbauprojekt, das zwischen 1918 und 1925 erbaut wurde, um die Eingliederung der türkischen Bevölkerung zu erleichtern, über weitere kleine Gassen beenden wir schließlich unseren Spaziergang im Büyük Khan, einer zwischen 1576 und 1577 erbauten ehemaligen Karawanserei, aus der nun eine kleine Flaniermeile mit einheimischen Produkten geworden ist. Teilweise sind an den Shops auch Werkstätten angeschlossen, die Leder oder Holz vor den Augen der Touristen anfertigen. Hier lassen wir unsere Besichtigung mit einer Tasse griechischem Kaffee ausklingen.

Sophia Fischbacher (2015): Hot Spot: Nikosia. Exkursion nach Zypern (April 2015). In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #06 , https://www.p-art-icipate.net/hot-spot-nikosia/