Hot Spot: Nikosia

Exkursion nach Zypern (April 2015)

Das Dance House Lefkosia

Auszug aus einem Bericht von Sophia Fischbacher (Teilnehmerin der LV und Studierende am Schwerpunkt W&K):
„Nachdem wir in der Nachmittagshitze ‑ unterwegs per pedes ‑ bereits über eine Stunde erfolglos versucht hatten, das nicht ganz zentral gelegene Dance House zu finden, wurden wir schlussendlich dann von zwei sehr netten einheimischen Zyprioten dort hingefahren. Dort angekommen, dürfen wir aber glücklicherweise auch schon bald feststellen, dass sich unsere kleine Odyssee gelohnt hat:  Sehr herzlich empfängt uns Gründerin und Leiterin des Dance House, Arianna Economou, und verzeiht uns unsere Verspätung. Wir werden sogleich in das Innere des Dance House geführt: Erster Halt ist ein großer, hoher, lichtdurchfluteter Raum, von allen vier Seiten zugänglich und einsehbar, und auf einer Längsseite bestuhlt. Diesen Raum bezeichnet Arianna als „open space“. 

Seit 2013 nutzt das Dancehouse diese Räumlichkeiten und Arianna erklärt uns, dass dieser Performanceraum interessierten KünstlerInnen aus dem Bereich der darstellenden Künste zur Miete zur Verfügung steht, um als Performanceplattform, aber auch für Installationen, Unterricht und Workshops genutzt zu werden.  Die Vermietung dieses Raumes an interessierte zeitgenössische KünstlerInnen beschreibt Arianna als eine der Hauptaufgaben des Dance House. Hierbei will sie v.a. junge ChoreographInnen fördern, die spartenübergreifend arbeiten und somit auch andere Kunstformen, v.a. die der darstellenden Künste mit einbeziehen. 

Arianna

Arianna Economou

Ariannas Vision war es von Anfang an, einen Rahmen zu schaffen und somit auch einen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sich Tanz, und vor allem auch der zeitgenössische Tanz als eigenständige Kunstform in Zypern etablieren kann. Bis dato war nämlich die Tanzszene auf Zypern nicht existent. So ist es auch ein wichtiger Teil der Arbeit des Dance House, ein Netzwerk für talentierte junge ChoreographInnen aufzubauen und sich dafür finanzielle Unterstützung vom Staat zu erkämpfen. Dabei betont Arianna, dass für sie die Zusammenarbeit mit griechischen Zyprioten den gleichen Stellenwert und Wichtigkeit hat wie die mit türkischen Zyprioten.

Als einen weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit beschreibt Arianna den Ballettunterricht, der von zypriotischen Ballettlehrern, die von extern kommen, gegeben wird, um Nachwuchs zu suchen. Außerdem wird für die Kinder auch Unterricht im zeitgenössischen Tanz angeboten, sowie Workshops in diesem Bereich.
Neben Arianna arbeiten noch drei weitere Personen für die Institution, alle auf freiwilliger Basis. Dies verdeutlicht auch nochmal die Tatsache, dass das Dance House und die Arbeit und Organisation, die dahinter stecken auf einer aus Leidenschaft und Überzeugung geborenen Vision fußen ‑ mit Arianna als Herzstück des Ganzen.

Nach langen Bemühungen, erzählt Arianna, sei das Dance House endlich an dem Punkt angekommen, an dem es immer weiter wächst und somit auch die Kooperationen auf internationaler Basis wachsen. So wird es diesen Sommer zum ersten Mal auch Kooperationen mit internationalen Künstlern geben, die nach Zypern kommen, denn bisher waren ausschließlich zypriotische Künstler für das Dance House tätig. Am Ende unserer Führung werden wir von Arianna euphorisch mit Flyern, Aufführungsplakaten und Jutebeuteln für unsere Ausstellung bestückt. Einstimmig stellen wir im Nachhinein fest, dass wir gerne noch länger Zeit gehabt hätten mit Arianna zu sprechen. Eine sehr inspirierende und spannende Frau, die uns mit ihrem Elan und ihrer positiven und herzlichen Art in Erinnerung bleiben wird. Und wer weiß? – Der /die ein oder andere wird sich bestimmt Ariannas Angebot, wiederzukommen und für das Dance House zu arbeiten, gerne durch den Kopf gehen lassen.“

Sophia Fischbacher (2015): Hot Spot: Nikosia. Exkursion nach Zypern (April 2015). In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #06 , https://www.p-art-icipate.net/hot-spot-nikosia/