ohnetitel – netzwerk für theater und kunstprojekte

Intention, Arbeitsweise und Ziele

Viele der Produktionen von ohnetitel sind als Teile einer Reihe gedacht, was unterschiedliche Betrachtungsweisen und Annäherungen an ein übergeordnetes Thema erlaubt – inhaltlich, aber auch formal. So auch vorstadt vor ort. Unter diesem Titel widmet sich ohnetitel mit seinen Interventionen und „theatralen Geschäftsgründungen“ dem Salzburger Stadtteil Itzling. Itzling, einst mit florierender Infrastruktur, Kleingewerbe und Nahversorger, gelebtem öffentlichen Raum und regem Ortsleben, erleidet heute das Schicksal urbaner Verödung durch Abwanderung. Geschäfte in Familientradition schließen. Was nachwächst, sind wechselnde Provisorien ohne Dauer. Itzling: ein blinder Fleck auf der Karte der Städteplaner. Aber von großem Interesse für uns.
Ausgangspunkt war die Beobachtung der Itzlinger Hauptstraße, einer der früheren Haupteinkaufsstraßen von Itzling, die sich mittlerweile charakterisiert durch leerstehende Geschäfte und hinterbliebene Schaufensterauslagen, mit kurzzeitigen Neueröffnungen der unwahrscheinlichsten Arten (vom ebay-Shop, Hundefriseur, etc.) und ebenso schnellen Schließungen mangels Erfolg. So entstand die Idee, sich in den Reigen der sporadischen Geschäftseröffnungen einzufügen, aus der realen Situation heraus eine Kunstform zu entwickeln, die die Unwahrscheinlichkeit von Geschäftsideen bis ins Fiktive treibt und damit gleichzeitig einen neuen Raum öffnet für die Wahrnehmung. Ein Impuls fürs Stehenbleiben und Innehalten, für neuen Austausch und Ortsgespräch.
Begonnen hat unsere „Einmischung“ mit dem Warteraum für Winterreisende in der Itzlinger Hauptstraße 6.  Dabei haben wir uns bewusst für eine sehr unaufdringliche „Geschäftsidee“ entschieden: den offenen Warteraum an der Bushaltestelle, der zum  Aufwärmen und Staunen einlädt. Ein leiser Einstieg in ein kunstfremdes Wohnviertel, das sich zuerst einmal sehr skeptisch gegenüber allem Neuen verhält. Die Form des „Adventkalenders“ sorgte für eine relativ lange Projektdauer. Damit konnten wir dem Ort die nötige Zeit lassen, uns wahrzunehmen, neugierig zu werden und in Kontakt zu treten.
Dieses Projekt, eines unserer ersten, ist in dreierlei Hinsicht programmatisch für die Arbeiten von ohnetitel. Erstens: Raus aus Theaterräumen, rein in Lebensräume! Das leidenschaftliche Interesse für Schnittstellen, an denen sich Kunst und Alltag begegnen. „Bühnen“, wo sich Leben und Theater überschneiden – hier ein ganzer Stadtteil. Weiters: Der Netzwerkgedanke, der auch die künstlerische Denkweise und Ästhetik von ohnetitel prägt. Eine Theatersprache, die sich von Konzepten und Formen der Bildenden Kunst, des Tanzes, der Komposition, der Literatur u.a. inspirieren lässt, immer spartenübergreifend. Drittens: Von „großen“ Produktionen, die 70 Personen involvieren, bis zum leisen Kammerspiel mit einer Person. Von Groß bis Klein, das betrifft auch das Publikum, das wir erreichen wollen. Damit Kunst kein Spektakel ist, originell und schnell vorbei, sondern damit Kunst das ist, was sie wirklich sein kann: verbindend, lebendig und nachhaltig.

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Mandel, Birgit (2010): PR für Kunst und Kultur. Handbuch für Theorie und Praxis, 3. Aufl., Bielefeld: transcript Verlag.

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Zobl Elke/Lang, Siglinde (2012): P/ART/ICIPATE– The Matrix of Cultural Production. Künstlerische Interventionen im Spannungsfeld von zeitgenössischer Kunst, partizipativer Kulturproduktion und kulturellen Managementprozessen. Ein Werkstattbericht über ein Forschungsprojekt. In: kommunikation.medien, Ausgabe 1. Online unter: http://www.journal.kommunikation-medien.at

ohnetitel – Netzwerk für Theater- und Kunstprojekte (2012): ohnetitel – netzwerk für theater und kunstprojekte. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #01 , https://www.p-art-icipate.net/ohnetitel-netzwerk-fur-theater-und-kunstprojekte/