Über das Projekt (FAQ)

Räume kultureller Demokratie

Ein transdisziplinäres Forschungsprojekt zur Entwicklung von experimentellen Vermittlungsräumen am Beispiel von Klimawandel und Nachhaltigkeit

Dauer: 1.12.2019-30.11.2022

Projektleitung: Programmbereich Zeitgenössische Kunst und Kulturproduktion, Schwerpunkt Wissenschaft & Kunst

Kooperationspartner: Salzburg Museum

Räume kultureller Demokratie ist ein an den Schnittstellen von Theorie und Praxis angesiedeltes Forschungsprojekt. Es wird als Reallabor geführt. Darunter versteht man Experimentierräume an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis, in denen sich Menschen aus verschiedenen Bereichen gemeinschaftlich gesellschaftlich relevanten Themen annähern.

Im Forschungsprojekt Räume kultureller Demokratie ist es das Ziel, im Rahmen eines solchen Labors experimentelle Vermittlungsräume zu den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit zu entwickeln und zu erproben: physische, mobile und digitale. Sie sollen verschiedenen Menschen ermöglichen, sich im Sinne einer kulturellen Demokratie als aktiv Beteiligte und Produzierende mit diesen dringlichen Themen zu befassen.

Das Forschungsprojekt gliedert sich in insgesamt vier Arbeitsphasen

  • In der ersten Phase werden die theoretischen Grundlagen aufbereitet und Fallstudien mit Interviews durchgeführt.
  • In der zweiten Phase werden verschiedene Ideen mit der Gruppe der Praxisakteur*innen erarbeitet. Basierend darauf werden gemeinsam verschiedene Möglichkeiten der Vermittlung entwickelt.
  • In der dritten Phase erfolgt die Umsetzung an unterschiedlichen Orten und mit verschiedenen Gruppen in Salzburg, in analogen sowie in digitalen Räumen.Darüber hinaus fließen die Erfahrungen in die Konzeption eines Vermittlungsraumes im Salzburg Museum ein bzw. werden dort aufgenommen und weiterentwickelt.
  • In der abschließenden vierten Phase werden die Materialien vom Kernteam aufbereitet und für Interessierte, im Speziellen für Akteur*innen im Bereich der Vermittlung, open access zur Verfügung gestellt.

FAQ 

Warum gibt es das Forschungsprojekt?

Um den Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden, so das Argument von Uwe Schneidewind (des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie), braucht es „transformative Hochschulen“, „die große gesellschaftliche Herausforderungen zum Ausgangspunkt ihrer Forschung und Lehre machen und zusammen mit gesellschaftlichen Akteuren Veränderungsprozesse gestalten“ (Schneidewind, 2014) Dabei spielt vor allem das „Co-Produzieren“ von Wissen mit der Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle.

Dieses universitäre Forschungsprojekt möchte im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung einen Beitrag dazu leisten. Im Forschungsprojekt „Räume kultureller Demokratie“ arbeiten wir mit Ansätzen der partizipativen und transdisziplinären Forschung und nehmen derzeit zentrale gesellschaftliche Herausforderungen des Klimawandels und der Nachhaltigkeit als Angelpunkt unserer Auseinandersetzung.

Was will das Forschungsprojekt untersuchen?

Wir erforschen exemplarisch bestehende Vermittlungsprojekte und entwickeln und gestalten davon ausgehend experimentelle und prozessorientierte Räume mit Beteiligung verschiedener Menschen. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, wie durch die Herstellung solcher Vermittlungsräume Mitwirkung, Mitgestaltung und kulturelle Teilhabe im Sinne einer kulturellen Demokratie möglich sind. Wir greifen dabei die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen Klimawandel und nachhaltige Entwicklung auf. Das Forschungsprojekt verbindet Praxis- und Theoriefelder der Vermittlung, der kritischen Kulturarbeit und der kulturellen Bildung unter Einbezug des digitalen Raums.

Warum braucht es so ein Forschungsprojekt?

Viele Institutionen im Feld der Kunst und Kultur schaffen ausgehend von Handlungskonzepten des „Audience Development“ Vermittlungsangebote, durch die ein jeweils größeres, diverseres und neues Publikum angesprochen werden soll. Diese institutionelle, oftmals angebotsorientierte Praxis basiert häufig auf einer Wissensvermittlung durch Expert_innen, die an bereits bestehende Inhalte und kulturelle Bestände anknüpft und innerhalb des institutionellen Rahmens agiert.

In dem Forschungsprojekt wollen wir jedoch zu einem Perspektivenwechsel anregen. Durch einen transformativen und partizipativen Prozess mit beteiligten gesellschaftlichen Akteur_innen entstehen in Bezug auf die aktuellen Themen Klimawandel und nachhaltige Entwicklung neue Formate und Vermittlungsmaterialien. Diese öffnen Möglichkeiten der Selbstrepräsentation, der Ermächtigung und der Weiterentwicklung im Sinne eines dynamischen Prozesses.

Und klarerweise: Der Klimawandel als enorm dringliches gesellschaftliches Thema braucht unsere Aufmerksamkeit!

Was sind die theoretische Bezugspunkte des Forschungsprojektes und warum hat das Projekt den Titel „Räume kultureller Demokratie“?

Ausgangspunkt der Grundlagenforschung ist der Kulturbegriff der „Cultural Studies“. Dieser versteht unter Kultur eine dynamische und konflikthafte Praxis, die im Alltagshandeln von Menschen ihren Ausdruck findet. Damit einher geht die Erkenntnis, dass Menschen in kulturelle Bedeutungsproduktionen und Machtverhältnisse eingreifen können, indem sie selbst aktive Kulturproduzent_innen und Kulturvermittler_innen werden. Dieser Kulturbegriff ist eingebettet in das übergreifende politische Ziel, Gesellschaftsveränderung im Sinne von Demokratie, Inklusion und Emanzipation aller Menschen zu erreichen.

Grundlegend gehen wir von der Idee einer gelebten kulturellen Demokratie aus. Dabei geht es darum, dass Menschen aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken und dass ihnen Möglichkeiten und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um selbst kulturell, künstlerisch, medial, digital oder in sonst einer Weise aktiv zu sein. Wichtig dabei ist, dass der Ausgangspunkt die Lebenswelten, die Bedürfnisse und die dringlichen Themen der Menschen sind.

Eine weitere Grundlage des Projektes besteht in der Kulturvermittlung als eine kritische und partizipative Praxis, die aktuelle und relevante Themen aus der Gesellschaft aufnimmt und reflexiv bearbeitet.

Wenn wir von den Konzepten der kulturellen Demokratie und den kulturellen Alltagspraktiken von Menschen ausgehen, so unsere These, dann können sich neue Formate und Methoden der Vermittlung entwickeln und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Mitgestaltung eröffnen. Die dabei entstehenden neuen Räume möchten wir im Sinne von Experimentierräumen in den Blick nehmen und weiterdenken. In Anbindung an Lebenswelten werden soziale und gesellschaftskritische Themen mitgedacht und als Ausgangspunkt genommen.

Wie ist der Ablauf des Forschungsprojektes?

Das zweijährige Forschungsprojekt erforscht und entwickelt experimentelle und kulturelle Vermittlungsräume, die in mobilen, physischen und digitalen Räumen ihren Ausdruck finden. Es besteht aus 4 Phasen: (1) Grundlagenforschung, (2) partizipativer und transdisziplinärer Forschung, (3) der Entwicklung und Gestaltung von experimentellen Vermittlungsräumen, (4) Aufbereitung der Materialien und open access.

Menschen werden aktiv eingeladen, sich auf mehreren Ebenen und durch verschiedene Angebote an einem Entwicklungsprozess zu beteiligen.

Kontakt und Kommunikationsmöglichkeiten

Kontaktieren Sie uns gerne unter: Elke Zobl und Räume kultureller Demokratie

Wer ist Teil des Forschungsprojektes?

Universität Salzburg: Elke Zobl als Projektleitung, Katharina Anzengruber und Anita Thanhofer  (bis Juli 2020) als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, Timna Pachner und Sophia Reiterer als studentische Mitarbeiterinnen und Salzburg Museum: Sandra Kobel als Leitung Kulturvermittlung am Salzburg Museum.

Referenzen:

Uwe Schneidewind (2014): Von der nachhaltigen zur transformativen Hochschule: Perspektiven einer „True University Sustainability“. In: Umweltwirtschaftsforum, Jg. 22, Nr. 4, S. 221-225. Die finale Publikation ist verfügbar unter Springer via http://dx.doi.org/10.1007/s00550-014-0314-7