sound:frame. Vermittlung zwischen den Stühlen

Für das sound:frame Festival als ein Projekt, das in Bezug auf die unterschiedlichen Kontexte, in denen es stattfindet, immer wieder „zwischen den Stühlen“ (Thun-Hohenstein 2012, S. 4)star (* 1 ) steht, müssen gewisse Fragen sukzessive neu verhandelt werden: Welche Position will sound:frame öffentlich einnehmen? Wie will es wahrgenommen werden? Welches Publikum möchte überhaupt erreicht werden? Welche Inhalte sollen transportiert werden?

Interne Reflexion und externe Evaluierung sind bedeutende Faktoren, die in Planung, Durchführung wie Nachbearbeitung stets mit einbezogen werden müssen. Einen direkten Einblick in diese kontinuierlichen Reflexionsprozesse gibt der folgende Beitrag, der eine Zusammenfassung eines Gastvortrages im Rahmen der Lehrveranstaltung „Berufsfeld Kulturmanagement“ im Sommersemester 2013 darstellt. (Siehe auch Interview mit Eva Fischer)

Das sound:frame Festival setzt sich seit 2007 mit audiovisuellen Ausdrucksformen im Kunst- und Clubkontext auseinander. Interkreativität und die Zusammenführung von MusikerInnen, KünstlerInnen und TheoretikerInnen aus den Bereichen Visuals, Medien-Kunst, Architektur und Musik bilden jedes Jahr das Fundament für die thematische Orientierung des Festivals. 2013 setzt sound:frame mit dem Themenschwerpunkt „collective“ den Fokus auf Netzwerke, KünstlerInnen-Kollektive, interdisziplinäre Teamarbeit und internationale Kollaborationen. sound:frame selbst ist ein solches Kollektiv, das sich mit dem Festival und mit zahlreichen internationalen Projekten und Umsetzungen im audiovisuellen Bereich zu einem der wichtigsten Netzwerke und Institutionen weltweit etabliert hat. Initiatorin und künstlerische Leiterin Eva Fischer spricht in ihrem Vortrag über die Entwicklung, die Positionierung und die inhaltliche Ausrichtung des Projektes sound:frame. 

sf2013_brut_120413_0135

Der Fokus von sound:frame lag von Beginn an auf „audiovisueller Kunst und Kultur“, konkret auf der Verbindung von Visuals und Sound. Live Visuals kommen zu einem Großteil aus der „VJ-Szene“. Ein/e „VJ“, ist jemand, der im Live-Kontext mit Projektionen unterschiedlichster Art arbeitet – vorproduzierte Videoclips zur Musik mixt oder etwa mit generativen Softwares in Echtzeit digitale Bildwelten generiert. Visuals kommen ursprünglich aus der Clublandschaft, finden jedoch in immer unterschiedlicheren Kontexten statt. Neben künstlerischen Arbeiten gibt es vor allem auch zahlreiche Design-Ansätze und innovative Arbeiten im wirtschaftlichen Kontext. Da ich als künstlerische Leiterin selbst aus dieser VJ-Community komme und als Visualistin tätig bin, wurde das Festival von Beginn an aus dieser Szene heraus als „VJ-Festival“ wahrgenommen und definiert. Das ist nach wie vor teilweise der Fall, doch durch hartnäckige Öffentlichkeitsarbeit konnte sich das Projekt innerhalb der vergangenen Jahre als AV-Festival bzw. AudioVisuelles Festival positionieren, also als ein Projekt, das viel mehr an intermedialen und interdisziplinären Ausdrucksformen interessiert ist als am VJing allein. Entscheidend ist auch, dass verschiedene Zielgruppen das Festival sehr unterschiedlich wahrnehmen: Für die Musikinteressierten steht das Musikprogramm im Vordergrund, für die VisualistInnen-Szene ist das Visuelle ausschlaggebend. Das Kunstpublikum kommt ins Museum, das reine Partypublikum in den Club. Diese speziellen Zielgruppen sind an einzelnen Programmpunkten interessiert und sehen sound:frame demnach auch meist auf einen jeweiligen Schwerpunkt fokussiert.

star

Thun-Hohenstein, Christoph (2012): Zwischen den Stühlen. In: sound:frame. substructions, Festivalkatalog 2012, Wien 2012.

star

Debord, Guy (1996): Die Gesellschaft des Spektakels. Berlin: Edition Tiamat.

star

Kandinsky, Wassily (1952): Über das Geistige in der Kunst. Neuilly-sur-Seine 1952.

star

Waidacher, Friedrich (1999): Handbuch der Allgemeinen Museologie. Wien, Köln, Weimar: Böhlau
1999, S. 482.

Eva Fischer : (2013) sound:frame. Vermittlung zwischen den Stühlen.

In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #03 , https://www.p-art-icipate.net/soundframe-vermittlung-zwischen-den-stuhlen/