„Unsere Stärke liegt in der Mobilität ‑ wir können in jede Ecke, in jede Siedlung, in jede Nische hinein.“

Onur Bakış im Gespräch mit Dilara Akarçeşme

Kannst du etwas mehr von diesem Projekt erzählen?

Ich habe getanzt und mir ist aufgefallen, dass es nicht viele Tänzer bzw. Breakdancer in Salzburg gibt. Ich habe mir gedacht, dass etwas passieren muss und bin zu akzente gegangen, die Jugendprojekte machen. Mit ihnen war ich 2003 in Spanien. Ich habe ihnen erklärt, dass ich die Idee habe, Jugendliche aus ganz Europa, die sich besonders mit der Hip-Hop-Kultur beschäftigen, nach Salzburg einzuladen. Sie haben gesagt, dass sie mir gerne helfen und haben ein Programm vorgeschlagen, „Jugend in Aktion Europa“, wo Jugendliche aus Israel, Marokko, der Türkei, England oder Frankreich eingeladen werden können. akzente hat mich bei dem Projektantrag unterstützt, der dann auch genehmigt wurde. Damals habe ich richtig aufgeschrien, als ich in der Arbeit die E-Mail bekommen habe: „Ja! Endlich geschafft!“ Dann waren eben über 40 Jugendliche aus diesen Ländern hier in Salzburg. Jemand hat dann gesagt: „Moment, du brauchst einen Verein. Als Einzelperson geht das nicht.“ So habe ich mir Gedanken gemacht, um was es eigentlich bei uns geht.

Es geht um Künstler, die diese Tänze autodidaktisch lernen. Es gibt keine Zertifikate, keine Ausbildung an der Universität oder sonst etwas, sondern man eignet sich das durch Probieren an. Man schaut sich die Bewegungen im Breakdance an, ist inspiriert und versucht es. Durch immer mehr Versuche verbessert man sich. Man bildet also nicht viel Theorie. Die Theorie ist, glaube ich, eher in der Musikrichtung, im Hip-Hop oder im Funk. Man ist eben von Hip-Hop oder Funk inspiriert. Um das Ganze zu schaffen, braucht man aber schon sehr viel Disziplin und Ehrgeiz. Ich habe mich dann gefragt, wo diese Musik eigentlich herkommt. Die Musik kommt aus der ganzen Welt, aber besonders der Hip-Hop kommt aus den USA, die Afroamerikaner kommen aber wiederum aus Afrika. So habe ich mir einen Künstler ausgesucht: Femi Kuti hatte das Album Do Your Best / Fight To Win. Dabei habe ich mir gedacht, dass wir hier auch unser Bestes tun. Ich wollte auch, dass die Künstler hier in Salzburg ihr Bestes geben. So habe ich das auf Doyobe abgekürzt. Davor habe ich mir auch Inspirationen vom Initiator der Weltmeisterschaften, dem Battle of the Year, Thomas Hergenröther geholt, der mich beraten hat. So habe ich mit einigen Freunden diesen Verein gegründet. Do your best and fight to win! Kämpfe ohne Gewalt, aber mit deiner Kreativität!

Hast du neben akzente mit anderen Institutionen in Salzburg zusammengearbeitet?

Ja. Wir haben gesellschaftliche Probleme angesprochen, die EU-weit bestehen. Daher haben wir uns gedacht, dass die Landesregierung zuständig sein könnte und haben sie kontaktiert. Ich habe nicht einmal gewusst, was eine Word-Datei ist und sollte ohne Ahnung von Buchhaltung oder irgendwas ein Projekt schreiben. Aber ich hatte die Idee. _‑ Die Idee, Künstler aus der ganzen Welt und vor allem aus Europa zusammenzubringen. Ich hatte mit Stolpersteinen und nicht zufriedenen Beamten zu kämpfen, die gesagt haben, dass ich dieses Formular nochmal und nochmal ausfüllen sollte. So habe ich eben gekämpft, bis es gepasst hat. Ich habe auch viel mitgelernt, hatte mit Institutionen und insbesondere Regierungsorganisationen zu tun. So hat es sich eigentlich über die Jahre von 2007 bis heute, 2018, entwickelt. Besonders war, dass ich auch mit der Salzburger Burgen & Schlösser Betriebsführung zusammenarbeiten durfte, weil ich die Idee hatte, eine Opening Party auf der Festung zu machen.

Jeder sagte: „Spinnst du? Wie soll das gehen? Wie sollen die Leute da rauf? Da gibt es nur eine kleine Bahn, die vielleicht 20 Leute raufträgt. Da können doch nicht 300 bis 400 Leute Platz haben.“ Aber es ist geschehen. Wir durften oben ein Fotoshooting machen, im Weltkulturerbe Hohensalzburg. Wir waren auch willkommen und haben eine Förderung dafür bekommen, diese Hip-Hop-Künstler auf die Festung zu bringen, mit ihnen Fotos zu schießen und auch die Pre-Party für unser Hip-Hop-Festival in Salzburg zu machen. Man muss sich das quasi als „vom Bordstein zur Skyline“ vorstellen,. Die Skyline in Salzburg ist eben die Festung. Ich, als türkischstämmiger Junge, der zweimal von der Schule geflogen ist und keine guten Erfahrungen mit der Schule hatte, habe durch die Hip-Hop-Kultur diese Möglichkeiten entdeckt. Ich musste mich natürlich auch herzlich und sehr offen bei der Gesellschaft, nicht nur bei der Politik, bei den Medien, den Bürgern und den Kindern bedanken, die sich einfach für diese Kultur begeistern haben lassen. Sonst hätte ich es nie geschafft. Da müssen irgendwelche Energien da gewesen sein, die die Menschen gespürt haben. Der Geschäftsführer der Salzburger Burgen & Schlösser Betriebsführung hat gesagt: „Ja, Onur, du bist hier willkommen. Bitte geh auf die Burg rauf und mach die Party.“ So waren wir in verschiedensten Organisationen, von der Salzburg AG über das republic bis zum Leopoldskroner Bad. Ich glaube, ich war in jedem Veranstaltungshaus in Salzburg. Ich glaube, Salzburg ist schon zu klein für mich (lacht). So habe ich die Erfahrung gemacht, dass man alles schaffen kann. Nur hatte ich Arbeitszeiten im Verein durchgehend von 7 Uhr morgens bis 10, 11 Uhr am Abend. Ich dachte mir, dass zwei, drei Stunden nicht reichen, sondern war mit so viel Liebe und Motivation dabei, sodass etwas Großes dabei entstehen konnte.

Dilara Akarçeşme, Onur Bakış (2019): „Unsere Stärke liegt in der Mobilität ‑ wir können in jede Ecke, in jede Siedlung, in jede Nische hinein.“. Onur Bakış im Gespräch mit Dilara Akarçeşme. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #10 , https://www.p-art-icipate.net/unsere-staerke-liegt-in-der-mobilitaet-%e2%80%91-wir-koennen-in-jede-ecke-in-jede-siedlung-in-jede-nische-hinein/