Verstörende Zuversicht

Eine künstlerische Intervention im Bildungskontext

1.2 Das Paradoxon von Selbstermächtigung/ Selbstrepräsentanz als Lernziel – eine Herausforderung für künstlerische Interventionen im Bildungskontext

Viele PädagogInnen und ErzieherInnen und vermutlich auch KünstlerInnen haben sich schon den Kopf zerbrochen, wie diesem oben aufgezeigten Paradoxon zu entkommen ist.
Ich kenne aus der Gestaltpädagogik und aus dem Bereich künstlerischer Interventionen drei Möglichkeiten, die sich ergänzen können:
– einen didaktischen Rahmen schaffen, der möglichst viel Raum lässt, für dieses „Selbst“, das sich ermächtigen will,
– innerhalb der Projektzeit Raum und Fragestellungen für die Wahrnehmung und Reflexion innerer und äußerer Hierarchien schaffen,
– die bewusste Inszenierung der Hierarchie, sodass sie begreifbar wird (z.B. Krauss 2007).star (*2)
In unserem Workshop haben wir uns durch eine inhaltsoffene, eigene Gedanken und Impulse anregende Moderation vor allem auf die erste der drei Möglichkeiten konzentriert – auf das Schaffen eines offenen Raums. Die bewusste Inszenierung bzw. die Reflexion innerer und äußerer Hierarchien des Workshop-Settings selbst fand nicht in der Gruppe statt. So versuche ich meine persönliche Reflexion in diesen Bericht einzubringen, der eine Einladung auch an die anderen Teilnehmerinnen darstellt, diese Reflexion weiterzuführen.

1.3 Künstlerische Interventionen im Bildungskontext erzeugen bei den vorbereitenden Personen einen Überhang an Gestaltungsmacht

Die Tatsache, dass pädagogische Prozesse aufgrund gängiger Vorgaben vorbereitet werden müssen (zu erfüllende Lernziele bzw. Curricula, eng gesteckte zeitliche Rahmenbedingungen etc.), erfordert eine Verlagerung wichtiger kollaborativer Entscheidungen in die Vorbereitung und verschafft damit den Vorbereitenden eine strukturelle Dominanz – ein zentraler Aspekt der Hierarchie in Bildungskontexten. Das wurde für mich konkret erfahrbar als ein der Projektentwicklung immanenter Teil der Herausforderung, als Verantwortung, diese strukturell gegebene Dominanz durch uns Vorbereitende gering zu halten, sowie diese sichtbar und verhandelbar zu machen.

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Hiesl, Angie and Kaiser, Roland (2011): ”Dressing the city”. http://angiehiesl.de/eng/index.php?page=art&artid=128

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Krauss, Annette (2007): Hidden Curriculum. Utrecht: Casco.

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Miessen, Markus (2012): Kollaboration und Konflikt. In: Ders.: Albtraum Partizipation. Berlin: Merve.

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Mouffe, Chantal (2008): Art and Democracy. Art as an Agnostic Intervention in Public Space. In: Open 2008/ No. 14/ Art as a Public issue.

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Reichel, René/Scala, Eva (2005): Das ist Gestaltpädagogik. Münster: Ökotopia Verlag.

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Rogoff, Irit (2012): Wenden. In: Jaschke, B/Sternfeld, N. (Hg.): educational turn. Handlungsräume der Kunst- und Kulturvermittlung. Zürich: Turia + Kant.

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Sternfeld, Nora (2012): Segeln. In: Jaschke, B/Sternfeld, N. (Hg.): educational turn. Handlungsräume der Kunst- und Kulturvermittlung. Zürich: Turia + Kant.

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Svoboda, Ursula et al. (2012): Gestaltpädagogisch lernen und beraten. Berlin: dohrmannVerlag.berlin.

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Tschötschel-Gänger, Christine (2014): Reaktivieren wir die politische Dimension der Gestaltpädagogik! Online unter: http://www.gestaltpaedagogik.at/downloads/politDimGP.pdf  sowie in: Zeitschrift für Gestaltpädagogik Heft 1/2014 , S.44-49

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Tschötschel-Gänger, Christine/Sendlhofer, Maria (2014): Kopfoben Scheitern. Seminardesign. Online unter: http://www.gestaltpaedagogik.at/Seminare.html#14

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von Borries, Friedrich et al. (2012): Glossar der Interventionen. Hamburg.

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Zobl, Elke: Handout zur Veranstaltung: VÜ: Artistic interventions and education as critical practice. Künstlerische Interventionen II SS 2014 – Universität Salzburg – Contemporary Arts & Cultural Production

Christine Tschötschel-Gänger (2014): Verstörende Zuversicht. Eine künstlerische Intervention im Bildungskontext. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #05 , https://www.p-art-icipate.net/verstorende-zuversicht/