Von der Kunst die Kunst zu ergründen

Artikel von Jana Winkelmayer, Forschungsberichte von Agnes Amminger, Frederik Friesenegger, Amina Haider, Eva Kraxberger, Nora Moritz / Viktoriia Nasibullina, Renate Oberbeck, Sebastian Redlich, Erik Schneider, Manuela Seethaler / Günther Jäger, Christina Tosoni, Judith Rafaele Waizenegger, Clara Widerin – Studierende der praxisorientierten Lehrveranstaltung „Die Ausstellung verhandeln“ – Lehrende Luise Reitstätter

Im Raum stand außerdem die Frage, welchen Output eine Ausstellung überhaupt hinterlässt. Manuela Seethaler und Günther Jäger wollten wissen, ob Kunst den Alltag der Menschen grundlegend zu beeinflussen vermag. In etlichen von ihnen transkribierten Interviews wurde deutlich, dass der Grund für den Besuch des Museums oft die lauteren Ausstellungen von Boukal und Meese waren. Die Schau Under Pressure wurde sozusagen im Vorbeigehen mitgenommen. Auch Judith Rafaele Waizenegger, die per Fragebogen die Vorinformation und Erwartungshaltung der Besucher und Besucherinnen überprüft hat, musste feststellen, „dass gut 85 Prozent das MdM hauptsächlich wegen einer anderen Ausstellung besuchen“. Es gibt außerdem einen deutlichen Unterschied zwischen den konkret an der ausgestellten Kunst interessierten RezipientInnen unter der Woche und den deutlich jüngeren, die am Wochenende das Museum als Zeitvertreib besichtigen. Letztere sind oft zu Besuch in Salzburg und neugierig auf das Museum an sich oder schlicht auf der Flucht vor dem schlechten Wetter.

Bei den Ergebnissen von Manuela Seethaler und Günther Jäger war weiters auffallend, dass die Schwere des Themas keinen Einfluss auf die durchwegs positiv behafteten Aussagen hatte. Die Wichtigkeit von Kunstvermittlung trat jedoch auch hier deutlich in den Vordergrund, denn die Resonanz auf die Führung der Kuratorin war äußerst positiv. So kann man in Kombination mit den Forschungsergebnissen von Frederik Friesenegger und Renate Oberbeck davon ausgehen, dass bei den Besuchern und Besucherinnen ein erhöhter Bedarf an der Bereitstellung von Hintergrundinformationen besteht, die das Kunstverständnis und den Kunstgenuss maßgeblich beeinflussen.

Abschließend zeigt sich, dass sowohl Output als auch Besucherströme von der medialen Repräsentation gesteuert werden. Eva Kraxberger hat sich hierzu methodisch der qualitativen Inhaltsanalyse zugewandt und die Berichterstattung zur Ausstellung unter die Lupe genommen. Kurios ist, dass in den meisten Artikeln einfach der APA Pressetext übernommen wurde. Die wenigen Journalisten, denen es gelungen ist, in eigenen Worten eine Meldung zur Ausstellung zu formulieren, haben regionale Aspekte hervorgehoben. Hier wird „die Bedeutung des Nachrichtenfaktors Nähe bestätigt“, erklärt Eva Kraxberger. Dass junge Menschen Interesse an Politik haben, scheint zu überraschen, denn das Alter der Künstler und Künstlerinnen wurde mehrfach hervorgehoben. Gerade hier findet sich aber das große Potential von Kunst, den Menschen nicht nur einzuladen persönliche Lebenserfahrungen zu reflektieren, sondern diese auch in einen gesellschaftlichen Kontext zu setzen. Der Bereich der Ausstellungsforschung eröffnet an dieser Stelle viele anschauliche Möglichkeiten, um solche Prozesse sichtbar zu machen. Darin mag auch die große Qualität dieses jungen Forschungsfeldes liegen, denn wie ein Besucher hinsichtlich seiner Kunsterfahrung so schön formuliert, liegt der Reiz darin, „dass man sich auseinandersetzt mit dem Wirken des Menschen in der Welt“ (Forschungsbericht Manuela Seethaler und Günther Jäger).

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Unterlagen der Presseanalyse, Foto Eva Kraxberger

 

Forschungsteilberichte:

Amminger, Agnes: „… aber sehr ansprechende Bilder insgesamt …“ – Thinking Aloud in der MdM-Sammlungsausstellung „Under Pressure. Politik in der zeitgenössischen Fotografie“: Amminger_Forschungsteilbericht_Thinking Aloud (PDF)

Friesenegger, Frederik: Die Kuratorenführung im Vergleich zur Besucherführung – Unterschiede und Besonderheiten einer neuen Kunstvermittlungsgattung am Beispiel der Fotoausstellung „Under Pressure“ im Museum der Moderne Salzburg: Friesenegger

Haider, Amina: Sehen, fühlen, hören – das Erleben einer Installation in der Ausstellung „Under Pressure“: Haider PDF

Kraxberger, Eva: „Under Pressure“ in Press. Eine Inhaltsanalyse der Berichterstattung zur Ausstellung „Under Pressure. Politik in der zeitgenössischen Fotografie“: Kraxberger PDF

Moritz, Nora / Nasibullina, Viktoriia: Zum Prozess der Ausstellungskonzeption – Kuratorin Katja Mittendorfer-Oppolzer im Expertinneninterview: Moritz Nasibullina PDF

Oberbeck, Renate: Politische Bildung durch Kunst? Vermittlungsangebote für Schülerinnen: Oberbeck PDF

Redlich, Sebastian: Die Dramaturgie einer Ausstellung. Eine Analyse anhand der Ausstellung „MALERMEESE-MEESERMALER“ im Museum der Moderne Salzburg (16.11.2013–9.3.2014): Redlich PDF

Schneider, Erik: Künstler oder Kurator – Entscheidungen über die Hängung in der Ausstellung „Under Pressure“: Schneider PDF

Seethaler, Manuela / Jäger, Günther: Kunst verändert – verändert Kunst? Die Beziehung zwischen Betrachter/in und Bild: Seethaler Jaeger PDF

Tosoni, Christina: Texte verbinden – verbindende Texte: Tosoni PDF

Waizenegger, Judith Rafaele: Besucher haben (keine) Kenntnisse über und (bestimmte) Erwartungen an die Ausstellung „Under Pressure“: Waizenegger PDF

Widerin, Clara: Hängung ist gleich Hängung?! Die subjektive Wirkung der Hängung von Arbeiten bildender Kunst auf den Betrachter/die Betrachterin: Widerin PDF

(2014): Von der Kunst die Kunst zu ergründen. Artikel von Jana Winkelmayer, Forschungsberichte von Agnes Amminger, Frederik Friesenegger, Amina Haider, Eva Kraxberger, Nora Moritz / Viktoriia Nasibullina, Renate Oberbeck, Sebastian Redlich, Erik Schneider, Manuela Seethaler / Günther Jäger, Christina Tosoni, Judith Rafaele Waizenegger, Clara Widerin – Studierende der praxisorientierten Lehrveranstaltung „Die Ausstellung verhandeln“ – Lehrende Luise Reitstätter . In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #04 , https://www.p-art-icipate.net/von-der-kunst-die-kunst-zu-ergrunden/