Voneinander Lernen

Schüler:innen als Klimabotschafter:innen.
Samira, Tibor und Lilien im Gespräch mit Elke Zobl und Timna Pachner

Werden die Klimabotschafter:innen von ihren Schulen freigestellt, um Workshops zu machen?

T: Wir haben einen Freistellungsantrag, den wir an die Schulen senden, wenn das notwendig ist. Meistens sind die Klassenlehrer:innen ganz cool damit. Im Endeffekt ist es aber tatsächlich eine Anfrage unsererseits, die von der Schulleitung oder den Klassenlehrer:innen bewilligt werden muss. Manchmal gibt es insofern Reibungen mit Leuten, als dass sie nicht teamen können, wie sie wollen, weil sie zu viele Fehlstunden aufweisen.

L: Genau. Das ist ein großer, ich würde nicht sagen Konfliktpunkt, aber es ist etwas, worauf wir in der Geschäftsstelle besonderes Augenmerk legen, um die Übersicht zu behalten. Es geht darum, im Blick zu haben, wie belastend der Verein für die individuellen Bedürfnisse und für die Schulpflicht der Klimabotschafter:innen gerade ist. Daher versuchen wir seit Ende letzten Jahres, die Workshops vermehrt auf Wochenenden zu legen. Denn wir wollen nicht, dass sich die Klimabotschafter:innen zwischen ihrer Aktivismusarbeit und ihrer Schulpflicht entscheiden müssen. Gerade da kann es auch zu Konflikten mit den Eltern kommen.

Kennt ihr andere Beispiele oder Projekte aus dem internationalen Raum, die ähnlich arbeiten, oder in diese Richtung gehen?

T: Es gibt Obesu, wobei das nicht per se wie wir arbeitet. Obesu ist eine Vereinigung verschiedener Vertretungen von Schüler:innenorganisationen oder Schüler:innenvertretungen, die auf europäischer Ebene arbeiten. Das sind also Schüler:innen, die international vernetzt sind. Sie arbeiten auch ganz viel inhaltlich und partizipativ mit Schüler:innen. Ich glaube aber, dass sie nicht so viel Basisarbeit mit Schulen direkt machen, sondern eher internationale Koordinationsarbeit. Wir etwa sind auch Mitglied von Obesu.

Ihr Fokus liegt auch nicht auf dem Thema Klima, oder?

T: Sie haben schon auch Klimaarbeitsgruppen, allerdings keinen Projektfokus.

L: Dann gibt es noch das Projekt Klasse Klima von der BUNDjugend und dem netzwerk n. Sie bieten, ähnlich wie wir, auch Multiplikator:innenausbildungen an. Ich denke aber, dass sie sich eher an Student:innen wenden, die dann an Schulen Workshops abhalten.

L: Bei Fridays for Future Deutschland gibt es auch eine Workshop-AG. Sie organisieren aber keine Fortbildungen oder Ausbildungen, soweit ich weiß. Samira steckt da wahrscheinlich mehr mit darin und kann dazu noch etwas sagen.

S: Ja, es gibt die Workshop-AG. Sie machen zurzeit eher Webinare, in die die AG meistens internationale Leute oder auch Leute aus Deutschland für Input-Vorträge einlädt. Danach kann man einfach mit ihnen quatschen. Es gibt aber auch eine Faktenvermittlungs-AG, die an Schulen geht und Workshops gibt. Aber das kam noch nicht oft vor.

Ihr habt gesagt, dass diese Workshops vor Ort stattfinden. Habt ihr angesichts der Situation rund um die Covid19-Pandemie auch schon Wege gefunden, wie man diese Workshopformate digital umsetzen kann? Habt ihr vielleicht schon Sachen vor dieser Zeit gemacht? Oder denkt ihr, dass darin Potenziale liegen?

T: Wir haben den Vorteil, dass wir schon sehr digital vernetzt arbeiten, weil wir weit über Deutschland verteilt sind. Aber soweit ich informiert bin, haben wir bisher noch keine digitalen Workshops angeboten, wollen das allerdings in der nächsten Zeit testen, um zu sehen, wie das klappen könnte. Ich glaube, dass es schwierig ist, unser Konzept zur Gänze in den digitalen Raum zu verlegen. Das ganze Konzept basiert auf Partizipation, Einbindung und Interaktion mit den Teilnehmenden. Das Digitale schafft bei solchen Ansätzen schon krasse Hürden. Andersrum bedeutet ein digitaler Workshop auch, dass nicht jede Person unter gleichen Bedingungen teilnehmen kann. Denn man braucht einen Computer und eine gute Internetverbindung. Dabei geht schon viel verloren. Man kann natürlich ein bisschen auf das Digitale auslagern und das kann auch ganz cool sein. So ganz alleine funktioniert es aber, glaube ich, nicht.

Schule Klima Wandel, Elke Zobl, Timna Pachner (2021): Voneinander Lernen. Schüler:innen als Klimabotschafter:innen.
Samira, Tibor und Lilien im Gespräch mit Elke Zobl und Timna Pachner . In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #12 , https://www.p-art-icipate.net/voneinander-lernen/