„We are all Cultural Producers“

Der Round Table – zum Gesprächsverlauf

Die Leitfragen, um die sich der Round Table drehte, lauteten „Was bedeutet Kultur produzieren?“, „Wann machst du/ machen Sie Kultur?“ und „Was ist Kultur für dich/ Sie?“. In der Diskussion waren sich alle GesprächsteilnehmerInnen einig, der Alltagskultur einen besonderen Stellenwert zukommen zu lassen. Es zeigte sich, dass Kultur in vielen alltäglichen Handlungen steckt und diese erst bewusst reflektiert werden müssen, um sie auch als Kultur wahrzunehmen. Im Laufe des Gesprächs taten sich auch andere Themen rund um die Kulturproduktion auf. Günther Friesinger stellte alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Crowdfunding vor und die beiden Vertreterinnen der Kulturproduzentinnen erzählten von ihren Strategien, um Kultur und ihre Initiative in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Der Round Table legte zwar viele unterschiedliche, persönliche und sehr individuelle Definitionen und Ansichten zum Thema Kultur dar, die Meinung, dass Kultur erst im Kollektiv produziert werden kann, teilten jedoch alle GesprächsteilnehmerInnen unisono. Diese Erfahrungen machten auch die Kulturproduzentinnen während ihrer wochenlangen Vorbereitung auf den Round Table.

Der Round Table – Interaktion mit dem Publikum

Mit der Veranstaltung wollten die Kulturproduzentinnen keinesfalls das Publikum belehren oder als Expertinnen auftreten. Vielmehr haben sie es sich zum Ziel gesetzt, die Menschen zu inspirieren, selbst Öffentlichkeit und eigene kulturelle Interessen mitzugestalten. Unser Anliegen war und ist, zu ermutigen, selbst aktiv zu werden – sozusagen von KonsumentInnen zu ProduzentInnen von Kultur.

Das Erste was das Publikum zu sehen bekam waren die pinken Luftballons mit dem Aufdruck unserer veranstaltungstypischen Sprechblase „Ich mache Kultur“. Als begehrtes Accessoire, insbesondere bei den Jüngsten Gästen, wurden die Luftballone im Laufe der Veranstaltung in der Innenstadt verteilt. Gleichzeitig bildete sich um die Heliumflasche eine Schlange, die die Kulturproduzentinnen nutzen, um mit den Eltern in Kontakt zu kommen und sie zum Round Table einzuladen als auch über die Idee der Veranstaltung zu informieren.

Zeitgleich zur Gesprächsrunde hatten BesucherInnen auch die Möglichkeit unter der Leitung von Michaela Luritzhofer und Angela Badegruber an einem Zine-Workshop teilzunehmen. Dabei wurde – ohne den Einsatz von Computern – ein Magazin zu kulturellen Themen gestaltet. Es wurde gebastelt, geklebt, geschnitten, gemalt und collagiert. So entstanden ein paar individuelle und sehr persönlich gestaltete Seiten.

Was ist ein Zine?

Ein Zine steht für ein persönlich gestaltetes Magazin, das ohne technische Hilfsmittel wie beispielsweise einen Computer produziert wird. Darin finden sich die unterschiedlichsten Themen wie Politik aber auch sehr persönliche Erzählungen. Zines können daher sowohl ein politisches als auch ein künstlerisches Medium darstellen. Da sie keiner editorialen Kontrolle unterliegen, widmen sich Zines Aspekten, die im Mainstream keine Berücksichtigung finden und stellen eine klare Alternative zu den traditionellen Perspektiven der Medienlandschaft dar. Zines beweisen: jede/r LeserIn kann ProduzentIn werden!

Interaktion mit dem Publikum erreichten die Kulturproduzentinnen vor allem mit Postkarten, die mit dem Aufdruck „Ich mache Kultur …“ die BesucherInnen einluden, selbst ein Statement zu verfassen: Diese wurden zahlreich ausgefüllt und auf einer Wäscheleine aufgehängt. Darauf fanden sich die unterschiedlichsten Antworten wie beispielsweise „… wenn ich mit meinen Kindern ins Toihaus gehe.“, „… wenn ich einen Blumenstrauß pflücke.“, oder aber auch „… wenn ich Steirisch rede.“ Eine Auswahl der originellen Rückmeldungen davon wurde gegen Ende der Gesprächsrunde von Angelika Zopf präsentiert.

Neben den sympathischen Gästen sorgten Getränke und Brezen, die unter den BesucherInnen ausgeteilt wurden, sowie die gemütlichen Sitzgelegenheiten, die direkt in der Wiese platziert wurden, für eine lockere Picknick-Atmosphäre. Alles in allem war der Round Table eine erfolgreiche Veranstaltung und eine anregende Gesprächsrunde, die mit dem einen oder anderen Gast noch Ausklang im Biergarten fand.

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Hall, Stuart (1980): Cultural Studies: two paradigms. In: Media, Culture and Society. vol.2, S. 57–72.

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Göttlich, Udo (2006): Raymond Williams: Materialität und Kultur. In: Hepp, Andreas/ Krotz, Friedrich/ Thomas, Tanja (Hg).: Schlüsselwerke der Cultural Studies, Wiesbaden: VS Verlag, S. 94-103.

Eva Kraxberger (2012): „We are all Cultural Producers“. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #01 , https://www.p-art-icipate.net/we-are-all-cultural-producers/