„Wir haben den Anspruch, in unserem Programm die Gesellschaft in all ihrer Vielfalt abzubilden“

Eva Schmidhuber im Gespräch mit Elke Zobl

 

Diese Workshops sind für Leute, die beim Verein dabei sind, gratis, oder?

Teilweise ja. Der Feedback-Workshop ist Teil des Basisworkshops. Das heißt, der kostet zusätzlich nichts. Der Basisworkshop kostet für Mitglieder 40 Euro, was für eineinhalb Tage sehr wenig ist, auch im Sinne von Niederschwelligkeit. Für Besitzer*innen des Passes Hunger auf Kunst und Kultur sind alle Workshops gratis. Die Workshops haben unterschiedliche Preise für Mitglieder und Nicht-Mitglieder und gerade die Mitglieder-Preise sind wirklich niedrig. Man kann einen eintägigen Stimmworkshop, glaube ich, für 25 Euro besuchen. Die Kosten sind wirklich so gering wie möglich gehalten. Die Meisterklasse unserer Ausbildung ist die Lehrredaktion, die wir jetzt seit zwei Jahren haben. Das ist ein Lehrgang, in dem im Rahmen von sieben Wochenendmodule, verteilt auf ein paar Monate, wirklich umfassende journalistische Grundkenntnisse vermittelt werden. Sowohl im Radio- als auch im Fernsehbereich, weil auch FS1 eingebunden ist. Er beinhaltet auch die volle Bandbreite an Crossmedia-Formaten. Einen Teil der Arbeit in der Lehrredaktion umfasst auch die laufende Mitarbeit an der Redaktion unseres Info-Nahversorgers namens unerhört!. Die Inhalte, die in dieser Sendung vermittelt werden, werden gänzlich von Lehrredaktionsabsolvent*innen gestaltet.

 

Wie kommt ihr zu den Teilnehmenden der Lehrredaktion? Sind es ehemalige Radiomachende, oder sprecht ihr sie direkt an? Es gibt ja einen Call, oder?

Genau. Wir schreiben sie jährlich im Frühjahr aus, 2019 zum zweiten Mal. Wir bewerben sie auf allen Kanälen, die uns zugänglich sind, und man kann sich bis zum Sommer bewerben. Es war bisher beide Male so, dass wir immer etwas mehr Bewerber*innen hatten, als wir aufnehmen konnten. In drei oder vier Fällen haben sich tatsächlich auch Sendungsmachende beworben, die schon länger bei uns sind. Alle anderen waren ganz neu und erfreulicherweise auch aus ziemlich unterschiedlichen Umfeldern. Wir haben auch versucht, nicht nur Kommunikationswissenschaft-Studierende drinnen zu haben, sondern die für die Radiofabrik charakteristische Buntheit auch in der Lehrredaktion zu schaffen. Generell ist es erfreulicherweise so, dass der Andrang, also das Interesse am Radio, durchaus immer noch vorhanden ist. Wir fürchten uns nämlich schon seit ein paar Jahren davor, dass man sagt: „Wir haben Podcasts im Internet ‑ wir brauchen kein Radio.“ Ich will zwar nichts verschreien, aber bis jetzt scheint das nicht zu passieren. Die Themen Radio und Radiomachen interessieren die Leute nach wir vor. Wir kriegen auch unsere Basisworkshops so gut wie immer voll. Im Moment scheint es demnach noch nicht so zu sein, dass Community-Medien überflüssig werden, weil es Social Media gibt.

 

Du hast jetzt einen Bereich angeschnitten, den ich noch ansprechen wollte, und zwar den Aspekt der Diversität. Der ist ja bei euch generell, auch bei der Lehrredaktion, wichtig. Auf welche Weise geht ihr da vor?

Ich denke, es gibt einen ganz anderen Blick auf die Welt, wenn man in einem Radio Stimmen von ganz vielen verschiedenen Menschen hört und deren unterschiedliche Perspektiven kennenlernt. Wenn ich immer nur mehr oder weniger die gleichen Menschen hören möchte, dann schalte ich den ORF ein. Da habe ich die öffentlich-rechtliche Zugangsweise, die auch absolut ihre Berechtigung hat. Aber was Freies Radio eher möchte, ist, verschiedene Stimmen hörbar zu machen und den Hörer*innen zu ermöglichen, sich anhand dieser verschiedenen Stimmen ein eigenes Bild machen zu können. Die Wahrnehmung verändert sich, wenn ich beispielsweise auch mal Leute höre, die sonst gar nicht oder nur sehr gefiltert in den Medien auftauchen. Gerade im Rahmen unseres Infomagazins, wo unsere Ansprüche an die Qualität und an die Inhalte noch einmal deutlich höher sind als im Rahmen des offenen Zugangs, ist es uns wichtig, möglichst viele Perspektiven originalgetreu abzubilden. Von alt bis jung, mit oder ohne Migrationshintergrund, mit oder ohne Beeinträchtigung, ländliches Umfeld, städtisches Umfeld und alle Varianten, die uns einfallen. Je mehr Vielfalt, desto besser. Das ist auch nicht immer einfach, weil man sich trotzdem in der Redaktion darauf einigen muss, was man denn jeweils tut und wie man auf ein Thema ‚schaut‘. Aber ich glaube, dass man durch die Buntheit der Gruppe, die Radio macht, mehr Multiperspektivität in der Berichterstattung erreicht.

Elke Zobl, Eva Schmidhuber (2020): „Wir haben den Anspruch, in unserem Programm die Gesellschaft in all ihrer Vielfalt abzubilden“. Eva Schmidhuber im Gespräch mit Elke Zobl. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #11 , https://www.p-art-icipate.net/wir-haben-den-anspruch-in-unserem-programm-die-gesellschaft-in-all-ihrer-vielfalt-abzubilden/