Zur Lage der freien Kunst- und Kulturschaffenden

Eine explorative Studie über Arbeitsbedingungen in der freien Kunst- und Kulturszene in und um Salzburg

Wenn Besucherzahlen zur Währung werden

Nach Meinung der Befragten liegen die Ursachen in mangelnden Arbeitnehmerverhältnissen wie nicht geregelten Honorarsätzen oder befristeten Verträgen sowie fehlender Absicherung. Auch das öffentliche Verständnis sei zu gering. So würde die Bedeutung von Kulturarbeit nicht öffentlich wertgeschätzt und der Zusammenschluss mit der Politik fehle. Die Ausnutzung von Idealismus und Engagement der Kulturschaffenden wird als einer der möglichen Gründe für die schwierigen Arbeitsbedingungen genannt. Aufgrund unzureichender Finanzierung und Absicherung bestehe die Gefahr, dass kulturelles Angebot zur Ware werde, nur mehr das angeboten werde, was ausverkaufte Häuser garantiere und das Publikum das Programm bestimme. Dies führe dazu, dass Besucherzahlen zur Währung würden und die Risikobereitschaft für Experimentelles sinke.

Auswertung Frage 8: Was sind Ihrer Meinung nach Gründe für die prekären Arbeitsbedingungen in der freien Kunst- und Kulturarbeit?

Zudem könnten Fördergeber*innen oft nicht einschätzen können, wie viel Arbeit in Kulturinitiativen stecke und was die Arbeit koste. Wichtig sei es, hier Allianzen zu schmieden und auch einmal zu sagen: „Dann mache ich es nicht,“ rät eine Befragte. Eine zweite weist außerdem darauf hin: „Kunst- und Kulturschaffende stellen den Kontakt oft nicht her, es ist aber wichtig, etwas miteinander zu machen, damit man die Menschen erreicht!“ Sie fordert eine bessere Zusammenarbeit vor Ort und empfiehlt, offen auf lokale Verantwortliche aus Politik und Vereinen zuzugehen.

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L&R Sozialforschung und österreichische Kulturdokumentation: Studie im Auftrag des Bundeskanzleramtes, September 2018: Soziale Lage der Kunstschaffenden und Kunst- und Kulturvermittler/innen in Österreich 2018, ein Update der Studie Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich 2008. Online unter: https://www.kunstkultur.bka.gv.at/kunst-studien-berichte

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Angerer, Marie-Luise (1999: 26), zit. n.: Ellmeier, Andrea (2003): Prekäre Arbeitsverhältnisse für alle? Kunst, Kultur, Wissenschaft als (negative) Avantgarde (alt-)neuer (Erwerbs)Arbeitsverhältnisse oder „Selbständig waren wir ja schon immer“. Online unter: https://www.igkultur.at/artikel/prekaere-arbeitsverhaeltnisse-fuer-alle-kunst-kultur-wissenschaft-als-negative-avantgarde

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IG Kultur Magazin (2008): Schwerpunktausgabe: Prekäres Leben. Online unter: https://www.igkultur.at/artikel/kultur-ist-arbeit

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Mayerhofer, Elisabeth/Mokre, Monika (2017): Geniekünstler und KulturarbeiterInnen – von der Freiheit der Kunst zur Wertschöpfung durch Kreativität. In: SWS Rundschau (47. Jg.), Heft 3/2007, S. 292-311). Online unter: http://www.sws-rundschau.at/archiv/SWS_2007_3_mayerhofer-mokre-artikel.pdf

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Lorey, Isabell  (2007): „Vom immanenten Widerspruch zur hegemonialen Funktion. Biopolitische Gouvernmentalität und Selbst-Prekarisierung von KulturproduzentInnen.“ In: Raunig Gerald / Wuggenig Ulf  (Hg.): Kritik der Kreativität. Wien: eipcp, S. 121-136.

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Siehe Schelepa, Susanne/Wetzel, Petra/Wohlfahrt, Gerhard, unter Mitarbeit von Anna Mostetschnig (2008): Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich. Endbericht L&R Sozialforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, Wien.

Informationen zum Studiendesign sind hier zu finden: Studiendesign

Patrizia Bieber, Anita Bruckschlögl (2019): Zur Lage der freien Kunst- und Kulturschaffenden. Eine explorative Studie über Arbeitsbedingungen in der freien Kunst- und Kulturszene in und um Salzburg. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #10 , https://www.p-art-icipate.net/zur-lage-der-freien-kunst-und-kulturschaffenden/