„We are all Cultural Producers“

Als sich neun Studentinnen im Wintersemester 2011/12 für die Lehrveranstaltung mit dem ungewöhnlichen Titel „I am a Cultural Producer“ anmeldeten, war ihnen nicht klar, dass diese Aussage in den nächsten Monaten zu ihrem persönlichen Credo werden würde. Wir wollten vor allem wissen: Wie begegnet uns Kultur im Alltag? Kann jede und jeder von uns Kultur produzieren? Diese beiden Fragestellungen leiteten die Kulturproduzentinnen an, einen Round Table zum Thema „Mitgestalten von Kultur“ mit Persönlichkeiten aus verschiedenen beruflichen und künstlerischen Metiers zu organisieren und mit selbst kreierten Interventionen in Salzburg für Aufmerksamkeit zu sorgen. Auch eine Ausstellung wurde konzipiert und realisiert.

Endergebnis und Höhepunkt unseres ersten Engagements als Kulturproduzentinnen war der Round Table „I am a Cultural Producer“, der am 2. Juni 2012 – als fixer Programmpunkt des Universitäts-Altstadtfests – das Thema der kulturellen Produktion in der Stadt zirkulieren ließ. Das Fest, das die ganze Salzburger Altstadt in eine Festmeile verwandelte, fand in den Räumlichkeiten der Universitätsgebäude und an den schönsten Plätzen der Altstadt statt. Unterschiedliche Institute und Studienbereiche präsentierten auf originelle und interaktive Weise ihre Aktivitäten. Der Furtwänglerpark, eingebettet zwischen Kollegienkirche, Festspielhaus und theologischer Fakultät stellte den idealen Ort für unseren Programmpunkt, eine unkonventionelle Gesprächsrunde zum Thema „I am a Cultural Producer“, dar. Denn es sollte vorrangig auch das Publikum eingeladen sein, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Daher war unser Gedanke in der Konzeption: weg von einer Podiumsdiskussion hin zu einem lockeren Gespräch im Grünen! Ziel des Round Table war, vor allem auch die BesucherInnen darauf aufmerksam zu machen, dass sie mit ihren Alltagshandlungen selbst zu KulturproduzentInnen werden können. „Es ist uns ein besonderes Anliegen in einer Kulturstadt wie Salzburg die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass wir alle Kultur individuell gestalten können – so wie wir als „Die Kulturproduzentinnen“. Wir wurden durch unsere Interventionen von passiven Konsumentinnen zu aktiven Produzentinnen. Diese Erfahrung möchten wir teilen und Impulse setzen, um auch andere zu inspirieren“, so die Kulturproduzentinnen Angela Badegruber, Julia Jung, Eva Kraxberger, Hannah Lindermayer, Michaela Luritzhofer, Katrin Petter, Karoline Reifschneider, Antonia Semmler und Angelika Zopf.

Der Round Table – die Gäste

Um beim Round Table einen facettenreichen und möglichst offenen Diskurs zu erreichen und eine Vielfalt an Meinungen zu präsentieren, wurden GesprächsteilnehmerInnen aus unterschiedlichsten Disziplinen und mit vielseitigen Interessen eingeladen.
Zu den Gästen zählten die Leiterin des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft Elisabeth Klaus, Gerbert Schwaighofer, Leiter des Schwerpunkts Wissenschaft & Kunst, die freie Künstlerin Dorit Ehlers, der Philosoph Günther Friesinger, Jochen Höfferer, Jugendbeauftragter der Stadt Salzburg und Florian Bettel, Post-doc am Programmbereich Cultural Production & Arts Management, der die Runde moderierte, die Katrin Petter und Eva Kraxberger, zwei Vertreterinnen der Kulturproduzentinnenkomplettierten.

Die GesprächsteilnehmerInnen im Portrait

Florian Bettel wurde eingeladen, die Gesprächsrunde zu moderieren. Als Wissenschaftler und Künstler ist er ein interessanter Impulsgeber für unseren Kulturdiskurs. Florian Bettel ist seit kurzem in Karenzvertretung Post-doc des Programmbereichs „Cultural Production & Arts Management“ am Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst der Uni Salzburg. Zu seinen Spezialgebieten zählen Technikgeschichte, Kultur(en) des Wohnens und Sepulkralkultur. Er ist außerdem Kurator, Grafiker und war in dem Forschungsprojekt „Living Rooms: The Art of Mobilizing Belonging(s)“ involviert.

In der Auseinandersetzung mit Kulturproduktion interessierte es uns natürlich brennend, wie KünstlerInnen zu der Aussage „I am a Cultural Producer“ stehen. Wir freuten uns deshalb sehr, auch die freie Künstlerin Dorit Ehlers in unserer Runde am 2. Juni begrüßen zu dürfen. Sie ist Mitglied bei dem Salzburger Netzwerk „ohne titel“, das in seinen Theater- und Kunstprojekten immer wieder Kunst mit sozialen Themen vereint. So wie bei „vorstadt vorort“ – einer Serie aus Theaterminiaturen, die vor Ort für die Vorstadt entwickelt werden. Dorit Ehlers ist darüber hinaus als Schauspielerin und Sprecherin tätig und leitet Workshops zur theatralischen Improvisation. Sie war bereits Ensemble-Mitglied am Toihaus Theater und bei Produktionen als Regisseurin im Einsatz.

Mit Jochen Höfferer hatten wir einen Vertreter der lokalen Stadtpolitik beim Round Table zu Gast. Er koordiniert als Jugendbeauftragter der Stadt Salzburg das Jugendbüro und veranstaltet abwechslungsreiche Freizeitaktivitäten für Jugendliche. Sein Ziel ist, in Salzburg freizeitpolitische Akzente zu setzen. Jochen Höfferer ist auch Mitbetreiber von salzblog.at, einem Weblog, der sich mit Jugend, Trends, Ideen und der Zukunft beschäftigt.

Die Runde bereicherte ein weiterer Vertreter aus der Kunst: der Philosoph, Künstler, freie Medienmacher, Edu-Hacker und Produzent Günther Friesinger. Er ist Geschäftsführer der Kunst- und Theoriegruppe „monochrom“, lektoriert an mehreren Universitäten und leitet verschiedene Festivals wie das paraflows Festival für Digitale Kunst und Kulturen in Wien. Seine Spezialgebiete umfassen Digitale Kultur, Medienkunst und -theorie, geistiges Eigentum, Urban Hacking, Netzkultur und Konsumverweigerung. Zu diesen Themen hat Günther Friesinger auch bereits zahlreiche Publikationen veröffentlicht.

Gerbert Schwaighofer leitet seit 1. Jänner 2012 den Schwerpunkt Wissenschaft & Kunst. Dieser ist eine Kooperation der Paris Lodron Universität Salzburg und der Universität Mozarteum, wo Gerbert Schwaighofer auch Vorsitzender des Universitätsrates ist. Zuvor war der ausgebildete Sozial- und Wirtschaftswissenschafter zehn Jahre lang Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele. Davor war er in führenden Positionen in öffentlichen Kulturinstitutionen und in der Privatwirtschaft tätig.

Elisabeth Klaus leitet den Fachbereich Kommunikationswissenschaft und bewegt sich im Forschungsgebiet der Kommunikation, des Journalismus und der Feminist Media Studies sowie der Populärkultur und Theorien zur „Public Sphere“. In ihren zahlreichen Publikationen beschäftigt sie sich u.a. mit Identitätsräumen, kommunikationswissenschaftlicher Geschlechterforschung und Media Industry.

Der Round Table – zum Gesprächsverlauf

Die Leitfragen, um die sich der Round Table drehte, lauteten „Was bedeutet Kultur produzieren?“, „Wann machst du/ machen Sie Kultur?“ und „Was ist Kultur für dich/ Sie?“. In der Diskussion waren sich alle GesprächsteilnehmerInnen einig, der Alltagskultur einen besonderen Stellenwert zukommen zu lassen. Es zeigte sich, dass Kultur in vielen alltäglichen Handlungen steckt und diese erst bewusst reflektiert werden müssen, um sie auch als Kultur wahrzunehmen. Im Laufe des Gesprächs taten sich auch andere Themen rund um die Kulturproduktion auf. Günther Friesinger stellte alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Crowdfunding vor und die beiden Vertreterinnen der Kulturproduzentinnen erzählten von ihren Strategien, um Kultur und ihre Initiative in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Der Round Table legte zwar viele unterschiedliche, persönliche und sehr individuelle Definitionen und Ansichten zum Thema Kultur dar, die Meinung, dass Kultur erst im Kollektiv produziert werden kann, teilten jedoch alle GesprächsteilnehmerInnen unisono. Diese Erfahrungen machten auch die Kulturproduzentinnen während ihrer wochenlangen Vorbereitung auf den Round Table.

Der Round Table – Interaktion mit dem Publikum

Mit der Veranstaltung wollten die Kulturproduzentinnen keinesfalls das Publikum belehren oder als Expertinnen auftreten. Vielmehr haben sie es sich zum Ziel gesetzt, die Menschen zu inspirieren, selbst Öffentlichkeit und eigene kulturelle Interessen mitzugestalten. Unser Anliegen war und ist, zu ermutigen, selbst aktiv zu werden – sozusagen von KonsumentInnen zu ProduzentInnen von Kultur.

Das Erste was das Publikum zu sehen bekam waren die pinken Luftballons mit dem Aufdruck unserer veranstaltungstypischen Sprechblase „Ich mache Kultur“. Als begehrtes Accessoire, insbesondere bei den Jüngsten Gästen, wurden die Luftballone im Laufe der Veranstaltung in der Innenstadt verteilt. Gleichzeitig bildete sich um die Heliumflasche eine Schlange, die die Kulturproduzentinnen nutzen, um mit den Eltern in Kontakt zu kommen und sie zum Round Table einzuladen als auch über die Idee der Veranstaltung zu informieren.

Zeitgleich zur Gesprächsrunde hatten BesucherInnen auch die Möglichkeit unter der Leitung von Michaela Luritzhofer und Angela Badegruber an einem Zine-Workshop teilzunehmen. Dabei wurde – ohne den Einsatz von Computern – ein Magazin zu kulturellen Themen gestaltet. Es wurde gebastelt, geklebt, geschnitten, gemalt und collagiert. So entstanden ein paar individuelle und sehr persönlich gestaltete Seiten.

Was ist ein Zine?

Ein Zine steht für ein persönlich gestaltetes Magazin, das ohne technische Hilfsmittel wie beispielsweise einen Computer produziert wird. Darin finden sich die unterschiedlichsten Themen wie Politik aber auch sehr persönliche Erzählungen. Zines können daher sowohl ein politisches als auch ein künstlerisches Medium darstellen. Da sie keiner editorialen Kontrolle unterliegen, widmen sich Zines Aspekten, die im Mainstream keine Berücksichtigung finden und stellen eine klare Alternative zu den traditionellen Perspektiven der Medienlandschaft dar. Zines beweisen: jede/r LeserIn kann ProduzentIn werden!

Interaktion mit dem Publikum erreichten die Kulturproduzentinnen vor allem mit Postkarten, die mit dem Aufdruck „Ich mache Kultur …“ die BesucherInnen einluden, selbst ein Statement zu verfassen: Diese wurden zahlreich ausgefüllt und auf einer Wäscheleine aufgehängt. Darauf fanden sich die unterschiedlichsten Antworten wie beispielsweise „… wenn ich mit meinen Kindern ins Toihaus gehe.“, „… wenn ich einen Blumenstrauß pflücke.“, oder aber auch „… wenn ich Steirisch rede.“ Eine Auswahl der originellen Rückmeldungen davon wurde gegen Ende der Gesprächsrunde von Angelika Zopf präsentiert.

Neben den sympathischen Gästen sorgten Getränke und Brezen, die unter den BesucherInnen ausgeteilt wurden, sowie die gemütlichen Sitzgelegenheiten, die direkt in der Wiese platziert wurden, für eine lockere Picknick-Atmosphäre. Alles in allem war der Round Table eine erfolgreiche Veranstaltung und eine anregende Gesprächsrunde, die mit dem einen oder anderen Gast noch Ausklang im Biergarten fand.

Die Ausstellung – „I am a Cultural Producer“

Im Anschluss an den Round Table war bis Ende September die Dokumentation des Entstehungsprozesses der Kulturproduzentinnen und der Organisation des Round Table in der Galerie der Stabstelle für Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und Frauenförderung des Landes Salzburg dokumentiert und ausgestellt. Die Aufbereitung der vorhandenen Materialien und Exponate übernahmen Julia Jung und Katrin Petter. Die einzelnen Räumlichkeiten widmeten sich jeweils einem Aspekt des Entstehungsprozesses: Großflächige Fotografien zeigten die Kulturproduzentinnen bei den Workshops zur Jingle- und Plakatgestaltung. Ein Raum widmete sich dem Facebook-Auftritt und legte die unterschiedlichen Features der Social Media Site dar. Auf zahlreichen Bildern waren die besten Momente des Round Table und seiner Gäste festgehalten. Eine Fotowand dokumentierte das Projekt und lieferte so umfassende Impressionen des kompletten Entstehungsprozesses. Des Weiteren hatten BesucherInnen die Gelegenheit, die Radiojingles nachzuhören oder selbst ein Zine zu gestalten. Neben vielen Gästen kamen auch einige bekannte Gesichter zur Vernissage am 14. Juni 2012. Die Kulturproduzentinnen freuten sich u.a. Florian Bettel, Dorit Ehlers und Elisabeth Klaus wiederzusehen und mit ihnen auf die erfolgreiche Organisation anzustoßen. (>> zu den Fotos der Ausstellungseröffnung)

Die Lehrveranstaltung – wie alles begann

Dabei hat alles eher theoretisch begonnen. Im Wintersemester lag der Schwerpunkt der Lehrveranstaltung auf der theoretischen Einführung in die Termini „Cultural Production“ und kultureller Bedeutungszyklus („Circuit of Culture“). Durch zahlreiche Beispiele von Kulturdefinitionen wurde die unglaubliche Vielfalt jenseits der üblichen Konnotation aufzeigt und die Studierenden wurden dafür sensibilisiert. Der Erklärungsansatz „Kultur ist die Gesamtheit einer Lebensweise“ von Raymond Williams gab Anlass zu einer umfassenden Diskussion. Als universelle Definition diente jene der UNESCO: „Kultur ist die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen und schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertesysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“ Der „Circuit of Culture“ (vgl. Stuart Hall 1980)star (* 1 ) beschreibt Kulturproduktion als einen zyklischen Kreislauf, der sich in Produktion, Zirkulation, Distribution/ Konsum und Reproduktion unterteilt. Dabei wird veranschaulicht wie öffentliche Kommunikationsprozesse entstehen und kulturelle Bedeutungen verfestigt werden.

Mit Strategien der DIY-Kultur wurde den Studierenden gezeigt, dass und vor allem auf welch kreative Weise Menschen ihre Umwelt, die Öffentlichkeit, aktiv gestalten können und damitselbst Kultur produzieren. In der Auseinandersetzung mit vielen Erklärungsansätzen und Definitionen von Kultur waren sich alle einig, Kultur möglichst breit zu fassen und als Bestandteil des täglichen Lebens zu sehen, wozu jeder Mensch seinen Teil beitragen kann. Nach einer theoretischen Einführung in das Thema Culture Jamming und Participatory Culture gingen die Studierenden noch im Wintersemester bei einem Zine-Workshop in medias res. Workshops in den Bereichen Plakatgestaltung und Radioproduktion ergänzten das Angebot, um selbst Kultur zu gestalten.

Der Entstehungs- und Entwicklungsprozess – von der Idee zur Realisierung

Was als kleiner Funke in der Lehrveranstaltung „I am a Cultural Producer“ am Ende des Wintersemesters 2011/12 begonnen hatte, entflammte große Leidenschaft bei den Studentinnen. Getragen von kreativen Einfällen, viel Eigeninitiative und großem Interesse wurde die Idee einer kulturellen Intervention im öffentlichen Raum dann von den Kulturproduzentinnen im Folgesemester (Sommersemester 2012) realisiert.

„‘I am a Cultural Producer‘ war eine großartige Erfahrung. Es ermöglichte uns nicht nur bei einem kulturellen Projekt mitzuarbeiten, sondern wir durften es selbst initiieren, wir durften selbst gestalten; selbst entscheiden! Das Durchleben des gesamten Prozesses (von der Planung bis hin zur Umsetzung und Nachbearbeitung) war nicht immer einfach, aber dennoch großartig! Das Wissen, bereits ein Projekt erfolgreich organisiert zu haben, macht Mut und Lust auf mehr!“ Julia Jung

Die beiden Leiterinnen der Lehrveranstaltung „I am a Cultural Producer“ Elke Zobl und Siglinde Lang präsentierten am Ende des Wintersemesters die Idee des „Tisch im Raum“-Konzepts zum Jubiläumsfest der Universität. Was damals noch wie eine Vision aus der Zukunft klang, nahm im Sommersemester von Woche zu Woche immer konkretere Formen an. Das Offene, Unkonventionelle und Ungezwungene amn dem Konzept des Round Table begeisterte sofort die Studentinnen. Gleich zu Beginn stand fest, dass sich das Organisationsteam einen Namen geben möchte, um nach außen als Einheit auftreten zu können. In Anlehnung an den Titel „I am a Cultural Producer“ fiel die Wahl recht rasch auf: „die Kulturproduzentinnen“. Um in der Öffentlichkeit für Wiedererkennungswert zu sorgen, entstand der Wunsch nach einem eigenen Logo.

Die Kulturproduzentinnen

Hinter den Kulturproduzentinnen stecken neun engagierte Studentinnen, die sich in der Lehrveranstaltung „I am a Cultural Producer“ im Wintersemester 2011/12 kennengelernt haben. Sie verfolgen eigentlich ganz unterschiedliche Studienrichtungen, aber sie werden durch ein gemeinsames Interesse vereint: den Studienschwerpunkt „Cultural Production & Arts Management“. So stellen die Kulturproduzentinnen eine sehr heterogene und interdisziplinäre Gruppe dar, die von den jeweiligen Fähigkeiten und Kenntnissen ihrer Mitglieder bereichert wird. Zusammen mit den Lehrveranstaltungsleiterinnen Siglinde Lang und Elke Zobl entstand die Idee des Round Tables, die am 2. Juni 2012 ihre Vollendung fand.
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Die Organisation ließ schnell den üblichen Rahmen der Lehrveranstaltung hinter sich und in vielen Treffen und unzähligen E-Mails rückten die Kulturproduzentinnen immer näher zusammen. Aus neun unterschiedlichen Persönlichkeiten mit ihren jeweiligen Interessen und Fähigkeiten entwickelte sich ein starkes, kompetentes Team, das lernte, die Hürden des Kultur- und Projektmanagements zu bezwingen, sich gegenseitig zu motivieren und einander auszuhelfen.

Die Sprechblase als zentrales Gestaltungselement – pink & auffällig

Die Idee, den Round Table zu bewerben, brachte den Wunsch nach Interventionen in Salzburg hervor. So wurde im Plenum beschlossen, Plakate, Sticker, Flyer, Luftballone, einen Radiojingle und eine eigene Facebook-Seite zu kreieren. Als Basis hierfür dienten an die hundert Statements, die im Vorfeld von SalzburgerInnen, Studierenden wie auch Kunst- und Kulturschaffenden gesammelt wurden. Alleine diese Sammlung bestätigte die Meinung der Kulturproduzentinnen und die Wichtigkeit von Kultur als Alltagskultur.

Eine Auswahl der Statements

Kultur produzieren bedeutet …

… stereotype Meinungen aufzubrechen.
… der Kreativität freien Lauf lassen.
… Kunst schaffen, sich die Welt aneignen und vervollständigen.
… Sprache und Symbole einer Kultur zu verwenden, Traditionen erzeugen und reproduzieren.
… in einer Band zu spielen.
… kreativer Austausch, Mut zur Veränderung, Aktivität, Projekte und Initiativen durchführen.
… eigene Ideen zu entwickeln.

Ich mache Kultur …

… indem ich Raum zulasse, Raum nütze und Raum entdecke.
… wenn ich in meinem Atelier mit Alltagsgegenständen experimentiere.
… daher bin ich.
… um die Leute zum Tanzen zu bringen.
… indem ich mich so kleide, wie ich will.

Die ursprüngliche Idee, Statements zu sammeln und Kulturdefinitionen in Salzburg zu verbreiten, brachte die Kulturproduzentinnen auf die Idee der Sprechblase, ein Tool, das auch in der Zine-Produktion Verwendung findet. Das Gestaltungselement der Sprechblase zog sich durch alle Interaktionen. Nicht aus der Tatsache heraus, dass es sich um eine reine Frauenrunde handelte, sondern eher um mit einer kräftigen Farbe aufzufallen, entschieden sich die Kulturproduzentinnen für ein poppiges Magenta. Von Anfang an war klar, die Plakatwände nicht mit „more of the same“ auszustatten, sondern einen Eyecatcher zu kreieren, der sich von anderen Veranstaltungsankündigungen abhebt.

Die Kulturproduzentinnen – kreativ & aktiv nach außen kommunizieren

An Kreativität mangelte es den Kulturproduzentinnen nie, dennoch brauchte es für manche Aufgaben Unterstützung von außen. Besonders für die Jingles und die grafischen Arbeiten war professionelle Hilfe von Nöten. Die Plakatgruppe, bestehend aus Hannah, Angela, Michaela und Eva, traf sich mit Gernot Daucha von der Werbeagentur „ger² daucha.raab“ in Linz, der ihnen mit fachkundigem Rat und Tat zur Seite stand. Neben einem Plakat, Flyern, Postkarten wurden auch Sticker kreiert, die alle mit dem Sujet der Sprechblase arbeiten. Auch drei Plots wurden von der Plakatgruppe gestaltet, die an den Säulen im Furtwänglerpark angebracht wurden und wissenswerte Informationen boten. Ein Plot stellte die Kulturproduzentinnen mit jeweils einem persönlichen Statement zu „Ich mache Kultur…“ vor, ein zweiter Plot widmete sich dem Programmbereich „Cultural Production & Arts Management“ und präsentierte das Konzept der Lehrveranstaltung. Der dritte Plot mit dem Titel „I am a Cultural Producer“ informierte über den Terminus Kulturproduktion und setzte sich näher mit dem theoretischen Hintergrund auseinander.

Drucksorten

 

Bei der Jingleproduktion wurden Angelika, Katrin, Julia und Karo von Mirjam Winter, Redakteurin bei der Radiofabrik, unterstützt. Dank Mirjam und der Stimmgewalt aller Kulturproduzentinnen und ihrer (männlichen) Freunde wurden mehrere Radiojingles produziert, die im Programm der Radiofabrik wie auch während des Round Table zu hören waren. Sogar bei den Jingles wurde versucht eine Sprechblase mit einem „Plopp“ auditiv wiederzugeben. Die Jingles begannen jeweils mit „Ich mache Kultur …“ und offenbarten anschließend ein Potpourri an Antwortmöglichkeiten. Hier legten die Kulturproduzentinnen besonderenWert darauf, möglichst unterschiedliche Statements zu kombinieren, um das breite Spektrum von Kultur wiederzugeben. Ziel war es, den HörerInnen die Vielfältigkeit des Kulturproduzierens näher zu bringen und sie darauf aufmerksam zu machen, ihre alltäglichen Handlungen bewusst zu reflektieren. Dies sollte vor allem durch die abschließende Gegenfrage „Und wann machst du Kultur?“ gelingen.

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Im Anschluss an die Plakat- und Flyergestaltung wurde das Preis-Leistungsverhältnis zahlreicher Unternehmen verglichen. Nachdem die passenden Anbieter gefunden waren, gingen Luftballone, Sticker, Flyer, Postkarten, Plakate und Plots in Druck.

„Ich habe die Entwicklung der Kulturproduzentinnen vor allem als einen sehr spannenden Prozess empfunden. Der Höhepunkt war für mich nicht der Tag, an dem der Round Table stattgefunden hat, oder an dem die Ausstellung eröffnet wurde – sondern als die Plakate, Sticker und Luftballone geliefert wurden: in knallpink mit unserem Logo drauf. Da hab ich gewusst: wir haben wirklich selbst ein Projekt auf die Beine gestellt!“ Angelika Zopf

Angelika, Katrin und Antonia zeigten sich verantwortlich für die Gestaltung des Facebook-Auftritts der Kulturproduzentinnen. Über das soziale Netzwerk erfolgte viel Werbung für den Round Table selbst, gleichzeitig diente es aber auch als Medium, um die Idee hinter den Kulturproduzentinnen vorzustellen. Die Facebook-Gruppe arbeitete stark mit Bildern und achtete darauf, die UserInnen regelmäßig mit Neuigkeiten und Informationen zu versorgen. Die TeilnehmerInnen des Round Table wurden vorgestellt, die Jingles gepostet und die vielen Fans und Freunde zur Veranstaltung selbst wie auch zur Ausstellung eingeladen. Gerade für ein neues und junges Team wie die Kulturproduzentinnen stellt Facebook eine ideale Plattform dar, um sich mit anderen zu vernetzen und auf die eigenen Aktivitäten aufmerksam zu machen. (>> Link auf die Facebook-Seite)

Um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, zogen die Kulturproduzentinnen auch die Medien in ihre Vorbereitungen mit ein. Nicht nur durch die Ausstrahlung des Jingles im Programm der Radiofabrik, sondern auch mit einem Artikel in der Kronenzeitung erreichten die Kulturproduzentinnen nach Aussendung einer Pressemitteilung Medienpräsenz.

Artikel der Kronen Zeitung

Durch diese Arbeiten im Team wie auch durch die Kooperationen mit Mirjam Winter und Gernot Daucha erlebten die Kulturproduzentinnen die Bedeutsamkeit einer kollegialen Zusammenarbeit. Denn um Kultur zu produzieren, braucht es eine Gemeinschaft.

„Für mich war es sehr schön zu sehen, wie wir im Team gearbeitet haben. Jede hat sich an den verschiedenen Aufgaben beteiligt. Sei es ein Statement für den Jingle einzusprechen, Plakate aufzuhängen oder Flyer zu verteilen. Besonders auch die aktive Gestaltung der Interventionen war ein Highlight der Lehrveranstaltung und hat gezeigt, dass die Kulturproduktion nur im Kollektiv gelingen kann.“ Eva Kraxberger

Unser Fazit:

Die Lehrveranstaltung, aber noch viel mehr die Konzeption und Realisierung eines eigenen Projektes hat den Kulturproduzentinnen gezeigt, dass jeder Mensch Kultur produzieren kann und seine Umwelt aktiv gestalten kann. Auch wenn es nicht gelingt, die Welt zu verändern, so kann es doch gelingen, die unmittelbare Umwelt, in der wir uns bewegen, aktiv mitzugestalten. Unser Wunsch war und ist es, diese Erkenntnis in den Köpfen der Menschen zu verankern und sie zu ermuntern, sich mit anderen auszutauschen und gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln. Die Organisation des Round Table hat bewiesen, dass mit dem nötigen Engagement eine kleine Idee den Rahmen einer Lehrveranstaltung verlassen kann, um so mehr Menschen dafür zu begeistern. Das Organisationsteam hat gelernt, das vorhandene individuelle Potential der Studentinnen bestens auszuschöpfen und davon auf vielfältige Weise zu profitieren. Die intensive Auseinandersetzung mit Kulturproduktion hat nachhaltig überzeugt, dass sich unsere Gesellschaft weg vom passiven Konsumieren hin zum aktiven Produzieren bewegen soll. Kultur zu machen stellt für viele Menschen keine Schwierigkeit dar, die eigentliche Produktion findet erst in der Verbreitung dieser und im Austausch mit anderen statt.

„Der Round Table ist ein perfektes Beispiel dafür, wie viel Potential in einer gut geplanten Lehrveranstaltung steckt und wie spannend praxisorientierter Unterricht sein kann. Die theoretische Einführung zum Thema im ersten Semester bildete das notwendige Grundwissen für eine möglichst fehlerfreie Planung der Veranstaltung. Der Rückhalt unserer Kursleiterinnen hat uns besonders bei der Umsetzung des Projekts über Stimmungstiefs und organisatorische Probleme hinweggeholfen.“ Angela Badegruber

Ein großes DANKESCHÖN geht an dieser Stelle an Julia Jung, die viele organisatorische Aufgaben bravourös gemeistert hat, wie auch an Siglinde Lang und Elke Zobl, die immer kompetente Ratschläge parat hatten und die Kulturproduzentinnen stets dazu ermutigt haben, selbst aktiv zu werden!

“I am a Cultural Producer” hat in vielerlei Hinsicht überrascht. Ein derartiges Format einer Lehrveranstaltung hat an der Universität leider immer noch Seltenheitswert. Außerdem haben die Studierenden gelernt, ein theoretisches Konzept zum Thema Cultural Production in eine gelungene Veranstaltung umzusetzen. Weiters war es auch interessant Teil eines erfolgreichen Teams zu sein und die dadurch entstehende Gruppendynamik hautnah mitzuerleben und sich mit anderen auszutauschen. „I am a Cultural Producer“ war nicht allein aus organisatorischer Sicht ein Erfolg. Neun Studentinnen sind nicht nur in ihre Rolle als Kulturproduzentinnen hineingewachsen, sondern auch menschlich näher zusammengewachsen.

Der Round Table vereinte theoretische Fundierung, kreative Ideen, Organisationstalent, viel Engagement und Entschlossenheit und hat dadurch bewiesen, dass jede und jeder an der Gestaltung und Produktion von Kultur teilhaben kann. Denn: „We are all Cultural Producers!“

© Pia Streicher

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Hall, Stuart (1980): Cultural Studies: two paradigms. In: Media, Culture and Society. vol.2, S. 57–72.

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Göttlich, Udo (2006): Raymond Williams: Materialität und Kultur. In: Hepp, Andreas/ Krotz, Friedrich/ Thomas, Tanja (Hg).: Schlüsselwerke der Cultural Studies, Wiesbaden: VS Verlag, S. 94-103.

Eva Kraxberger (2012): „We are all Cultural Producers“. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #01 , https://www.p-art-icipate.net/we-are-all-cultural-producers/