Von Wissenssystemen und Experimentierräumen

Von der Theorie zur Praxis und zurück

Die Beschäftigung mit künstlerischer Forschung setzt sich in der Rubrik Practice fort. Für ihre Annäherung an künstlerische Ansätze, die sich als ,forschend‘ verstehen, erprobt Daniela Hahn die Form des Selbstinterviews. Sie befragt damit ihre eigene Position in Bezug auf die heterogenen Debatten um das Thema und eröffnet durch assoziativ angelegte und an Beispielen orientierte Zugänge eine anregende Diskussion zu Forschung in der Kunst.

Auch Elke Bippus und Brigitte Kovacs erörtern Fragen der künstlerischen Forschung, konkret im Kontext des von Bippus entwickelten Konzepts des ‚Feldes‘, das sie als Modell der performativen Wirklichkeitserfassung und Wissensbildung zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Praxis versteht und Kovacs in der eigenen künstlerischen Forschung fruchtbar macht.

Mit (gegen-)kultureller Praxis hingegen beschäftigt sich Xenia Kopf in ihrem Beitrag über den autonomen Raum Rog in Ljubljana. Im Gespräch mit Rog-AktivistInnen zeichnet sie dessen bewegte Geschichte und schwierige Kämpfe im Spannungsfeld von emanzipatorischen Politiken, künstlerischer Produktion und stadtplanerischer Vereinnahmung nach.

Dilara Akarçeşme gibt persönliche Einblicke in die als experimenteller Raum des Lernens und Verlernens konzipierte Night School der Wiener Festwochen, die an den Schnittstellen von wissenschaftlichem Diskurs, Kunst und Alltagskultur und von marginalisierten und rebellischen Positionen aus in weiße Wissensregime intervenierte.

In den Notes berichtet Xenia Kopf von der 2016 an der Wiener Angewandten durchgeführten International Autumn School zur Materialität kultureller Praktiken in sozialräumlichen Kontexten. Michael Hieslmair und Michael Zinganel geben Einblick in ihr Forschungsprojekt über sozialräumliche Transformationen entlang der paneuropäischen Straßenverkehrs-Korridore nach dem Mauerfall und der zunehmenden Öffnung europäischer Binnengrenzen. Romana Hagyo schreibt über ihre Beteiligung am Kunstprojekt Walking through … Thessaloniki/Vienna, bei dem Praktiken des Gehens die Basis der Auseinandersetzung mit der Stadt Thessaloniki, der eigenen Position als Besucherin und jener der BewohnerInnen diente. Vom Chorprojekt One Peace berichten Magdalena Marschütz und Rosemarie Demelmair. Gegründet im Sommer 2015 an der Universität Mozarteum Salzburg, stellt es einen musikalisch-kulturellen Interaktionsraum von Geflüchteten und Studierenden dar.

Empfehlungen zu neuen Publikationen und PhD-Studien an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst sind in der Rubrik Recommended zu finden.

Außerdem blickt die vorliegende Ausgabe von p/art/icipate auch auf die W&K-Activities im vergangenen Studienjahr zurück. Berichtet wird von der Exkursion des Dokoratskollegs nach Ljubljana, wo sich die Kollegiatinnen abseits touristischer Pfade auf die Suche nach Experimentierräumen und (wissenschaftlicher) Erkenntnis begaben, von dem interdisziplinären Symposium über künstlerisch-kulturellen Befragungen von Grenzen und Grenzräumen, von der im Rahmen einer Lehrveranstaltung entwickelten und umgesetzten Ausstellung Salzburg pARTicipate!, von einer Lehrveranstaltung zu Kunstmanagement und Textgestaltung für KünstlerInnen im internationalen Kontext , von der Lehrveranstaltung Speaking and Writing about Art in English, in der Studierende ein eigenes Projekte entwickelt haben, und von den Veranstaltungen des W&K-Forums des Schwerpunkts Wissenschaft und Kunst, die dem kontroversiellen Diskurs rund um kultur- und gesellschaftspolitische Fragestellungen in der Stadt Salzburg eine Plattform zu bieten.

Unser herzlicher Dank gilt den AutorInnen dieser Ausgabe für die vielfältigen Beiträge, Wolfgang Gratzer und Elisabeth Klaus (Leitung Doktoratskolleg) für ihre inhaltliche Beratung sowie den DissertationsbetreuerInnen für den Review der OpenSpace-Beiträge. Besonderen Dank auch an Roswitha Gabriel für ihr umfassendes Lektorat und Content Management sowie an Elke Zobl (Leiterin) und Siglinde Lang (Senior Scientist) vom Programmbereich Zeitgenössische Kunst und Kulturproduktion, die die Kooperation ermöglicht haben.

Wir wünschen inspirierende Erkundungen der Experimentierräume und eine anregende Lektüre!

Xenia Kopf, Anita Moser und Johanna Öttl

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Borges, Jorge Luis (1966): Die analytische Sprache John Wilkins. In: Ders. (1966): Das Eine und die Vielen. Essays zur Literatur, München: Hanser, S. 212. Zit. n. Foucault 1974, S. 17.

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Foucault, Michel (1974): Die Ordnung der Dinge. Frankfurt: Suhrkamp.

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Vogl, Joseph (2011): Poetologie des Wissens. In Maye, Harun/Scholz, Leander (Hg.): Einführung in die Kulturwissenschaften. München: Fink, S. 49–71.

Xenia Kopf, Anita Moser, Johanna Öttl (2017): Von Wissenssystemen und Experimentierräumen. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #08 , https://www.p-art-icipate.net/von-wissenssystemen-und-experimentierraumen/