Über den Tellerrand hinausblicken

Rückschau auf die Lehrveranstaltung „Kunst und Kulturmanagement – Einführung“

Covid-19-Pandemie allgegenwärtig

Die Covid-19-Pandemie war als Gesprächsthema kaum zu vermeiden, prägte sie doch im Besonderen auch zum Zeitpunkt der Lehrveranstaltung unser aller Leben. Elfi Eberhard war der Meinung, dass die Pandemie die Probleme, die im Kulturbereich schon zuvor vorhanden waren, an die Oberfläche bringe und somit sichtbarer mache; gleichzeitig sei auch der Eindruck einer Ungleichbehandlung seitens der Politik entstanden – wenn z.B. Großprojekte in der Pandemie stattfinden konnten, die freie Szene aber kaum Unterstützung erhielt. Auch im Gespräch mit Thomas Randisek vom Dachverband Salzburger Kulturstätten, der im Rahmen einer Einheit mit dem Schwerpunkt „Kulturfinanzierung“ am 11. November 2020 per Zoom zu Gast war, war Covid-19 zentrales Thema. Zum Zeitpunkt des Gespräches stand der Beginn des zweiten Lockdowns unmittelbar bevor, dementsprechend konzentrierten sich viele Fragen der Student*innen darauf. Die Frage, ob bzw. wie Kunst- und Kulturschaffende während der Pandemie unterstützt würden, stand dabei besonders im Fokus. Laut Thomas Randisek hatte der Dachverband der Salzburger Kulturstätten zum Zeitpunkt des Gespräches bereits über 270 Individualberatungen zum Thema „Coronahilfen“ durchgeführt.

Diversität im Kulturbetrieb: kein „Nice to Have“ sondern unerlässlich

Die Zoom-Gespräche mit Miriam Camara (akoma coaching & consulting) und Ivana Pilić (Kulturschaffende, Kuratorin und Diversitätsberaterin) am 25. November 2020 drehten sich um die Frage „Wer arbeitet (nicht) im Kulturbetrieb?“. Miriam Camara sprach über diversitätsorientierte Organisationsentwicklung im Kunst- und Kulturbetrieb. Den Beginn ihrer Präsentation bildete die Feststellung, dass wir in einer diversen Gesellschaft leben, aber diese Diversität sich im Kulturbetrieb leider (noch) nicht widerspiegle. Das Ziel solle nicht bloß „Integration“ heißen, im Idealfall denke man weiter und strebe „Inklusion“ an, so lange bis es für alle Mitglieder unserer diversen Gesellschaft möglich sei, in Ausstellungen, zu Aufführungen etc. zu gehen und sich repräsentiert zu sehen. Die drei zentralen Punkte, bei denen mehr auf Diversität geachtet werden müsse, seien die drei „Ps“ (Personal, Programm, Publikum). Um eine Neuorientierung einer Organisation zu ermöglichen, müssten Führungskräfte ausgebildet und sensibilisiert werden – ihnen müsse bewusst sein, dass Diversität ein Thema von zentraler Bedeutung sei. Zum Beispiel beginne ein Diversifizierungsprozess unter den Mitarbeiter:innen einer Kultureinrichtung nicht erst bei den Einstellungsgesprächen. Man müsse schon viel früher auf Diversität achten und bereits beim Formulieren einer Ausschreibung die Anforderungsprofile so ausrichten, dass sich alle potenziellen Bewerber:innen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Sexualität etc. angesprochen fühlen.

Ivana Pilić betonte, dass es wichtig sei, über die eigene Position zu reflektieren und vor allem betroffene Akteur:innen selbst zu Wort kommen zu lassen, anstatt für sie oder über sie zu sprechen. In Österreich seien es meistens Aktivist:innen in der freien Szene, die sich mit dem Thema Diversität beschäftigen; flächendeckende Maßnahmen zur Öffnung von etablierten, hochsubventionierten Häusern gebe es leider noch nicht. An dieser Stelle wünschte sich Ivana Pilić auch für Österreich Institutionen wie den Berliner Think-Thank „Diversity Arts Culture“, um die Diversität im heimischen Kulturbetrieb zu fördern. Sie unterstrich zudem, dass Diversität im Kulturbetrieb nicht eine „Nice to Have“-Angelegenheit, sondern ein Thema von höchster Wichtigkeit sei.

Miriam Camara (links), Ivana Pilić und Ausschnitte aus ihren Präsentationen

Theresa Astleithner (2021): Über den Tellerrand hinausblicken. Rückschau auf die Lehrveranstaltung „Kunst und Kulturmanagement – Einführung“. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #12 , https://www.p-art-icipate.net/ueber-den-tellerrand-hinausblicken/