Zukunft mit Zukunft

Am 12. April 2021 ließ die Münchner Künstlerin Stephanie Müller aka Rag Treasure die Nähmaschine knattern und inspirierte das Publikum mit ihrem Vortrag Laufmaschen-Zauber & Zero Waste Couture. Stephanie Müller komponiert beispielsweise Melodien auf ihrer Nähmaschine, die sie als mobile Werkstatt und Musikinstrument nutzt. Aus Stoff- und Plakatresten schafft sie neue Kunstwerke, die Geschichten erzählen, in Videoarbeiten Verwendung finden, und als bespielbare Requisiten bei Performances und Aktionen im öffentlichen Raum dienen.

Müller sprach über ihre diversen Kunstprojekte wie etwa das Projekt beißpony, das sowohl Band als auch Performance-Projekt ist. Gemeinsam mit Kollegin Laura Theiß haucht Stephanie Müller im Rahmen der beißpony-Performances beispielsweise Gebrauchtem neues Leben ein, indem sie damit Musik machen.

„Aus alt, vergessen, oder weggeworfen mach neu, aufregend und anziehend! Und vergiss nicht, die dabei anfallenden Geschichten zu erzählen!“ So oder so ähnlich kann Stephanie Müllers Mission mit Mode umrissen werden. Wie können Textilien im Kontext von Rebellion und Befreiung eingesetzt werden? Wie lassen sie sich im öffentlichen Raum zur Vernetzung von Menschen und Ideen nutzen? In Stephanie Müllers Kunst sind der Austausch untereinander und die Impulse, die künstlerisch-kollaborative Prozesse für einen nachhaltigeren Umgang mit Kleidung geben können, zentral. Diese Anschauung zog sich auch als roter Faden durch ihren Vortrag und die darauffolgende Diskussion und machte den Abend zu einem faszinierenden und inspirierenden Erlebnis.

Nach den Vorträgen, in denen Einblicke in wissenschaftliche sowie künstlerische Zugänge und Perspektiven gewährt wurden, verknüpften Dilshanie Perera und Anais Reyes vom The Climate Museum New York City diese beiden Disziplinen miteinander und legten darüber hinaus einen Fokus auf das Thema Vermittlung.

In ihrem Vortrag Culture for Action – The Climate Museum New York [AK1] gaben Dilshanie und Anais Einblick in die Arbeit und das Programm des Klimamuseums in New York City, The Climate Museum NYC. Anspruch des Museums ist es, einerseits über Kunst und Wissenschaft klimarelevante Themen zu vermitteln, andererseits im Zuge der Ausstellungen und Aktionen mit dem Fokus Klima die Besucher:innen zum eigenen Handeln zu inspirieren. So sollen vor allem auch gesellschaftliche Verbindungen gestärkt und neue Lösungen der Klimakrise gefunden werden. (S. auch Interview in dieser Ausgabe)

Als besonders interessantes Projekt präsentierten Dilshanie und Anais Climate Signals, eine Ausstellung aus dem Jahr 2018 im öffentlichen Raum. Im Zuge der Ausstellung des Künstlers Justin Brice Guariglia wurden zehn solarbetriebene Highway-Anzeigetafeln in Parks und an öffentlichen Plätzen installiert, auf denen markante Sprüche und Sätze zu lesen waren, die den Klimawandel betreffen. Durch die Tafeln sollte ein Dialog über klimarelevante Themen zwischen den Zuschauer:innen initiiert werden. Der Text wurde in den in New York am meisten gesprochenen Sprachen, Englisch, Spanisch, Chinesisch, Französisch und Russisch, angezeigt.

Dilshanies und Anais‘ Vortrag über die Arbeit und Mission des Climate Museum NYC war sehr informativ, interessant und ein Besuch des Museums sollte definitiv auf dem Plan aller New York-Besucher:innen stehen!

Als letzter Vortragender in der Gesprächsreihe Zukunft mit Zukunft im Sommersemester 2021 war am 10. Mai 2021 Christian Engelbrecht, Referent für Bildung am Futurium Berlin mit seinem Vortrag Zukünfte entdecken und gestalten – Bildung und Vermittlung im Futurium zu Gast. (S. auch Interview in dieser Ausgabe)

Das Futurium in Berlin sieht sich selbst als ‚Haus der Zukünfte‘. Im Zentrum steht die Frage: „Wie wollen wir leben?“ Eine berechtigte Frage, die in aller Munde zu sein scheint, hat das Futurium doch gemeinsam mit Scholz & Friends mit einer Kampagne rund um diese Frage im Juni 2021 den Internationalen Deutschen PR-Preis 2021 gewonnen.

Christian Engelbrecht gab Einblick in die Zukunftsentwürfe und die damit verbundenen Herausforderungen, Chancen und Risiken, die im Futurium ausgestellt werden. Immer mit Blick darauf, Bezüge zwischen den Aspekten „Natur“, „Mensch“ und „Technik“ herzustellen und aufzuzeigen, werden im Futurium unterschiedlichste Ausstellungen, Veranstaltungen und Labs zu verschiedensten Themen aus Wissenschaft, Kunst, Politik und Technologie angeboten. Ziel des sehr vielfältigen Bildungs- und Vermittlungsprogramms ist es, bereits bestehendes Wissen anregend zu vermitteln, eigene zukunftsträchtige Kompetenzen der Teilnehmer:innen zu stärken, und die Besucher:innen mit Tatendrang und Lust auf eine nachhaltige Zukunft wieder ‚in die Welt‘ zu entlassen.

Hanna Wimmer (2021): Zukunft mit Zukunft. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #12 , https://www.p-art-icipate.net/zukunft-mit-zukunft/