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Silke Feldhoff

Silke Feldhoff, Kunstwissenschaftlerin, Dissertation UdK Berlin: „Zwischen Spiel und Politik. Partizipation als Strategie und Praxis in der Kunst“ (2009); Forschung zu Partizipation in Kunst und Kunstvermittlung sowie zu Formen des Lehrens und Lernens von Kunst (Olafur Eliassons Institut für Raumexperimente, Berlin; HGB Leipzig); Dozentin an der UdK Berlin, Hochschule für Bildende Kunst Hamburg, Hochschule der Künste Bern; weissensee kunsthochschule berlin, Universität Erfurt, Kunsthochschule Mainz, Bauhaus-Universität Weimar; tätig in der Kunstvermittlung u.a. für Deutsche Bank KunstHalle, KW Institut for Contemporary Art, Berlin Biennale sowie als Kuratorin u.a. für Hochschulgalerie der HGB Leipzig

Wozu das Ganze?

Absichten, Zwecke und Wirkungen sozietärer künstlerischer Partizipationsprojekte

Partizipation als künstlerische Strategie und Praxis ist seit den 1960er Jahren ein wichtiger Teil zeitgenössischer Kunstproduktion. Seit den späten 1990er Jahren laden auch zunehmend Insitutionen zu partizipativen Projekten ein und es etablierte sich parallel ein eigener Diskurs zu Partizipation in und als Kunst und Vermittlung.*1 *(1) Vor diesem Hintergrund und ausgehend von drei Beispielen sozietärer künstlerischer Praxis aus den Jahre 2009 bis 2013 geht dieser Beitrag der Frage nach, warum sich AuftraggeberInnen, GeldgeberInnen, KünstlerInnen und Projekt-TeilnehmerInnen in das in vielfacher Hinsicht prekäre Gefüge sozietärer partizipatorischer Experimente begeben. Welche Absichten motivieren jeweils die Teilnahme oder Teilhabe, welche Zwecke verfolgen die einzelnen AkteurInnen – welche Wirkungen lassen sich schließlich festhalten oder gar quantifizieren?

Den Auftakt bilden zwei Projekte mit dem Auftrag, mit den und für die BewohnerInnen einer ländlichen Siedlung zu arbeiten. Daran anschließend werde ich ein partizipatives künstlerisches Projekt mit Kindern und Jugendlichen vorstellen. Maßgabe für diese Auswahl war, dass die aufgeführten Projekte zeigen, (1) wie sich KünstlerInnen mit ihrem künstlerischen und ihrem partizipativen Methodenrepertoire gesellschaftlichen Aufgabenstellungen nähern. Dass die Projekte (2) Strukturen nachhaltig veränderten. Und um (3) die Bandbreite des AdressatInnenkreises sozietärer künstlerischer Partizipationsprojekte darzustellen, sollten sowohl Projekte mit Erwachsenen als auch mit Kindern/Jugendlichen diskutiert werden. Im Resümee werden schließlich punktuell einzelne Denkfiguren von Chantal Mouffe, Jacques Rancière sowie von Mark Terkessidis in Anschlag gebracht, um Strukturen sozietärer künstlerischer Partizipationsprojekte zu beleuchten.

Kunst und Partizipation – eine Typologie

Partizipative Verfahren in der Kunst und als Kunst sind ein prägendes Merkmal der Kunst der letzten rund 25 Jahre. Wesentlich entwickelt in den 1960er und 1970er Jahren und breit popularisiert in den 1990er und 2000er Jahren, ziel(t)en sie auf eine Demokratisierung der Kunst. Dazu zählte gleichzeitig eine Fokussierung auf Events, individuelles Erlebnis und Festivalisierung wie auch Formen von Beteiligung vormaliger RezipientInnen, die nun als Co-ProduzentInnen zu kritischem Engagement für sie betreffende Belange und damit zu politischer Mitgestaltung aktiviert werden sollten.

Was aber ist gemeint, wenn von ‚partizipativer Kunst’ oder von ‚Beteiligungskunst’ gesprochen wird? Welche Typen von Partizipation lassen sich identifizieren?*2 *(2) Zur ihrer Bestimmung müssen zunächst verschiedene Einzelaspekte identifiziert werden. Die von mir aufgestellten zentralen Parameter sind das Thema (Kunst über Kunst, als Selbstreflexion der/des KünstlerIn/s oder als gesellschaftliche/politische Artikulation), das Format (die konkrete Ausprägung), die Wirkungsabsicht (Politisierung, Emanzipation und Demokratisierung, Bildung und Erziehung, Unterhaltung) sowie die Rezeptionsmodi (reflexive, physisch-räumliche, somatische, soziale Rezeption). Weitere Kriterien zur Bestimmung eines Projektes sind der Grad der Beteiligung (konsumistische oder konstitutive Partizipation), die Struktur der Arbeit (egalitäre/dialogische oder hierarchische/monologische Partizipation) sowie schließlich die AdressatInnen (individualistisch-solitäre oder kommunitaristisch-sozietäre Partizipation).

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Bölter, Frank (2015): E-Mail-Korrespondenz mit der Autorin, Oktober 2015.

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Deutsche Stiftung Kulturlandschaft (Hg.) (2014): Kunst fürs Dorf. Dörfer für Kunst. Deutschland 2013. Husum: Verlag der Kunst.

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Feldhoff, Silke (2009-1): Zwischen Spiel und Politik. Partizipation als Strategie und Praxis in der Kunst. (= Dissertation an der Universität der Künste Berlin), https://opus4.kobv.de/opus4-udk/files/26/Feldhoff_Silke.pdf.

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Feldhoff, Silke (2009-2): Formen partizipatorischer Praxis in der Kunst. Begriffe, Entwicklungen, Typen – eine Standortbestimmung. In: van den Berg, Jörg /Columbus Art Foundation (Hrsg.): Frank Bölter. Katalog. Leipzig: revolver verlag, S. 157-173.

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Informationsdienst des kulturwerkes des bbk berlin (Hrsg.) (2011): kunststadt | stadtkunst 58, Berlin.

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Informationsdienst des kulturwerkes des bbk berlin (Hrsg.) (2012): kunststadt | stadtkunst 59, Berlin.

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ith ZHdK (2007): Paradoxien der Partizipation. In: 31. Das Magazin des Instituts für Theorie der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK Nr. 10/11.

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Kunstforum International (2012): Prozent Kunst. Kunst am Bau in Bewegung. Bd. 214.

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Reinigungsgesellschaft (2013): Reinigungsgesellschaft. 2-bändiger Katalog. Nürnberg: Verlag für moderne Kunst.

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Reinigungsgesellschaft (2015): E-Mail-Korrespondenz mit der Autorin, Oktober 2015.

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Terkessidis, Mark (2015): Kollaboration. edition Suhrkamp.

Vgl. aktuell Kunstforum International Bd. 240 (Juni-Juli 2016): Get Involved! Partizipation als künstlerische Strategie.

Vgl. die ausführlich entwickelte Typologisierung partizipatorischer Praxen in Silke Feldhoffs Dissertation „Zwischen Spiel und Politik. Partizipation als Strategie und Praxis in der Kunst“, Universität der Künste Berlin 2009, siehe Feldhoff 2009-1 und Feldhoff 2009-2.

Die Ausschreibung, die Wettbewerbsbeiträge und die Juryempfehlung finden Sie in Text und Bild  dokumentiert in: Informationsdienst 2011, S. 31-32.

Stephan Kurr im Gespräch mit Constanze Eckert, Berlin 2011, unveröffentlichtes Typoskript, kann bei der Autorin eingesehen werden.

Für die Schulleitung war es essentiell, dass als Ergebnis des partizipativen Prozesses eine manifeste, materielle Gestaltung realisiert wird, die über das Projektende hinaus im Außenraum der Schule verbleibt. Damit sollte eine nachhaltige Belebung des Schulaußenraums auch für folgende Generationen von SchülerInnen sichergestellt werden.

Der Film kann über dvd@kurr.org bezogen werden; weitere Informationen in: Informationsdienst 2012, S. 13f.

Vgl. hierzu ith ZHdK 2007.

Silke Feldhoff  (2016): Wozu das Ganze?.

Absichten, Zwecke und Wirkungen sozietärer künstlerischer Partizipationsprojekte

In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten # 07 , http://www.p-art-icipate.net/cms/wozu-das-ganze/