PARTIHIHIZIPATION! Oder: Sind wir schon souverän?

Sie haben richtig gelesen: Partihihizipation*1 *( 1 ). Hihi, kein Schreibfehler, sondern Absicht. Hier macht sich jemand lustig über einen Begriff, der derzeit ziemlich ernst genommen wird, meines Erachtens zu ernst. Dieser Begriff, oder viel mehr das, was hinter ihm steckt, drückt ein Zeitgeist-Phänomen aus, das sich eigentlich im Begriff selbst schon desavouiert und dennoch von Politikern so häufig benutzt wird, dass allein schon der inflationäre Sprachgebrauch misstrauisch machen sollte. Um es gleich vorweg zu sagen: Partizipation ist, so meine ich, ein Begriff, der genau das verschleiert, was den Menschen, für deren Anliegen er verwendet wird, zusteht. Niemand will nämlich Teilhabe an etwas gewährt bekommen, das ihm eigentlich schon immer gehört: Souveränität. Es sei denn, er oder sie nimmt sich selbst nicht ernst.

In diesem Beitrag soll anhand des Beispiels „Stuttgart 21“ (kurz: S21), des geplanten Bahnhofs und der Proteste gegen das Projekt aufgezeigt werden, wie das Engagement von Bürgern für das „Recht auf Stadt“ mit politischen Schachzügen ausgebremst wurde und am Ende dann mit scheindemokratischen Partizipationsinszenierungen wie „Schlichtungsgespräch“ und „Volksabstimmung“ dem als „Wutbürgertum“ diskreditierten S21-Widerstand der Wind aus den Segeln genommen wurde. Das zugrunde liegende Ansinnen, die Durchsetzung des demokratischen Souveränitätsprinzips, blieb im Partihihizipations-Gedöns auf der Strecke. Weshalb der Widerstand dennoch sinnvoll war und welcher Gewinn hinsichtlich der Frage nach der Souveränität zu verzeichnen ist, soll die folgende Reflexion über zwei künstlerische Interventionen im besetzten Stuttgarter Schlossgarten aufzeigen. Dabei geht es auch um die Frage des möglichen Mehrwertes ästhetischer Strategien im Kontext gesellschaftlicher Praxis.

 

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Bild-Zeitung vom 3.1.2011, Ausgabe Stuttgart, S. 3.

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Michael Hardt, Antonio Negri: Multitude. Krieg und Demokratie im Empire Campus 2004.

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Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1970; 13. Aufl., 1995. S. 159.

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„Teilhabe erlebbar machen.“ Kommentar von Nikolaus Forstbauer im Kulturteil der den Stuttgarter Nachrichten vom 5. März 2012.

Das Wortspiel wurde erfunden vom SOUP-Mitglied Karin Rehm anlässlich eines SOUP-Beitrages zum Symposium „Bürger. Macht. Staat“ an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen.

Andreas Mayer-Brennenstuhl : (2013) PARTIHIHIZIPATION! Oder: Sind wir schon souverän?.

In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #02 , https://www.p-art-icipate.net/partihihizipation-oder-sind-wir-schon-souveran/