Interview: Maximilian Engelmann

„Unkonventionell, kooperativ, durchdacht – Kommunikationsarbeit an der SCHIRN ist das Zusammenspiel zahlreicher Einzelinitiativen“

Die Marketing- und Kommunikationsaktivitäten entstehen vor allem aus den Themen und Inhalten der jeweiligen Ausstellung. Wie entwickelt ihr konkret einen Marketing- und Kommunikationsplan?

Es geht los mit einem Briefing durch die KuratorInnen, in dem wir die Ausstellung vorgestellt bekommen. Da wir mit den meisten KuratorInnen seit Jahren sehr eng zusammenarbeiten, sind diese bereits sehr aufgeschlossen für Vermarktungskonzepte zu ihren Ausstellungsideen und denken diesen Aspekt der Öffentlichkeit teilweise schon selbst mit. Oft ist daher eine zentrale These zu einem bestimmten Künstler, einer Künstlerin oder ein Thema maßgebliche Leitlinie für die Marketingkonzeption. Daraus ergibt sich oft bereits ein erster Konzeptansatz. In einem weiteren Schritt erfolgen erste Überlegungen zu diesem Ansatz, den wir dann mit der Vermittlungsabteilung und dem Pressebüro durchsprechen, um gemeinsam herauszufinden, welche roten Fäden dieses Konzept aufweisen könnte. In dieser Phase recherchieren wir gemeinsam nach passenden Texten zu dem Thema und achten im Bildmaterial auf Anknüpfungspunkte, die uns ins Auge stechen. Speziell bei großen Kampagnen arbeiten wir uns inhaltlich sehr ein. Dann ziehen wir externe Agenturen hinzu und entwickeln zwei bis drei Kampagnenansätze. Diese werden dann wiederum mit den KuratorInnen besprochen und oft auch weiterentwickelt. Letztlich wird dann unser Favorit sehr genau geprüft, wie und ob dieser Kampagnenstrang realisiert werden kann. Dann erfolgt im Grunde die Umsetzung der Maßnahmen.

Die Ansprache einer breiten Öffentlichkeit ist zentrales Ziel eurer Marketing- und Kommunikationsaktivitäten. Wie würdest du die Ziel- und Dialoggruppen der SCHIRN beschreiben? Nach welchen Kriterien definiert ihr diese?

Pro Ausstellung definieren wir meistens spezielle Öffentlichkeiten bzw. Zielgruppen, die sich aus den Inhalten der Ausstellung ergeben. Wir überlegen, für wen der Themenkreis von Interesse sein könnte, um verschiedene Gruppierungen dann gezielt anzusprechen. Speziell in der Aufbauarbeit haben wir in dieser konkreten Zielgruppenansprache auch sehr schräge Dinge ausprobiert. Zum Beispiel haben wir bei der einer Ausstellung Personen angeschrieben, die in Straßen mit dem gleichen Namen wie der Künstler wohnen. Aber in erster Linie richten wir uns heute nach den klassischen Zielgruppen aus – sprich Museumsbesucher und -besucherinnen. Diese stellen kontinuierlich den Großteil unser BesucherInnen dar.

Wer wäre so ein/e „klassischer Besucher/In“?

Der durchschnittliche Besucher bzw. eigentlich die Besucherin ist wie überall im Kunstbereich weiblich, etwa 49 Jahre, überdurchschnittlich gebildet, verdient zumeist gut und ist eventuell als z.B. Lehrerin tätig. (lacht) Soweit zumindest die Statistik.

Maximilian Engelmann, Siglinde Lang (2013): Interview: Maximilian Engelmann. „Unkonventionell, kooperativ, durchdacht – Kommunikationsarbeit an der SCHIRN ist das Zusammenspiel zahlreicher Einzelinitiativen“. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #03 , https://www.p-art-icipate.net/unkonventionell-kooperativ-durchdacht-kommunikationsarbeit-an-der-schirn-ist-das-zusammenspiel-zahlreicher-einzelinitiativen/