Interview: Maximilian Engelmann

„Unkonventionell, kooperativ, durchdacht – Kommunikationsarbeit an der SCHIRN ist das Zusammenspiel zahlreicher Einzelinitiativen“

Gibt es weitere Kriterien, die für die Zielgruppenansprache wichtig sind?

Ein weiteres Kriterium ist die räumliche Reichweite, die bei Großaufstellungen und je nach Budget einen Umkreis bis zu 300 km von Frankfurt umfasst Ein spezielles Anliegen ist uns auch, das Publikum nach unten zu verjüngen. Vor allem bei dieser Zielgruppe spielen Events sowie der Bereich Social Media bzw. das Online-Marketing immer mehr eine zentrale Rolle.

Inwiefern Online-Marketing?

Online können wir viel direkter operieren und unsere Aktivitäten auch mit „paid content“ verknüpfen – also mit dem Verkauf von Produkten rund um die Ausstellung oder in Verbindung mit dem Ticketverkauf. Über das Publikum hinaus arbeiten wir dann natürlich noch mit anderen Zielgruppen zusammen wie zum Bespiel all jenen, die unter dem Begriff Tourismusmarketing zusammengefasst werden können. Dies ist ein Sektor, der schon weit vorab beworben werden muss. Und natürlich sprechen wir auch gezielt Unternehmen und Medieninstitutionen an, die als Kooperationspartner und Multiplikatoren mit uns kooperieren.

Welche Medien sprecht ihr dabei an?

Wir setzen auf Medien, die eine sehr große Reichweite bedienen. Wir agieren mittlerweile oft weniger im Kunstbereich als in der nationalen Tagespresse. Dort versuchen wir dann großformatig und mit hoher Präsenz vertreten zu sein. Und wir versuchen auch dort im Online-Bereich präsent zu sein.

Stichwort Online-Bereich: Die SCHIRN hat derzeit etwa 26.000 Freunde bei Facebook, betreibt ein Onlinemagazin, einen Videochannel und ist auch auf Twitter aktiv. Welchen Stellenwert nimmt der Online- und Social Media-Bereich in der Kommunikationsarbeit ein?

Einen immer größeren! Vor allem professionelles Online-Marketing, also jene Aktivitäten, die zahlungspflichtig sind, sind im Wachstum. Da entwickeln sich laufend neue Möglichkeiten. Wir investieren immer mehr in diesen Bereich, wobei Online-Marketing und Social Media ja eng miteinander verknüpft sind. Bezahltes Marketing wird gerade über z.B. Facebook zentral distribuiert. Facebook wiederum ist ein großartiges Medium, um rasch Feedback zu bekommen oder Informationen rasch zu distribuieren.

Wie integrieren sich eure Online-Aktivitäten in die gesamte Planung?

Online startet zumeist vor Offline. Wir achten darauf, dass erste Informationen im Netz bereits vorhanden sind, bevor wir über die klassischen Medien – wie Presse oder Plakate –  an die Öffentlichkeit gehen. Wir sind dann schon in den Suchmaschinen vorne platziert und haben über Facebook bereits erste Informationen distribuiert. Erste Inhalte sind online schon soweit vorbereitet, dass die zentralen Kommunikationsschwerpunkte ersichtlich sind. Neben dieser Vorfeldkommunikation kann ich sehr gut Community-Building mit einer direkten Zielgruppenansprache verbinden. Das funktioniert über Facebook sehr gut. Diese Mitglieder fungieren auch als Multiplikatoren und sind oft sehr gut über eigene Plattformen organisiert, sodass sich die Zugänge dann oft von selbst vermehren bzw. erweitern. Außerdem ist der Offline-Bereich beim z.B. Ticketverkauf konkret an den Online-Bereich gekoppelt.

Welche Tendenzen lassen sich für die Kommunikationsarbeit im Online-Sektor erkennen?

Zukünftig wird auch immer mehr Thema sein, wie jene Ausstellungskontexte, die Museen vorerst für den (eigenen) Online-Bereich produzieren, weiterverwertet werden können. Ich meine damit nicht, dass bloß ein Katalog und ein Hörbuch produziert wird, sondern dass man diese in Eigenregie erstellten Inhalte an digitales Fernsehen bzw. auch Unternehmen, die multimedial vertreten sind, weiterverkauft und so Einnahmen generiert. Hier wird m.E. der Markt kippen und zukünftig auf Inhalte angewiesen sein, die bisher kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.

Das ist eine sehr interessante These. Du meinst also, dass der Servicegedanke im Kultursektor in einen kommerziellen Dienst übergehen wird, in dem ProduzentInnen von kulturellen Formaten und Inhalten diese an Dritte weiter verkaufen werden?

Ja, genau so. Da wird, denke ich, ein Riesenmarkt entstehen – auch bzw. gerade für den Kunst- und Kulturbereich.

Herzlichen Dank für das Interview!

 

Maximilian Engelmann, Siglinde Lang (2013): Interview: Maximilian Engelmann. „Unkonventionell, kooperativ, durchdacht – Kommunikationsarbeit an der SCHIRN ist das Zusammenspiel zahlreicher Einzelinitiativen“. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #03 , https://www.p-art-icipate.net/unkonventionell-kooperativ-durchdacht-kommunikationsarbeit-an-der-schirn-ist-das-zusammenspiel-zahlreicher-einzelinitiativen/