Open Up! Ein- und Ausschlüsse in Kunst und Kultur

Von „Kultur für alle“ zu einer Gesellschaft der Vielfalt

Mit dem Artikel Perspektivenwechsel gefragt: Hin zu einer selbstreflexiven und kritischen kulturellen Teilhabe eröffnet Elke Zobl das diesjährige eJournal. Ausgehend von der oben erwähnten Gesprächsreihe gibt sie einen historischen und konzeptionellen Überblick über partizipative und emanzipatorische Ansätze rund um den Slogan „Kultur für alle“ der 1970er und 1980er Jahre. Der Text stellt mögliche Funktionen von Kultur dar, beschreibt Verbindungen von Kultur und Bildung sowie die Entwicklung kultureller Teilhabe-Modelle und arbeitet spezifische Fragen der kritischen Kulturvermittlung heraus. Abschließend werden Möglichkeiten partizipativer Forschung sowie kritischer kultureller Bildung als Handlungsfelder zur Veränderung einer Gesellschaft hin zu einer solidarischen und offenen Gemeinschaft dargestellt.

Max Fuchs, Gast in der erwähnten Gesprächsreihe, diskutiert in Kultur für alle: Wozu? die Leitformel und zeichnet deren historische Entwicklung vor dem Hintergrund politischer Rahmenbedingungen nach. Sein Blick richtet sich vor allem auf die Forderung nach einer „Bildung für alle“ und auf die Umsetzung und Aktualität der Leitformel. Angesichts der bestehenden Herausforderungen in Bezug auf Teilhabe fordert Fuchs ein Kulturverständnis der Pluralität (also ein Sprechen über Kulturen), Partizipationsbemühungen auf Augenhöhe mit den Nutzer_innen und eine Zusammenarbeit verschiedener Bildungseinrichtungen.

Elisabeth Magdlener geht in ihrem Beitrag Über Körper, kulturelle Normierung und die Anforderung einer „Kultur für alle“ im Kontext von Dis_ability, der ebenfalls Teil der Gesprächsreihe war, von einem kulturwissenschaftlichen Ansatz aus, der Behinderung* als „eine soziale und vor allem auch kulturelle Zuschreibung, die immer wieder neu hergestellt, also gemacht wird“, fasst. Dadurch, so ihr Argument, findet eine Verschiebung weg vom Individuum hin zu einer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen statt. Magdlener diskutiert die Bedeutung von Kultur und Teilhabe und schließt mit Denkansätzen für eine inklusive, vielfältige Gesellschaft.

In dem Artikel Was tun? diskutieren Laila Huber und Elke Zobl Prozesse des Verhandelns von Partizipation und des spielerischen Öffnens von liminalen Räumen an den Schnittstellen von intervenierender Kunst, kritischer Kunstvermittlung und Forschung. Anhand des Projektes Making Art – Taking Part! Künstlerische und kulturelle Interventionen von und mit Jugendlichen zur Herstellung von partizipativen Öffentlichkeiten, das in einem Team und mit Schüler_innen in Salzburg durchgeführt wurde, legen sie konkrete Projektsituationen vor allem in Hinblick auf Strategien der kritischen Kunstvermittlung wie der Dekonstruktion und der Intervention dar.

Der Beitrag von Persson Perry Baumgartinger und Anita Moser diskutiert die Umsetzung von Theorien der kulturellen Teilhabe in der Praxis kritischer Kulturarbeit. Der Titel Frictions and Fractions?! Kritische Perspektiven auf Kulturarbeit, Kulturvermittlung und Diversity stellt bereits klar, dass es sich bei konkreter, transformativer Kulturarbeit weniger um Wohlfühlveranstaltungen, sondern vielmehr um (im besten Fall konstruktive und solidarische) Ausverhandlungsprozesse handelt. Dafür schlagen sie die Verbindung spezifischer Ansätze des kritischen Diversity mit solchen der kritischen Kulturvermittlung vor.

Mit (Nicht-)Zugehörigkeit und Diskriminierungen auf sprachlicher Ebene setzt sich schließlich Vina Yun in ihrem Beitrag Die ,Flut‘ in unseren Köpfen auseinander und geht dabei der Frage nach, wie Medien über Flucht und Geflüchtete sprechen. Kennzeichnend für die breite Berichterstattung ist eine Diskrepanz zwischen weitgehend fehlender Selbstdefinition sowie -repräsentation und der Dominanz von Fremdbezeichnungen, die Betroffene als Hilfeempfänger_innen statt als autonome, handelnde Subjekte imaginieren. Ausgehend davon diskutiert Yun Begriffe, Sprachbilder und Verschiebungen im Diskurs sowie deren Effekte.

 

Die Gesprächsreihe fand am Programmbereich Zeitgenössische Kunst und Kulturproduktion statt. Sie wurde von Elke Zobl, Elke Smodics, Dilara Akarçeşme und Laila Huber konzipiert. Der folgende einleitende Textabschnitt basiert auf einer von Elke Smodics und Elke Zobl verfassten Beschreibung dieser Gesprächsreihe.

Vgl. https://pride-parade.de

Persson Perry Baumgartinger, Anita Moser, Elke Zobl : (2018) Open Up! Ein- und Ausschlüsse in Kunst und Kultur.

In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #09 , https://www.p-art-icipate.net/open-up-ein-und-ausschluesse-in-kunst-und-kultur/