„Die Anwesenheit von anderen kulturellen Prägungen ist in Salzburg kein Thema.“

Ein Interview mit Karl Zechenter von Persson Perry Baumgartinger und Dilara Akarçeşme

Was ist das Besondere an diesen Projekten?

Das Programm hat in den letzten zehn, fünfzehn Jahren ‑ unabhängig von der Stadt Salzburg ‑ immer stärker in den verschiedenen Regionen Salzburgs gegriffen. Dabei müssen Gemeinden, wenn sie mehr Geld erhalten wollen, zusammenarbeiten, was sie sonst fast nie machen, außer bei Themen wie Abwasserentsorgung. Sie müssen kooperieren, um an zusätzliche Gelder zu kommen ‑ dies ist der große Ansporn. Dabei werden hauptsächlich Kulturprojekte gefördert.

Das Problem ist dabei der hohe bürokratische Aufwand, der vor der Finanzierungszusage gestemmt werden muss. Abgesehen davon stellt sich die Frage, was mit diesem Projekt nach dem Ablauf der Finanzierungsperiode geschieht. Die einzige Möglichkeit einer Projektweiterführung wäre die Übernahme durch das Land, denn die Gemeinden zeigen in den meisten Fällen wenig Interesse.

Wir haben in der Hinsicht als Dachverband versucht, die Initiativen dahingehend zu unterstützen, dass sie für die Projektansuchenszeit finanzielle Mittel bekommen. Auch wenn es schwierig ist, Finanzierung aus dem Kulturtopf zu erhalten, wenn noch nichts produziert wurde. Hier muss kontrolliert werden, ob das nicht dem Gesetzestext zur Kulturförderung widerspricht.

Gatekeeper sind Tourismusverband, BürgermeisterInnen, traditionalistische Kreise der ÖVP, zum Teil Land Salzburg und die mittlere Verwaltungsebene. Der Bund spielt eine sehr geringe Rolle, obwohl er in einzelnen Fällen sehr wohl eine positivere Rolle spielen könnte. Gerade bei modernen Kunstformen oder Teilhabe will der Bund keine Verantwortung wahrnehmen. Wir haben das des Öfteren in Gesprächen mit dem Bund angesprochen, ob sie bestimmte Initiativen unterstützen wollen, um einen Impuls zu setzen, doch man lehnte ab mit der Begründung, das bliebe ewig an ihnen hängen.

Das ist eine Gefahr, die viele sehen, wenn es um Finanzierung geht: „Wenn wir einmal etwas finanzieren, müssen wir das immer tun. Und alle anderen würden sich dann zurücklehnen.“ Das führt zu einem dauernden Warten. In Prinzip wird dann darauf gewartet, dass eine ältere Person in der Gemeinde, die bald in Pension geht, beschließt, einen Verein vernünftig zu führen. So ungefähr geht das vonstatten.

Also ist es schwierig, als Einzelperson gegen diese GatekeeperInnen durchzukommen?

Es ist extrem schwierig. Die Unterstützung ist immer nur bis zu einem gewissen Punkt vorhanden. Ich habe aber durchaus ‑ rund um die Entwicklung von „New Public Management“ in den 2000er Jahren ‑ eine Redefinition der Rolle der Verwaltung miterlebt. Dabei ging es in erster Linie darum, die Accountability zu verstärken. Im Zuge dessen sind zu Beginn einige Sachen schief gelaufen. Beispielsweise hieß es dann: „Wir geben euch so viel Geld und ihr habt wenig ZuschauerInnen. Was ist das für ein furchtbares Verhältnis!“ Nur um festzustellen, dass es in dieser Logik nicht funktionieren kann. Willkommen in Teilhabeprozessen! Daraufhin wurden einerseits Kulturleitbildprozesse gestartet und andererseits wurde intern versucht, Prozesse zu finden, mit denen geförderte Projekte evaluiert werden können. Dies hatte wiederum Rückwirkungen auf die Art und Weise, wie die Verwaltung ihre eigene Rolle versteht, also nicht nur als strenge KontrolleurInnen, sondern immer mehr in Richtung Serviceeinrichtung. Das heißt, wenn man von Krimml nach Salzburg kommt, erhält man ein ganz gutes Coaching von BeamtInnen, die versuchen weiterzuhelfen und Tipps geben, was wie ausprobiert werden könnte. Damit verabschiedete man sich von einem Bild, in dem bei BeamtInnen nur Förderanträge abgegeben werden.

Gibt es für dich noch weitere wichtige Aspekte kultureller Teilhabe?

Ich habe mich in diesem Gespräch eher auf persönliche Erfahrung gestützt, allerdings gibt es noch wichtige Hard Facts, die nicht vergessen werden dürfen. Erstens liegt der Schwerpunkt bei Förderungen in Salzburg auf der Bewahrung des kulturellen Erbes und volkskultureller Tradition. Das ist im Kulturselbstbild Salzburgs zu finden, wenn man zum Beispiel in den Tourismusplan oder auf die Website des Landes blickt. Aber wie viel Platz hat kulturelle Teilhabe? Oder kommt sie überhaupt vor? Eher nicht, allerdings wird sich das ändern. Wenn man jetzt aber noch nachsieht, kann ziemlich genau abgebildet werden, was der gängige Diskurs seit 1990 ist. Zweitens werden 70 Prozent des Kulturbudgets in Salzburg für große Institutionen eingesetzt, wo gesetzlich notwendigerweise Geld ausgegeben werden muss. Wie viel bleibt dann tatsächlich für Projekte im Bereich der kulturellen Teilhabe über? Nicht viel.

Vielen Dank für das Interview!

Persson Perry Baumgartinger, Dilara Akarçeşme, Karl Zechenter (2018): „Die Anwesenheit von anderen kulturellen Prägungen ist in Salzburg kein Thema.“. Ein Interview mit Karl Zechenter von Persson Perry Baumgartinger und Dilara Akarçeşme . In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #09 , https://www.p-art-icipate.net/die-anwesenheit-von-anderen-kulturellen-praegungen-ist-in-salzburg-kein-thema/