Critical Zones. Horizonte einer neuen Erdpolitik

Eine Ausstellung trifft auf eine instabile Welt

15 Kilometer nach oben und 15 Kilometer nach unten: Das ist die Haut, auf der wir stehen, in der wir uns bewegen, das ist Gaia, deren Teil wir sind und die wir verändern.*1 *(1) Als ein Netz von kritischen Zonen beschreibt der Philosoph und Begründer der Akteur-Netzwerk-Theorie Bruno Latour den Raum, in dem wir uns bewegen, und übersetzt ihn in die Ausstellung Critical Zones, konzipiert als Gedankenexperiment, Erfahrungsraum und Forschungsprojekt. Gemeinsam mit seinem langjährigen Ausstellungspartner Peter Weibel erschafft Latour am ZKM einen politischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Raum, in dem alle Akteur*innen dazu aufgefordert sind, „terrestrial“ zu werden. „Becoming terrestrial“ bedeutet für ihn, kritisch hinzuschauen, zu erkunden und zu beobachten, wie sich die Erde mit und durch uns verändert.

Critical Zones ist ein transdisziplinäres kuratorisches Forschungsprojekt: Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Lai*innen sind dazu eingeladen, aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen ihren je individuellen Blick auf Krisengebiete der Erde zu werfen. Die Ausstellung dient der Observation kritischer Zonen: Ob man die Cloud Studies von Forensic Architecture erkundet, sich für For the Love of Corals von Sonia Levy interessiert oder den Text- und Archivpfaden der Ausstellung folgt; zu sehen bekommt man Mikro- und Makrokosmen des Lebens, die sich ständig weiterentwickeln. Alles ist miteinander vernetzt, verbunden und wirkt aufeinander ein.

Die Ausstellung, die eigentlich im Mai 2020 eröffnet hätte werden sollen, wurde aufgrund von Covid-19 einer Transformation unterzogen. Die Pandemie dient als Metapher für die theoretische Grundlage der Ausstellung. Sie ist die Naturkatastrophe, die über Menschen herrscht, Ländergrenzen missachtet, Gesundheitssysteme zum Einsturz bringt, Schicksale verändert und gleichsam Teil von uns ist. Die Menschen verändern die chemische, die physikalische, die geodynamische Haut der Erde und mit ihr sich selbst – die Pandemie ist natürliches Produkt dieser Veränderungen, ihre Expansion Teil unserer Lebensform. So veränderte die Pandemie wechselwirkend auch die Ausstellung und gibt ihr ein digitales Interface.

Der physische Teil der Ausstellung öffnete seine Türen am 24. Juli 2020 in den industriellen Hallen des ZKM in Karlsruhe und kann noch bis zum 28. Februar 2021 besucht werden. Der virtuelle Part feierte schon am 23. Mai Eröffnung und kann auf der Website des ZKM besucht und erkundet werden.

 

Critical Zones
Horizonte einer neuen Erdpolitik
Eine Ausstellung von Bruno Latour und Peter Weibel

ZKM
Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Sa, 23.05.2020- So, 28.02.2021

Link zur Ausstellung
https://zkm.de/de/ausstellung/2020/05/critical-zones (Zugriff 02.09.20)

Gaia ist der Raum, in dem Leben fähig ist. Die Menschen sind Teil davon – gleichzeitig haben sie immer noch das Gefühl „auf der Erde“ zu sein und diese verändern können und nicht umgekehrt. Jeweils15 km nach unten in das Erdreich hinein und nach oben in die Atmosphäre bezeichnet Latour als die kritischen Zonen.

Gwendolin Lehnerer (2020): Critical Zones. Horizonte einer neuen Erdpolitik. Eine Ausstellung trifft auf eine instabile Welt. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #11 , https://www.p-art-icipate.net/critical-zones-horizonte-einer-neuen-erdpolitik/