„Man muss mit einer großen Leidenschaft und einem gewissen Sendungsbewusstsein arbeiten.“

Elisabeth Schneider im Gespräch mit Persson Perry Baumgartinger über regionale Kulturarbeit in Radstadt, Land Salzburg

Wie wird kulturelle Teilhabe im Salzburger Land umgesetzt? Welche Projekte kultureller Teilhabe gibt es bereits und welche Hürden sind noch zu meistern? Das Interviewgespräch mit Elisabeth Schneider konzentriert sich auf die aktuellen Herausforderungen von Teilhabeprozessen, auf Förderpolitik im Kunst- und Kulturbereich in Radstadt und auf die Unterschiede zwischen Stadt und Land. Elisabeth Schneider ist langjährige künstlerische Leiterin, Programm- und Projektentwicklerin sowie Geschäftsführerin des Kulturkreises DAS ZENTRUM Radstadt. Außerdem engagiert sie sich überregional im Landeskulturbeirat der Salzburger Landesregierung und bei Leader Pongau. Das Interview wurde in Radstadt während des 17. Filmfestivals 2018 geführt.

Wie setzt du in deinen Projekten kulturelle Teilhabe um?

Es ist eigentlich eine grundsätzliche und selbstverständliche Voraussetzung. Wenn ich hier in Radstadt arbeite und möchte, dass sich Menschen für diese Programme und Inhalte interessieren, muss ich es so aufbereiten, dass kulturelle Teilhabe automatisch möglich ist. Sonst interessiert das niemanden. Ich kann da nicht abgehoben agieren und muss von Anfang an schauen, wo die Interessen liegen. Wie finde ich Anknüpfungspunkte, wo ich Menschen erreichen kann? Daraus werden die unterschiedlichsten Programme entwickelt.

Kannst du ein Beispiel eines gelungenen und/oder gescheiterten Versuchs kultureller Teilhabe im Zuge eurer Projekte nennen?

Nehmen wir das aktuelle Filmfestival als Beispiel. Es ist das siebzehnte. Wir haben insgesamt 27 Filme. In der Programmierung ist es für mich wichtig, die unterschiedlichsten Zielgruppen anzusprechen. Das ist eine Grundvoraussetzung, denn wenn unterschiedlichste Interessen an einem Ort aufeinandertreffen, entsteht Austausch und etwas Neues. Wenn Menschen, die sich beispielsweise für den Film Der Wildheuer interessieren, mit anderen, die sich für den Film MABACHER – #ungebrochen interessieren, zusammenkommen, dann entsteht Kommunikation. Damit ist das eine Form von Teilhabe an unterschiedlichsten Interessen und Bedürfnissen. Das ist die Art und Weise, in der ich versuche, hier vor Ort zu arbeiten. So kommen alle ins Gespräch, werden wahrgenommen und gehört. Es wird nachgefragt: „Warum interessiert dich das?“ Daraus ergibt sich auch für mich persönlich eine spannende Weiterentwicklung in Bezug auf die weitere Programmierung.

Das klingt so, als würde durch das Programm und durch die Vielfalt an interessierten Leuten eine Atmosphäre geschaffen, in der Austausch möglich wird. Kann man das so zusammenfassen?

Ja. Ich denke, das ist auch der große Vorteil, wenn man am Land Kulturarbeit macht. Man kann nicht zu elitär vorgehen, sondern muss sehr offen und großzügig sein, damit es keine Einschränkungen gibt. Der größte Anspruch ist die Qualität. Wenn wir etwas machen, dann wollen wir den Leuten beste Qualität bieten. Es ist nicht so wichtig, ob das spezifische Menschen interessiert, wir wollen, dass es grundsätzlich für alle interessant ist. Dann müssen wir es eben so aufbereiten, dass es funktioniert.

Gab es Momente, wo du das Gefühl hattest, dass es nicht funktioniert hat oder gescheitert ist?

Natürlich macht man diese Erfahrung immer wieder. Vielleicht sind das Erfahrungen, die die früheren Jahre stärker geprägt haben. Damals war das Bedürfnis größer, an Themen dranzubleiben und diese zu machen, weil man sie wichtig fand. Dann mussten wir feststellen, dass andere Themen wichtiger sind. Die Sensibilität und Hellhörigkeit zu entwickeln, was diese Themen sind und wie man es schafft, über die Wunschthemen die richtigen Inhalte zu bringen, war ein Prozess.

Persson Perry Baumgartinger, Elisabeth Schneider (2019): „Man muss mit einer großen Leidenschaft und einem gewissen Sendungsbewusstsein arbeiten.“. Elisabeth Schneider im Gespräch mit Persson Perry Baumgartinger über regionale Kulturarbeit in Radstadt, Land Salzburg. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #10 , https://www.p-art-icipate.net/man-muss-mit-einer-grossen-leidenschaft-und-einem-gewissen-sendungsbewusstsein-arbeiten/