Nicht wie ein UFO in einer Region landen

Andrea Hummer im Gespräch mit Anita Moser über Möglichkeiten und Grenzen kultureller Teilhabe beim Festival der Regionen

 

In Salzburg findet 2021 ein neues für den ländlichen Raum konzipiertes Festival statt. Was sind deine drei wichtigsten Empfehlungen für so ein Festival?

Wir sind mit unserem Festival jedes Mal in einer völlig anderen Region. Wir stellen uns manchmal die Frage, ob es nicht klug wäre, eine Region zweimal oder dreimal zu bespielen oder mit dem Festival zwei Jahre später in die Nachbarregion zu gehen. Man erzielt idealerweise positive Effekte in einer Region, die man für das nächste Festival nutzen könnte und kann auf Mitwirkende, Publikum und Netzwerke zurückgreifen. Es ist ziemlich zeitraubend, jedes Mal wieder alles von Neuem aufzubauen.

Etwas anderes ist die Größe der Region. In der Leader-Region Perg-Strudengau beispielsweise fährt man von einem Ende bis zum anderen etwa zwei Stunden mit dem Auto oder mit dem Bus. Der öffentliche Verkehr ist am Land oft problematisch. Wir haben daher Shuttledienste eingerichtet, aber diese kann man nicht so gestalten, dass die ganze Region bedient wird. Insofern wäre eine Anregung für das Festival in Salzburg, mit einem relativ kompakten, kleinen Gebiet zu beginnen. Man kann dann immer noch größer werden.

Auf der Programmebene ist der Weg des Festivals der Regionen ein interessanter – und es wäre sicher gut darüber nachzudenken, ob das in Salzburg auch funktionieren könnte: Wir treten nicht als Importeur von Kulturprojekten auf. Wir finden es wesentlich, die Bevölkerung mit ihren Bedürfnissen in die Programmentwicklung und in die Programmgestaltung einzubinden. Ich glaube, sowohl in Oberösterreich als auch in Salzburg ist es für ein Festival im ländlichen Raum wichtig, dass etwas bleibt – durch die aktive Einbindung der Bevölkerung bereits in der Programmgestaltung ist das eher gewährleistet. Wir haben aus diesem Grund unser Konzept bei der Ausschreibung für das Festival der Regionen 2021 umgestellt. Wir haben die Künstler*innen eingeladen, nicht wie bisher fertige Projekte einzureichen, sondern sich als „KulturNaut*innen“ zu bewerben. Die ausgewählten Künstler*innen werden über längere Zeiträume gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort Projekte entwickeln und dann beim Festival umsetzen.

 

„Die Gütigen“ (hier mit Blaine L. Reininger und Liedertafel Naarn) von Elli Papakonstantinou. Foto: Nick Mangafas

 

„Eigentlich ist aber die Politik gefragt: Wollen wir, dass Kunst und Kultur stattfinden können und wenn wir das wollen, wie können wir das am besten ermöglichen, erleichtern und Zugänge schaffen?“

 

Was braucht es von kulturpolitischer Seite, damit man in ländlichen Räumen bestmöglich arbeiten kann? Was ist die Rolle von Kulturverwaltungen in diesem Zusammenhang?

Ich glaube, dass die Rahmenbedingungen von der Kulturpolitik vorgegeben werden. Natürlich hat die Verwaltung Spielräume, die sie nutzen kann. Eigentlich ist aber die Politik gefragt, die für sich klar definieren muss: Wollen wir, dass Kunst und Kultur stattfinden können und wenn wir das wollen, wie können wir am besten ermöglichen, erleichtern und Zugänge schaffen?

In Linz hat man es gegenwärtig zum Beispiel mit der Situation zu tun, dass die Budgets stagnieren, wenn nicht sogar zurückgehen. Das heißt, dass bestehende Initiativen finanziell mehr schlecht als recht ausgestattet werden. Neue Initiativen haben es besonders schwer. In den ländlichen Regionen ist es ähnlich oder noch schlimmer. Ich glaube, viele würden sich eine Weiterentwicklung am Land wünschen, aber dafür müssten verstärkt Gelder für neue Initiativen freigemacht werden – für junge Menschen, die ihre eigenen Ideen haben, um ihre Entwicklung zu fördern.

Es gibt kulturpolitische Überlegungen in Hinblick auf die Schaffung besserer Rahmenbedingungen, aber es gibt da immer noch genug zu verbessern. Als Beispiel möchte ich die „Lustbarkeitsabgabe“ anführen, die oft noch für Kulturveranstaltungen mit Musik und Tanz eingehoben wird. Die Stadt Perg hat diese abgeschafft. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn man sollte froh sein, wenn die Menschen ihre privaten Räume verlassen und in einen Kommunikationsraum mit anderen treten, und das nicht noch extra besteuern. Auf bürokratischer Ebene, etwa was Genehmigungen betrifft, gibt es auch Hürden, die man reduzieren könnte. Natürlich ist Sicherheit wichtig, aber das könnte auch ein wenig kooperativer funktionieren, als das derzeit oft der Fall ist. Wir haben zwar in Perg-Strudengau durchwegs gute Erfahrungen gemacht, aber es gibt auch andere Fälle. Ich habe kürzlich in einer größeren Stadt eine Veranstaltung organisiert, wo die Kommunikation mit den Behörden dermaßen kräftezehrend war, dass ich verstehen kann, wenn manchen die Lust vergeht, etwas zu veranstalten – mehr Miteinander wäre wünschenswert. Im Vordergrund sollte stehen, Kulturveranstaltungen zu ermöglichen, bei denen Menschen zusammenkommen und gemeinsam tanzen, feiern, diskutieren und mehr können.

Anita Moser, Andrea Hummer (2020): Nicht wie ein UFO in einer Region landen. Andrea Hummer im Gespräch mit Anita Moser über Möglichkeiten und Grenzen kultureller Teilhabe beim Festival der Regionen. In: p/art/icipate – Kultur aktiv gestalten #11 , https://www.p-art-icipate.net/nicht-wie-ein-ufo-in-einer-region-landen/